Ash My Love – Honeymoon Blues / noise42

Ash My Love – Honeymoon Blues / noise42

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FORMAT
LP

STATUS

available

RUNNINGTIME
20 min. 33 sec.

TRACKLIST
01 Death Letter
02 Lonesome Me
03 Mr. Elisabeth
04 Screamin’ Blues
05 Early This Morning
06 Fire
07 Heading Down
08 Heart In Hand

PRESSING INFORMATION
colored vinyl, 500 made
download code included

RELEASE DATE
08.05. 2014

Die Medienkiste
Ich wollte wahrlich nicht daran glauben, doch es gibt sie: Hochwertige Musik in diesen wahrlich nicht schönen Zeiten! Ich dachte, mit dem Tod von Amy Winehouse wäre nun die letzte Hoffnung darauf verschwunden, doch dank eines Zufallsfundes im Plattenladen wurde ich nun eines Besseren belehrt.
Der Fund kommt naturgemäß aus der Indie-Ecke – genauer gesagt, von einem Duo aus Wien, das da heißt. Im Jahr 2013 erschien ihre erste EP , die ich leider verpasst habe. Doch im April letzten Jahres wurde spätabends ein Auszug aus ihrem neuen Album auf FM4 vorgestellt und sofort war ich hin und weg. Nach vergeblicher, monatelanger Suche habe ich die Platte nun vor einiger Zeit endlich im örtlichen Plattenladen gefunden und sofort gekauft. Der Name? , erschienen auf Noise Appeal Records!
Kaum durchkämmt die Nadel die ersten Rillen der LP, fühlt man sich zwangsläufig an die White Stripes erinnert. Doch bei genauerem Hinhören entpuppt sich eine Klangwelt, die noch sehr viel tiefer als die der geht. Völlig entfremdeter, dreckiger, verzerrter Gesang entführt in abtrünnige und morbide Welten, der fahle Geruch alten Bieres und selbstgebrannten Alkohols dringt förmlich aus den Lautsprechern. Hinzu kommt eine rauhe Instrumentierung ohne großflächigen Einsatz von Computer, wie er ja im Mainstream mittlerweile gang und gäbe ist. Die Texte drehen sich primär um die morbiden Abgründe menschlicher Liebe (Early this morning, my heart knocks at the door…) und setzen der allgemeinen depressiven Atmospäre nur noch einen drauf. Das Album nur auf Vinyl zu veröffentlichen, war eine goldrichtige Entscheidung aller Beteiligten, denn für diesen dreckigen Sound wäre ein digitaler Tonträger eine wahre Beleidigung! Ash My Love in ein Genre zu packen, ist wahrlich nicht einfach, am ehesten wäre die Bezeichnung “Bluespunk” angemessen. Honeymoon Blues ist wahrlich schmutzig, an allen Ecken und Enden knarzt und raunt es, und die gesamte Produktion ist schon fast magisch, sie zieht einen wahrlich in ihren Bann. Das Album ist ein wahres Erlebnis für jeden, der von kunterbuntem Electro-Pop die Schnauze gestrichen voll hat und mal wieder handmade hören möchte. Für mich die Platte des Jahres 2014 und ganz sicher eine Investition wert!
PS: Die auf wenige 100 Stück limitierte, goldene Platte lässt sich auch bestellen!

Skug
Angesichts der stilistischen und strukturellen Beschaffenheit von Ash My Love waren die Vergleiche mit den White Stripes schon von Beginn an absehbar. Und tatsächlich wird in den meisten Besprechungen von »Honeymoon Blues« auf das Rumpel-Rock-Duo aus Detroit Bezug genommen. Auch in dieser hier. Und das schon im ersten Satz! Der streng reduzierte Anarcho-Blues und das personelle Line-Up (gemischtgeschlechtliches Duo) sind die offensichtlichsten Analogien. Doch auch im Detail gibt es Überschneidungen. Das Debütalbum von Ash My Love wird nämlich vom soge- nannten »Death Letter Blues« eröffnet, der sich frei beim gleichnamigen Song der Blues-Legende Son House bedient, welcher wiederum von den White Stripes gecovert wurde. Wer ob dieser Zitate und Verweise nun allerdings den Verdacht der Ideenarmut hegt, dem sei in Erinnerung gerufen, dass gerade in einem auf Tradierung fußenden Genre wie dem Blues die Weiter- und Wiedergabe von »set pieces« ganz allgemein immer stattfindet, und Ash My Love – bei aller Liebe zu dieser Musik – damit auch Sandkastenspiele betreiben. Und – welche Ironie – gerade eine Platte wie »Lazaretto«, das im vergangenen Sommer erschienene zweite Soloalbum von Jack White, beweist, dass solche Spielchen auch mächtig schief gehen können. Im Zweifelsfall funktioniert Blue Eyed Blues dann am besten, wenn die Weichen eben nicht auf Machismo oder Schwanzverlängerung (siehe Jack White) sondern stattdessen auf Reduktion gestellt sind. Und das sind sie bei Ash My Love allemal. Was nicht existenziell notwendig ist, hat im Kosmos dieser Band keinen Platz. Ein eigener Schlagzeuger etwa. Andreas Dauböck, Sänger und Gitarrist, sorgt, indem er sitzend eine Bass-Drum bedient, bei Ash My Love nicht nur für »and Blues« sondern auch für »Rhythm«. Kongenial werkelt daneben Ursula Winterauer am Bass, die außerdem durch ihren krassen Gesang so manchen Song des Albums veredelt. Wie man sich denken kann, ist »Honeymoon Blues« eine zutiefst räudige Angelegenheit. Mikros übersteuern, der Bass surrt und alles zusammen scheppert herrlich grindig. Nach tollen zwanzig Minuten ist alles auch schon wieder vorbei. »Der Blues des weißen Mannes zählt nach wie vor zu einem der musikalischen Großverbrechen, das so glaubwürdig wirkt wie ein regentanzender Wall-Street-Broker in Navajo-Kriegsbemalung«, schrieb skug-Kollege Paul Poet vor einigen Jahren in einer Rezension der Black Keys und ließ dem eine Tirade gegen Haushaltsversicherungs-Rocker wie Eric Clapton folgen. Poet weiter: »Und doch: Es gab Jon Spencer, Edwyn Collins, sogar die frühen White Stripes und vor allem die Black Keys aus Akron, Ohio, die einen nicht sofort Hirnmasse verspritzen lassen wollen.« Und jetzt gibt es eben auch Ash My Love. (Gabriel Mayr)

music-scan.de
Dass ASH MY LOVE keinen Beitrag zum Soundtrack von „True Detective“ abliefern durften, liegt wohl nur daran, dass sie T Bone Burnett, der für die musikalische Untermalung bzw. Ausstattung der Okkult-Krimi-Serie verantwortlich zeichnete, mutmaßlich nicht bekannt sind. Ansonsten passen Stil, Attitüde und die transportierte morbide Stimmung bestens zum Serien-Plot. Der „Honeymoon Blues“ fällt mit einer Spielzeit von zwanzig Minuten recht kurz aus, doch das Anliegen ist in dieser Spanne allemal herüber gebracht. Gitarrist und Schlagzeuger Andreas Dauböck (auch Morbidelli Brothers) und Bassistin Ursula Winterauer (von Agent Cooper) stellen auf einen einfach gestrickten, jedoch effektiven und stimmungsvollen (Delta) Blues-meets-Rock’n’Roll ab, wobei die Österreicher ihr Spiel sehr puristisch betreiben. Und doch erlangen ASH MY LOVE mit ihren acht Stücken Wirkung. Leidenschaft, ein reflektierter Blick auf die eigene Musikalität und die totale Verinnerlichung der gewählten Ausrichtung führen zu einem stilechten, schaurig-schönen und minimalistisch umgesetzten Blues-Rock-Werk, an dem es nichts zu deuteln gibt. Der geteilte Gesang sorgt für Abwechslung, doch auch temposeitig und hinsichtlich der gebotenen Intensität wissen Andreas Dauböck und Ursula Winterauer unterschiedliche Akzente heraus zu stellen und so zu Variabilität zu finden. Verbindung schafft dabei der abgefuckte, dreckige und tendenziell geheimnisvolle Anstrich, den der „Honeymoon Blues“ mitbringt. Das Cover weist diesbezüglich den Weg. (7/10) Arne

ox fanzine#115
Mit Bedauern muss ich zunächst feststellen, hier nur die CD-Version einer als Vinyl erschienenen Platte zu besprechen habe. Derartig dreckiger Garagen-Blues-Rock’n’Roll gehört natürlich auf Vinyl und genau so hätte ich ihn auch hören wollen, statt nun in der digitalisierten Form. Das Duo, Mann und Frau, rotzt sich wunderbar durch acht Songs voller Schrammelgitarren und Schießbudengekloppe. Für die Fussnote sei ein Sternchen gesetzt, das die Worte “und das Scheisse noch mal extrem melodisch” hinzugefügt. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Heimat der Band Wien sein soll. Ich gehe somit davon aus, dass man im Kaffeehaus ums Eck auch Bier und Whisky im Ausschank hat. Erschienen ist das Album nebenbei schon Mitte Mai und da es nur eine 500-er Auflage gab, sollte der geneigte Leser alsbald den Plattenhändler seines Vertrauens aufsuchen, um nicht leer auszugehen. Es wäre ein Verlust. (9) Claus Wittwer

freistil.magazin#55
Wow, da geht ja grade einiges bei Noise Appeal. Ash My Love sind mit ihrem Full-length-Honeymoon Blues das nächste komplementärgeschlechtliche Duo, das bei einem unserer Lieblingslabels am Rad drehen darf. Ursula Winterauer (b) und Andreas Dauböck (g, dr) scheinen, ganz ihren Namen widersprechend, den Blues durchaus gefressen zu haben. Für jemanden wie mich, der, ehrlich gesagt, echt immer ein bisschen ins Hadern kommt, sobald er so eine countryeske Schlagseite vorgesetzt bekommt, trifft dieses Album einen Nerv, der eindeutig über genrespezifische Abneigungen erhaben ist. Selten (oder vielleicht noch nie?) hab ich ein Album am Beginn so gehasst und am Ende wirklich geliebt. Die scheißen einfach drauf. Geiler, dreckiger Country-Blues-Punk aus Wien, who just doesn’t care what you think – und das ist gut! Da könnten sich ziemlich viele Bands aus diesen Genres eine Scheibe abschneiden – oder vielleicht besser gleich aufhören. Sheriffsterne, Autoreifen, coole Posen, geile Mucke! Anspieltipp: Death Letter (ja tatsächlich, der Opener bestimmt den Ton!) (Dr. Wu)

www.wltu-music.de
In bester THE KILLS-Tradition bewegt sich dieses Duo aus Wien und ebenso wie bei THE KILLS ist die Musikalität von Ursula und Andreas jetzt nicht unbedingt faszinierend, sondern alles ist eher funktional und reduziert und lebt eher vom Lo-Fi-Charakter des Sounds, als von eindrucksvollem Songwriting. Der zweistimmige Gesang macht zwar einiges Wett, aber generell ist eben ein gewisser Dilettantismus Programm, der auch nicht weiter stört, weil es eben gewollt räudig ist. Delta-Blues hin, Minimalismus her, etwas ausgereifter könnten die Songs schon sein. “Heading down” überzeugt, aber da Andreas sich parallel zur Gitarre um die Drums kümmert, bleibt die Begleitung doch sehr rudimentär, andererseits stimmt das Feeling. Professionelle Musiker werden es belächeln, ich finde es insgesamt ganz charmant. (6) ThEb

der standard/rondo
Raue Schale, harter Kern
Das Wiener Duo Ash My Love bringt dem Blues den Dreck zurück und feiert dazu eine wilde Party
Den Blues kann man weiß Gott auf viele Arten haben. Man kann die Schultern und den Kopf hängen lassen und in sein Bier weinen. Man kann die Brust rausstrecken und den Mond anheulen. Man kann aber auch einfach rabiat werden und mit offenem Messer durch die Gegend laufen. Manche Leute haben den Blues im Büro. Der klingt dann wie ein Konzert von Eric Clapton, bei dem der Sänger ein weißes Kurzarmhemd mit Krawatte zur Jeanshose trägt.
Es gibt den Blues mit Latzhose aus dem Lagerhaus. Hier gibt es aus Amerika unzählige Beispiele aus weltfernen Gegenden, wo man noch immer statt des Internets lieber den lieben Herrn Jesus anbetet und sich beim Sonntagsgottesdienst von giftigen Schlangen beißen lässt, um im Rahmen eines Nahtoderlebnisses 40 Meilen entfernt von der nächsten Notaufnahme sowie Lichtjahre von einer Krankenversicherung dessen Gnade zu erfahren – oder auch nicht. Diese Leute tunken die Mund harmonika vor dem Spielen gern in ein Glas Bier, damit sie lauter und aggressiver klingt, aber auch ziemlich schnell rostet und aus dem Mund stinkt.
Möglicherweise haben auch schon Luciano Pavarotti, Johnny Rotten, der Dalai Lama und die Schauspieler von Grey’s Anatomy Blues-platten aufgenommen. Bono und U2 spielen eigentlich immer Blues, aber mehr von einer gospelhaften Strahlkraft, mit Sendungsbewusstsein durchbrochen. Überhaupt neigen interessanterweise vor allem privilegierte weiße Männer aus der Mittelschicht dazu, den Blues zu haben und hunderttausende Tonträger mit Einsamkeit, Unsicherheit, Selbstmitleid, Liebeskummer oder sauertöpfischer Beschwerde vollzujammern.
Kylie Minogue, Rihanna und Miley Cyrus sind übrigens noch am Überlegen. Das Management überprüft derzeit die Gewinnoptionen speziell auch im Merchandising-Bereich. Wenn man davon ausgeht, dass Traurigkeit nicht besonders sexy riecht, wird sich aber vermarktungsmäßig kein dazugehöriges Eau de Toilette ausgehen.
Am besten funktioniert Blues eigentlich nur historisch. Howlin’ Wolf, Robert Johnson, Son House, John Lee Hooker, Hounddog Taylor, diese Leute. Zum heutigen Anlass muss man allerdings auch entschieden darauf hinweisen, dass jüngere Generationen schon auch entdeckt haben, dass Blues nicht eine langweilige, musikwissenschaftlich abgesicherte Angelegenheit für alte dickliche Männer mit würdelosen Frisuren und brüllenden Hawaiihemden ist (wer schon einmal auf einem Bluesfestival war, kennt sich aus …).
Während der letzten drei Jahrzehnte gab es aber auch immer wieder sehr gern auch zu allerlei Missbrauch wie Drogen, Teufelswasser, Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und Zigarettenbrandflecken auf dem Sofa neigende Musiker, die der ganzen Sache ein wenig frische Unvernunft und vor allem auch – bei aller selbstgefühligen Emotionalität – starke Gefühle wie Aggression einhauchten. Der Gun Club oder die Jon Spencer Blues Explosion müssen wieder einmal erwähnt werden.
Blues als zeitloser Punkrock
Natürlich spielen auch beim Wiener Duo Ash My Love Aggressionen eine Rolle, immerhin sieht sich die Band nicht als Jammerlappen im Eck hängend, sondern zur zünftigen Party aufspielend, bei der man eher erst am nächsten Tag leidet, aber keinesfalls während sie noch im Gang ist. Andreas Dauböck (The Morbidelli Brothers) und Ursula Winterauer (Agent Cooper) interpretieren in ihrem Zweitprojekt Ash My Love Blues als zeitlosen Punkrock. Bei dem kann man sich zwar heftig über die Scheißzustände beklagen, die ein Leben so mit sich bringt, gleichzeitig kann man dazu aber auch ordentlich auf die Kacke hauen und das Haus zum Stinken bringen.
Damit das alles nicht zu virtuos mit Umgreifen, Eric-Clapton- und professioneller Musikermucke wird, spielt Dauböck, während er ins Mikrofon schimpft, gleichzeitig elektrische Gitarre und Rudimentärschlagzeug. Ursula Winterauer heißt das Ganze gesanglich gut und kann sehr gut, sehr lange auf einem Ton bleibend, auf eine Änderung im Leben warten, die nicht kommt. Das Debütalbum Honeymoon Blues lässt bezüglich Drecks, Renitenz und trotzdem Feierlaune keine Wünsche offen. Wenn man es gern ungehobelt hat und beim Spruch „Raue Schale, harter Kern“ nicht zu überlegen beginnt, ob es nicht anders heißen muss, dann ist man bei Ash My Love richtig gut aufgehoben. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 13.6.2014)

wiener zeitung
Nicht nur die Mann-Frau-Besetzung lässt zunächst an die White Stripes denken – wobei das Wiener Duo Ash My Love mit Andreas Dauböck (Gitarre und Schlagzeug) und Ursula Winterauer (Bass) auf eine andere Rollenverteilung setzt. Auch die im Blues des Mississippi-Deltas verwurzelte Musik sorgt für Parallelen. Zudem wird das aktuelle Album mit dem Son-House-Klassiker “Death Letter” eröffnet, der nicht zuletzt in der unter Strom stehenden Version von Jack und Meg White bekannt sein dürfte. Ash My Love beginnen dramaturgisch geschickt mit angezogener Handbremse, um den Song umso erfolgreicher explodieren zu lassen.
Wir hören staubwüstentrockene Riffs mit manisch über die Saiten gezogenen Flaschenhälsen, denen die stramm gesetzten Vierviertel-Schläge der Bassdrum ordentlich Schub verleihen. Die Ergebnisse sind entsprechend räudig, grob und verschwitzt.
Nicht erst am Ende der nur zwanzig (!) Spielminuten erklärt sich auch der Titel “Honeymoon Blues”. Immerhin gibt Dauböck hier mitunter den waidwundesten Bluesrocker aus dem Donaudelta: “Everytime I think about her I just can’t keep from crying!” (Andreas Rauschal)

falter
Immer feste mit dem Kopf gegen die Wand. Dass Andreas Dauböck bei den Spaghetti-Western-Americana-Rockern Morbidelli Brothers spielt und Ursula Winterauer mit Agent Cooper eine Indie-Elektronik-Band betreibt, ist für ihr gemeinsames Duo “Ash My Love” nur aus einem Grund wichtig: Die beiden Gruppen teilten sich einst einen Proberaum, und dadurch kamen Dauböck und Winterauer auf die Idee, auch gemeinsam Musik zu machen. Ihr Metier ist der scheppernde, bei aller Lust, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, zumeist aber auch sehr eingängige Bluespunk. Mit den Händen spiel Dauböck Gitarre, mit den Füssen Schlagzeug, den Gesang teilt er sich mit der Bassistin Winterauer. Ihr Tonträgerdebut haben “Ash My Love” 2013 in Form einer schmucken, auf 100 Stück limitierten Vinylsingle gegeben. Mit “Honeymoon Blues” liegt jetzt das erste Album vor – gepresst auf goldenes Vinyl. (GS)

die presse
Das Wiener Duo Ash My Love nennt seinen „Honeymoon Blues“ nicht nur nach einem Song des großen Robert Johnson. Bei dieser Blues-Ikone beginnt auch der ästhetische Bogen, den es auf seinem sehr guten Debütalbum spannt. Und reicht über The Cramps oder Hasel Adkins bis zu den White Stripes, mit denen es das Rot-Weiß-Faible und die Lust am Lärm teilt. Ursula Winterbauer und Andreas Drauböck hacken ihre Songs aber ungleich ungestümer und rauer zum sturen Beat der Bassdrum. Einmal in Fahrt, kann sie nichts mehr stoppen. Die Urgewalt von „Death Letter“ oder „Fire“ zeigt, welch Dringlichkeit in der Reduktion zu finden ist.

vice
Jeder von uns kennt Leute, die von einer Sache derart überzeugt und obsessed sind, dass es eigentlich schon ungesund ist. MorrisseyFans, die nur noch in Morrissey-Zitaten sprechen. Oder Big Lebowski-Fans. Das ist für 2 Tage durchaus amüsant, aber nach 3 Jahren reicht’s dann irgendwann. Der sympathische und supere Herr Dauböck ist offensichtlich riesiger Delta Blues-Fan und will mit Ash My Love genau so klingen wie alle seine Lieblingsplatten. Und dabei drückt er ein bissl zu stark auf die Tube. Nach der hervorragenden Heart-EP im letzten Jahr ist Honeymoon Blues nun tatsächlich eine leicht vergeigte Hochzeitsreise, trotzdem sind Ash My Love span- nender und interessanter als so vieles andere aus unserem Donaudelta, vor allem dank Ms. Winterauers gefühlvoller timme. Also, Kopf hoch, die nächste EP klingt bestimmt wieder mehr nach sich selbst. Howlin’ for you! (6)
MISSISSIPPI LANGSTRUMPF

musicaustria
Nun, wer das bisherige Schaffen von  mitverfolgt hat, der weiß, dass man von dieser Band aus musikalischer Sicht jetzt nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades erwarten sollte. Eine solche haben Andreas Dauböck und Ursula Winterauer, die beiden Köpfe hinter dem Wiener Duo, eh ohnehin nicht im Sinn. Auch auf „Honeymoon Blues“ (Noise Appeal), dem nun erscheinenden neuen Album von Ash My Love, heißt es, die Lautstärkenregler der Boxen ganz noch oben drehen und abrocken. Und das auf richtig schön unsaubere und aller Perfektion fernen Art. Erstmals live präsentiert wird das neue Album am 10. Mai im Kapu in Linz.
Das, was man an dieser Band wirklich zu lieben lernt, ist die Konsequenz, mit der sie ohne wirklich nach links oder rechts zu blicken, das eigene Ding durchzieht. Andreas Dauböck (Gitarre, Schlagzeug) und Ursula Winterauer (Bass) verzichten ganz bewusst auf allen unnötigen ausschmückenden Firlefanz und verweigern sich fast schon in radikaler Weise aller Radiokonformität. Mainstream? Der Mainstream scheint genau immer dort zu sein, wo das Zweiergespann Ash My Love eben nicht ist. Es regiert eine vom Punk beseelte Direktheit, das erfrischend Ungehobelte, diese in einen wunderbar räudigen und entrümpelten Gesamtsound übersetzte schweißtreibende Schwüle, die in den amerikanischen Südstaaten oftmals vorherrscht.
Das musikalische Prinzip des Wiener Zweiergespanns offenbart sich als ein recht einfaches. Gitarre, Bass, Schlagzeug, eine richtig schön dreckiger, wie übersteuerter Klang und ein Songwriting, das wohl in weitester Distanz zu dem läuft, was man so als musikalisch progressiv bezeichnen würde. Nach irgendwelchen Experimenten oder anderen waghalsigen avantgardistischen Versuchen sucht man auf „Honeymoon Blues“ vergeblich. „Drei Akkorde sind mehr als genug“ heißt es im Pressetext, eine Aussage, die den Nagel wohl am treffendsten auf den Kopf trifft.
Und dennoch, wiewohl alles auf das Simpelste reduziert ist und sich doch fast schon etwas zu vorhersehbar liest, verhält es sich letztlich überraschenderweise dann doch ganz anders. Denn das, was Andreas Dauböck und Ursula Winterauer wirklich ganz exzellent beherrschen, ist, eben mit diesen drei manchmal etwas unrunden und in ihrem Stil von Blues bis Rock reichenden Akkorden richtig lässige Geschichten zu erzählen. Es kommt viel Stimmung und Atmosphäre auf, lauscht man sich durch die Nummern, es setzen sich von der ersten Sekunde an unweigerlich sofort Roadmovie-artige Bilder von endlosen sumpfigen Landschaften in Kopf fest. Eine Reaktion, die sich in so authentischer Weise überlicherweise nicht allzu oft einstellt.
„Honeymoon Blues“ ist ein Album geworden, dass wirklich Spaß macht und auch deutlich nachhaltiger wirkt, als vieles, was man sonst so im Sektor Rock präsentiert bekommt. Ein echt gelungenes Stück Musik. (mt)

Ticket Magazin
Stephen Stills ist vielleicht der unterschätzte Tonpoet im Quartett Crosby, Still, Nash and Young, zeichnet sich aber für ein wahres Aperçu verantwortlich: “One thing in Blues ain’t, is funny.” Und wahrlich: Wer den Blues hat, braucht sich um die Tristesse nicht zu sorgen, denn diese dümpelt verstimmt und missmutig im Mississippi-Delta mit herum. “Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein”, sang Cornelia Froboess kindlich quietsch-vergnügt in ihrem Schlager im Mai 1951. Seine “morbideren” Brüder lässt Andreas Dauböck zwar links liegen, nimmt dafür aber für “Ash My Love” sein Pseudo-Geschwister Ursula Winterauer mit ins Südstaaten -Plantschbecken.
Das Resultat ist, nach der letztjährigen “Heart”-EP, nun der “Honeymoon Blues” – in ehrwürdiger Tradition der Delta-Blueser acht freudvoll-freudlose Stücke auf güldenem Vinyl, die sich irgendwo im Spektrum zwischen Lonesome Wyatt und Blind Willie McTell bewegen. Die Flitterwochen klingen ob spärlicher Instrumentierung und der usuellen Vokalisierung roh und unangepasst, als wäre die “Love makin Mama Black Betty” stets am Zanken. Bam-ba-lam.