Code Inconnu – s/t / noise21

Code Inconnu – s/t / noise21

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FORMAT
12″

STATUS
available

RUNNINGTIME
41 min. 57 sec.

TRACKLIST
01 recollected
02 oblique
03 cellulose
04 fly me to the moon
05 when i’m starting too slow
06 point
07 dub an ordinary woman
08 young canadians

PRESSING INFORMATION
300 made
heavy vinyl

RELEASE DATE
16.01. 2010

The Sound Projector
The third full-length release from this Austrian?band, and it’s an angsty yet invigorating set of?angular post-punk songs, made with a guitar-bassdrum-?synth and voice set up. These five young?men from Graz have a distinctive line in?discordant notes, semi-noisy synth passages,?shouty vocals, and a spartan approach to building?up their songs, often led by the bass and drums. In?this they can come across with a very “John Peel?show in the 1980s” vibe, an amalgam of elements?from e.g. The Cure, Gang Of Four, Birthday Party?and Pere Ubu. The lyrical content on these eight?spiky songs is pretty oblique, even when sung in?English, but there’s no doubt that singer Hannes?Schauer is in full control of his ideas, packing?dense lyrical content into short lines and yapping?them out in sharp vocal barks. ‘Dub An Ordinary?Woman’ is the only song I can make any sense of,?and it seems to be an erotic disaster of the worst?kind; the whole apartment is falling apart as?bodies, clothes and other things spin out of?control. I like the clean skeletal sound of this?band, and the very dynamic musical performances.?Not a single song goes by that isn’t interrupted?with a neurotic detour into abstract noise, or has?its flow broken up by non-steady anti-rock?rhythms. The only thing that may wear you down?is the insistent tone of the singer, which adds a?touch of monotony to the overall sound, and you?feel like he’s almost lecturing us with his vaguely?snide, aloof voice. I wonder if he aligns himself?with Michael Haneke, who made a film called?Code Inconnu; Haneke is also known for his very?sardonic critiques of modern society, and I sense?the same sort of critical intelligence and?disenchantment with humanity with this band.?That aside, this is a very credible and strong LP.?The cover art is unfathomable; a disappearing dog?in a park next to some fallen logs.ED PINNEST

 

Aufabwegen
Oh Graz, du schöne Stadt am Abgrund mit den vielen zwiellichten Bars. Code Inconnu wühlen sich durch die Kanalisation dieser Stadt, die einmal im Jahr zur Hipstermetropole wird. Dann sind Code Inconnu aber immer auf Tour, wetten! Recollected, der Einstieg in das selbstbetitlete Album beginnt mit whiny Vocals und vertrackten Off-Beat-Rhythmen. Radiohead sollte man meinen, doch dann geht da irgendwie der Körper-Streß um. Man taumelt weiter in eine Aggro-Fuzz-Hagel namens Oblique, nein “Placebo” steht hier nicht auf der Tür. Aber am Sattel klebt Blut. Es mag vom Basissten kommen, der in Fly My To The Moon ordentlich rumstochern muss. Echtes Krawallmonster mit Hämatomen. Erinnert an Frühneunziger Post-Post-Industrialmetal. Oh du schönes Österreich!
Zipo / auf abwegen / 2012

 

noisy neighbours
Mit dem selbstbetitelten Drittling hat sich das heute als Fivepiece agierende österreichische Bandgefüge endgültig in die Undefinierbarkeit bugsiert. Zwar wird mit Begriffen wie Noiserock, Trip Hop, Krautrock, Wave, Punk und sonst was um sich geworfen, doch nichts, aber auch gar nichts kann auch nur ansatzweise wiedergeben, was auf vorliegendem Achtsöngler geschieht. Höllisch intensiv, in allen Konsequenzen freigeistig, loten Code Inconnu mit ihren verschrobenen Kompositionen die Grenzen des Machbaren aus — und somit die Aufnahmekapazität des Hörers. Ätherisch, hypnotisch, depressiv und doch befreiend, auf sämtliche Standards exkremierend und doch heimelig — die Band widerspricht sich permanent selbst und kultiviert dies. Ihre Musik wirkt wie ein Höllentrip, der abhängig macht. So muss sich die Sucht nach Schmerzen anfühlen. Eine Sucht, die einen permanent taumeln lässt. So wie auch die zahlreichen leiernden, portamento-artigen Tonverschiebungen taumeln — als drehe jemand ganz langsam an einem Rädchen. Am großen Bruder, dem Rad drehe ich. Schlüpferwechsel. Chris P.

rokkos advnetures
Code Inconnu aus Graz lassen sich nicht festmachen, weder mit ihren bisherigen Veröffentlichungen, noch mit diesem Album – und trotzdem, und das ist die Kunst, ist die Sache rund. Mehr als rund, falls das geht. Stilwechsel und Besetzungswachstum münden zwischen der Mächtigkeit alter Tomahawk-Kracher, als Kevin “Ass Joker” Rutmanis noch den Slide Bass vergewaltigte, bis zu frei schwebenden, krautigen Passagen und Minimal Music für ausgefuchste Vieldeuter. Geschrieben klingt das alles seltsam, so bitte ich um Erwerb!

www.thegap.at
Grazer Schwerstarbeiter bauen am kürzesten Weg zwischen Wave und Industrial.
Das Grazer Trio um den Gitarristen Gottfried Krienzer ist zum Quintett angewachsen und gönnt sich neuerdings auch einen Sänger. Nicht ganz zufällig trägt das aktuelle Album den Namen der Band. Der unbekannte Code hat sein Format gefunden beziehungsweise hat es sich die Band in intensiven Diskussionen erstritten (wenn man den Erzählungen glauben schenkt). Ausgehend von einer düsteren Ästhetik der Marke Bauhaus spannen Code Inconnu ohne Umwege und Schlenker einen Bogen zu sperrigem Noise und Industrial. Sämtliche Brüche, Ecken und Kanten sind wohl gesetzt und man merkt, dass dahinter Schwerstarbeit steckt. (6/10) Werner Reiter

www.kulturservice.steiermark.at
„Möglichst gute Musik machen“
Wie viele andere Musiker mögen es Code Inconnu nicht, in Schubladen gesteckt zu werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern hört man das ihrer Musik auch an.
An der Grazer Band Code Inconnu lässt sich die Widersprüchlichkeit der Mechanismen im Kulturbetrieb gut demonstrieren. Eines ihrer früheren Alben wurde im britischen „Wire”, dem weltweit so ziemlich besten Musikmagazin, ausnehmend positiv rezensiert, in ihrer Heimatstadt ist es für das Avantgarde-Rock-Quintett dennoch bis heute nicht einfach, für einen Auftritt engagiert zu werden. Hier bekamen sie auch schon einmal von Veranstaltern zu hören, ihre Musik sei einfach „zu anstrengend”. Man sieht: Musik, die im renommiertesten Feuilleton bejubelt wird, hat nur deswegen am freien Markt noch lange keine besseren Chancen, ja, wird oft marginalisiert.
Mit ihrem dritten Album, das im Gegensatz zu seinen Vorgängern „Abgesang” und „Spoil, microbe” keinen Titel trägt, nehmen Code Inconnu einen erneuten Anlauf, um als eine der besten Avant-Rockmusiken von Österreich und Umgebung wahrgenommen zu werden. Die Band ist mittlerweile auf ein Quintett angewachsen. Zu den Gründungsmitgliedern Gottfried Krienzer (Gitarre), Christoph Uhlmann (Synthesizer) und Markus „Maex” Sworcik (Schlagzeug) sind im Lauf der Jahre der Bassist Reas und der Sänger Hannes Schauer dazugewachsen. Vor allem der jüngste Neuzugang, Hannes Schauer, war gar nicht so leicht zu integrieren, hat man doch über Jahre hinweg als reine Instrumentalband gut funktioniert. „Da Platz zu schaffen für einen Sänger war ein längerer Prozess”, erzählt Schlagzeuger Sworcik. Die gewiss nicht geringen ästhetischen Veränderungen, die der Bandsound immer wieder durchlief, waren oft dem Gestaltungswillen von Gottfried Krienzer geschuldet. „Er übernimmt gern das Ruder, um uns woanders hinzusteuern”, erklärt Sworcik.
Letztlich ist Schauer aber eher zufällig zu Code Inconnu gestoßen. Ausschlaggebend war unter anderem, dass er ganz in der Nähe der alten Bandmitglieder gewohnt hat. Im kleinen Musikbiotop von Graz findet man sich fast zwangläufig, irgendwann. Auch der Bandname ist eher zufällig entstanden. Man sei damals in der gemeinsamen Küche herumgesessen (das Trio lebte gemeinsam in einer WG) und habe darüber diskutiert. Der Haneke-Film „Code Inconnu” lief damals gerade im Kino, und ein französischer Bandname ist den Gründungsmitgliedern rein vom Klang her sympathisch gewesen.
Im Gegensatz zu manchem Detail der Bandgeschichte ist die Musik von Code Inconnu sicher nicht auf Zufall aufgebaut. Hier scheint man eher die ganze Vielfalt der Möglichkeiten von Rockmusik bzw. ihre Grenzen auszuloten. Sworcik: „Der Sound reichte schon ziemlich am Anfang vom Garagenpunk bis zum filigranen Gegenteil”. Erst irgendwo zwischen Postrock und avantgardistischer Elektronik mäandernd, ist man mittlerweile – mit Sänger – bei einer Rockmusik angelangt, die aus der Negation, respektive einer Auflösung ihrer Konventionen besteht. Hier werden jene Elemente dekonstruiert, die Rockmusik im Lauf der Jahrzehnte zu einem oft unerträglichen Genre werden ließen (der hässliche Rockismus mit seiner formalen Dumpfheit, mit seiner selbstgewissen, „authentischen” Attitüde, mit seiner Schein-Expression, die sich in fragwürdigen Praktiken wie dem berüchtigten „geröhrten” Gesang oder dem Soli-Genudel ausdrückt). „Der Regelbruch ist schon einer unsere Lieblingspraktiken”, nennt es Sworcik. Auch zur Musik fanden die Bandmitglieder durchwegs auf unterschiedliche Weise. Bei Hannes Schauer führte der Weg über seine Faszination an David Bowie: „Die hat etwas in mir ausgelöst, dass ich mich näher mit Musik auseinandersetzen wollte.” Bei Maex Sworcik ging der Weg ganz einfach über sein Instrument: „Ich wusste, dass ich mit dem Ding einfach möglichst gute Musik machen wollte.” Dass es Code Inconnu mit dieser „anstrengenden” Musik schwerer haben als ausgetrampelte Pfade beschreitende Indie-Bands, ist klar. „Unsere Musik fordert den Hörer”, meint Christoph Uhlmann, „eigentlich ist Musik ja sehr einfach zu konsumieren, man muss ja gar nichts dafür tun. Bei uns liegt das halt ein bisschen anders. Es ist eine Aufforderung zu Aufmerksamkeit”. Martin Gasser

Bad Alchemy #66
Ein Projekt aus Graz, dessen Gitarre-Drums-Synthie-Grundstock aus Gottfried Krienzer, Markus Sworcik und Christoph Uhlmann sich für ihr drittes Update erweitert hat mit Reas am Bass und Gesang von Hannes Schauer, der auch für die Lyrics zuständig ist. Seine dunkle Stimme, oft mit einer Art Sprechgesangentschiedenheit, beißt sich nicht schlecht durch gegen die anbrandenden Gitarren- und Synthienoisewogen, das Knurren und Pochen einer toughen Band, die die School of Bulbul nicht geschwänzt hat, aber auch internationale Vergleiche nicht zu scheuen bräuchte. Bei ,Fly Me To The Moon’ mit seinen markanten Stakkatos und dem Kontrast von unheimlichen und pathetisch lunaren Momenten scheint Schauer russisch zu singen. Schon vor dem knurrigen ,When I’m Starting Too Slow’ ist schwer vorstellbar, wie diese Musik, dieses Gitarrensperrfeuer, bisher ohne Bass auskommen konnte. Point’ gibt sich anfangs stoisch, eskaliert aber dann aber ebenso triebtäterhaft ins Intensive wie alle Code Inconnu-Songs. ,Young Canadians’ brodelt zum Schluss mit Splatterbass wie ein Blutsee und Schauer stemmt, breitbeinig auf ein schimmernd sich erhebendes Gitarren-UFO plaziert, eine You-and-Me-Hymne auf Großpathos-Gipfel. Mit ,Küss die Hand’ an jene, die am liebsten den Großglockner kappen würden, weil der so unverschämt nach oben strebt. Rigobert Dittmann

Vital Weekly 726
I suppose it is no coincidence that this Austrian band carries the same name as one of the films of Austrian director Michael Haneke. Code Inconnu is Markus Sworcik (drums), Gottfried Krienzer (guitar) and Christoph Uhlmann (synth). As a trio they started in 2001, with Graz as their base. For their newest and third release they are joined by Reas Klockl (bass) and Hannes Schauer (vocals). So I deduce they changed direction considerably for their new record. They compiled an album of composed song structures that have strong roots in 80s new wave. Sometimes I had to think of how Allen Ravenstine added electronics to the songs of Pere Ubu, although Code Inconnu is a totally different band. Their music often sounds like a very thick soup. All sound ingredients together produce something very dense and unable to look through. A massive wall of sounds and noise, especially because of the use of heavy electronic tapestries. This is noise rock par excellence and done very convincingly. It works well for me in tracks like ‘Recollected’. In quieter tracks like the first part of ‘Point’ the music looses my interest. In their mixing of vocals and electronics the most interesting things happen, like in ‘Dub an ordinary woman’ that opens with great guitar work by Krienzer. But reviewing CDs of rock music I always have the feeling that nothing changes in rock music. Essentially it are always the same basic ingredients. Also in the case of Code Inconnu I come to this conclusion. Although they are able to put their own stamp in a very dynamic and fresh way. They spread out much energy and power as we expect from rock music, and that makes them appealing. But for me this does not compensate the fact that it is in the end rock as we know it so well. I wished they put more “inconnu codes” into their music. With the closing track “Young Canadians” they lost all my credit. It is full of the usual pop pathos that just horrifies me. The vinyl version of this record is released by Noise Appeal Records. As a CDR it is realized by Chmafu Nocords. DM

Cracked
Take a big sip of the Butthole Surfers’ weirdness. Take another big shovel of focus and concentration. Take a whiff of mid-eighties Indierock vocals. Take a well-leveled ounce of half structuralism and half deconstructivism and mix. Add bass distortion and loads of amplification. Stand with both legs rooted firmly to the ground. Turn On and shine down with a penchant for excess and a will to weirdness as a mean to an end. Watch it fall down and build itself up again and again. Wait for it to boil without any help or energy infusion from the outside. Burn down the house. Repeat.
After half a dozen great noise rock albums from Austria last year (Striggles, Reflector, Men Killing Men, Delilah, Bug, come to mind – seems that any place outside of Vienna is good for great noiserok in this country, in the capital it is more songwriters and pop sensibility. Make of that what you will.) this year starts off great with another one: the self titled third album by Code Inconnu. To release it as a twelve inch album via noise appeal and as a cd-r via chmafu records is a statement in itself, about something. More about choices than the state of the music business, because what kind of business are we talking about here? Probably mostly about that you can never be sure what awaits you with this band. Constantly re-configuring itself both in personnel and musical vision, they are now a five piece with fixed singer, but that does not make them a rock-band in the traditional sense. They are heavy but not hard, they are weird but not chaotic, they are unique but not introvert, they play loud but never bold. There is a major feeling of fluxus in the songs, or rather in the missing structures that make up the songs, and it seems – to do some retro-philosophizing – that they are more about what is not in the noiserock they play, but what is in there. Sounds complicated, but isn’t. Not to listen to, anyway, if you open your ears and mind and try not to think about it too much.
Why the heck The Wire found a comparison to Tortoise within Code Inconnu is way beyond me. From the pounding bass, the singing and the weirdness this is nowhere close to anything I remember about Tortoise. Well, who am I to complain about comparisons, when half the time people don’t understand mine, and after a while I even forget how I came upon some of them. And then this whole thing about the Wire (yes, bible and so forth…) and what they write about a band, is it really that important? Probably yes, because in this time of internet-blogs and social media word of mouth all you get is affirmative mentions. Out there are a gazillion blogs telling you how great something is, and that covers everything, but what is missing is a blog telling what is shitty. It ain’t me either, because of two simple reasons: first, my time is too precious to be spending energy on something that is awfully bad or even mediocre. And second, the new album by “Code Inconnu” is really great. It even is probably a stroke of genius in some ways, but as usual, this kind of final judgement is left all to you.

Freistil 30
Ich bin nicht der Erste, der darauf hinweist, dass Graz bzw. die Steiermark langsam zu einem Zentrum für avancierte Rockmusik wird. Erst im letzten freiStil waren Hymnen auf die Striggles und Reflector zu singen, Bands wie Killed by 9 Volt Batteries und Fragments of an Empire sollten ebenso nicht unerwähnt bleiben. Und jetzt gleich noch einmal ein Doppelpack Rock made beziehungsweise damaged in Graz. Dass bei Code Inconnu nun gesungen wird, macht die hier betriebene Rock-Dekonstruktion nur noch ohrenfälliger. Der beschädigte Postrockismus der mittlerweile zum Quintett angewachsenen Formation ist zwar von den wohl obligatorischen Noise-Einsprengseln durchsetzt, wirkt insgesamt jedoch zugänglicher als die früheren Tonträger. Auch wenn hinsichtlich des unbetitelten Albums gern an sich richtige Parallelen zu den finsteren, wavigen Sounds früherer Dekaden gezogen werden (eine Ahnengalerie von Suicide bis Jesus and the Mary Chain anzunehmen, ist nicht verkehrt), ist die Musik vielleicht noch besser durch den Umstand charakterisiert, dass sich Code Inconnu stilistischen und historischen Zuordnungen hinreichend geschickt entziehen. Da mag der Sänger noch so düster raunen und sprechsingen, da mögen die Instrumente noch so quängeln, dröhnen und knüppeln, das ist eine Rockmusik, die nicht mehr aus fester Substanz gebaut ist. Lassen Sie sich vom Sound nicht täuschen, das ist keine aus Stein gebaute Hand- und Wertarbeit, das ist ein Fluidum. Das postmodernistische Fließen führt zum Glück nicht in Niederungen, gegen Ende zelebriert das Quintett so etwas wie Noise-Glam, so gefährlich nah kommt man dumpfen Rockismus jedoch sonst nicht.
Zumindest an der Oberfläche entspannter geht es bei Hella Comet zu, die auf „celebrate your loss“ weit weniger ruppig, wesentlich geschmeidiger als Code Inconnu zur Sache gehen, die ihren Rockkommentaren auch eine lyrische Seite verleihen. Zu hören etwa im bewegenden Instrumental „You Shine“. Die gröberen Passagen und deren Soundwälle provozieren Assoziatonen zu den (guten) Indie-Gewittern der 90er. Obwohl relaxter, scheint der Habitus insgesamt rockistischer, weil widerspruchsfreier als bei Code Inconnu. Vielleicht ist Hella Comet aber einfach nur noch eine Spur subtiler. In der Theorie ist „celebrate your loss“ dann wohl doch die schwächere Platte, hören tun ich sie lieber. Insgesamt zwei herausragende Werke, die hier auch deshalb gemeinsam Erwähnung finden, weil Markus „Maex“ Sworcik bei beiden Formationen Schlagzeug spielt. Medial schießen Hella Comet übrigens aus allen Rohren. Dem bei Pumpkin Records erschienenen Vinyl sind eine CD (Schnapsidee Records) und ein Downloadcode beigelegt. bertl

www.derecensent.nl
Okee. Stel je voor. Je zit op zekere dag in je kot en je zit zomaar wat te zitten. Je zit, zeg ik je, zomaar wat te zitten of okee misschien drink je iets. Een kopje koffie ofzo. Of een biertje voor mijn part. Maar hou er rekening mee dat het in dit gedachteneksperiment soggens is. Of vroeg in de middag op zijn laatst. Welaan. Je zit daar dus. Op enig moment besluit je, zonder goede reden watzoöoit, om NAAR BUITEN TE KIJKEN. Welja. Zet je schrap. We lopen naar het raam en niet naar de deur. We doen de gordijnen open. En watdoetuweten: het is godverdoemme stralend weer! U peinst Met zulk een prachtig weer kan ik wellerus een ommetjein het fucking park gaan maken!
En zo doet u. U grijpt uw lederen jekker of uw spijkerjassie of god weet wat voor een zielig vod u nog heeft liggen van toen u dacht dat u jong was, u grijpt het, zeg ik u, van de kapstok, want het zijn nog maar de 1ste moje dagen vannut jaar en een mens kan nooit weten en voor je het weet zit je met een koutje, u schiet uw vod aan, u gaat buiten. Het is stralend weer. De vogeltjes fluiten. De meisjes joggen. De buurtjes groeten. De ijskoman tingelt. En of het gratis was, en u begint te zingen. Loopt te neuriën of dit nooit voorbij zal gaan. En dan ineens. Begint het te regenen. Niet zomaar regenen. Keihard regenen. Een wolkbreuk. Een wolkbreuk ijsregen. Het lijkt of er een oceaan uit de lucht komt vallen. U hapt naar adem. De muur van water werkt u tegen de grond. U valt. U ligt. U gaat nooit nog overeind kunnen komen.
Als dit uw idee is van familiepret, dan moet u zeker Code Inconnu’s nieuwste seedee eens proberen. Want dit hier is hard, duister, log, massief en kil. Zonder hoop. Zonder lucht. En zonder licht. Harde guitaren. Repeterende riffjes. Electronica. Nummers die eerder lijk af- dan op te bouwen.
Herrie. Overal herrie. Geen enkel compromis. Stuwende bassen die je tot diep in je buik voelt. En dub geen bas met mijn hoofd dub geen bas met mijn hoofd dub geen bas met mijn hoofd dub geen bas met mijn HOOFD, man.
Dit hier. Is noiserock. Is hardcore. Is punk. Is electronica. Is industrial. Is heavy metal. Is avant-rock. Is emo, krautrock, new wave, post wave en no wave. Is sludge. Is doom. Is dood. Is hel.
Dit hier klinkt als Crass, Current 93, Old Lady Drivers, Nine Inch Nails, God, The Haters, Killing Joke, KMFDM, Come, The God Machine, Laibach, Cop Shoot Cop, Bauhaus, Ministry, Nurse With Wound, Throbbing Gristle, SPK, Bag Lady, Jesu, Godflesh, Skull Defekts, Barkmarket, A Storm Of Light, Neurosis, CM von Hauswolff, Swans, Einsturzende Neubauten, Scorn…///
Hijg hijf puf puf, tot zo ver de recensentenkliesjee en ze neemdropping…
(…want even goed trouwens zou je zelfs Type O Negative kunnen noemen, of bizarrer nog: The Dream City Film Club!)
(u weet wel van toen michael john sheehy nog kloten had en nog niet zo verschrikkelijke zeikerd was)
///…want al die zever trekt natuurlijk nog op niks. Dit alles zegt nog niks over hoe verschroeiend, hoe intens deze seedee doorraast en raast. Dit alles zegt nog niks over hoe Cellulose heerlijk druggy pazzaazjes paart aan (misschien net iets te) bombastiese uitbarsten die uit je boksen vloejen overheen het parket & het blijft maar aan uw sokken kleven… Dit alles zegt nog niks over hoe het totaal geflipte When I’m Starting To(o) Slow elke dertig sekonden veranderd van melodielijn en rithme en eerder lijkt te klinken als negenennegentig nummers dan als eentje… Dit alles zegt nog niks over de ervaring die deze seedee is.
Peins dan maar hoe het was weej bek in de jaren tochtig. Aan hoe gijlie daar liept. En gijlie had geen wijf, gijlie had geen baan, gijlie had geen geld. Gijlie liept overheen terreinen vol sloopwoningen. Gijlie vloekten op gansch de wereld. Gijlie liept diep weggedoken in uw jassen want het was altijd koud in die dagen, weet ge nog? Zelfs als het hoogzomer was, en dertig graden, dan nog was het koud. Er was geen hoop. Er was geen toekomst. Er waren geen idealen. Alleen maar dit lopen, en dit vloeken, en dit leven zonder wijf zonder baan & zonder geld.
En jaren later, inmiddels wel een baan en wel geld en ook een wijf en een gezin en een huis en een auto en al die dingen, gijlie ontmoet elkaar nog wellerus op kaffee en over een ding bent gijlie het allemaal eens: die dagen weej bek in de jaren tochtig, toen en daar, op die terreinen vol sloopwoningen, dat waart de mooiste dagen van uw leven.
Zoiets misschien.
Dit neemt mij terug naar het soort muziek dat ik veel luisterde toen ik net op kot zat. Femke haatte die seedees en speesjaal daarom legde ik natuurlijk ekstra vaak iets diergelijks op. En dan werd er gezwegen, of er was ruzie, of ik zat me aan mijn wrakke tafel te bezuipen en haar de huid vol te schelden. En ik wilde altijd maar met dingen gojen. En er was frustrasie ook, en woede. En ik kon maar nooit een goede manier bedenken om haar te zeggen dat ik zo krankzinnig veel van haar hield dat ik voor haar zou sterven als dat nodig was.
Het zal u duidelijk zijn bij nu. Code Inconnu staat voor inkter dan inktzwarte pracht. Het staat voor alles dat ons angst aanjaagt maar stiekempjes ook wondermooi is.
Want dit hier is walging. Maar het is moje walging.
En dit hier is pijn. Maar het is moje pijn.
En dit hier is woede. Maar het is moje woede.
En dat er bij al die postpuberale gevoelens al eens overgeakteerd wordt, ja dat zat er natuurlijk aan te komen. Bij vlagen verliezen de heren Gottfried Krienzer (guitaar), Hannes Schauer (vokalen), Markus Sworck (drums), Christoph Uhlmann (synth) en Reas (bas) zich in de bombast. Dan wordt het naar mijn smaak een weinig te tejatraal. Dan wordt er godverdomme zelfs zoiets vreselijks als goth zichtbaar binst de einders van Code Inconnu’s muzikale spektrum.
En ook: aan de zang mag echt nog wel een beetje gewerkt worden.
En zulke dingen ook. Maar weet je wat ik ga doen? Ik ga lief zijn en deze feilen wegschrijven onder de noemer schoonheidsfoutjes. Want hoewel verre van orzjieneel natuurlijk blijft dit wel gewoon een heerlijk zwartgallige seedee. Voor al die avonden die bol staan van de pathos, de wanhoop, de doodsangst en de razernij. Jawel. Seedeetje op. Biertje erbij. En laat de duisternis maar lekker in je opwellen. U weet hoe lekker dat kan zijn. tim donker

kapuzine
Mehr Fluch als Segen, wenn einen das Szeneformat “Wiremagazine” zu österreichs Tortoise ausruft. Wie in die badeseegrossen Fussstapfen steigen? Erst mal Ruhe bewahren und um Verstärkung ansuchen. Seit ihrem in der Indie-Presse abgefeierten 2005er Release “Spoil, Microbe” sind die Grazer Code Inconnu zum fünfköpfigen Monster angewachsen. Und das steht dem im Magen liegenden Gesamtsound enorm gut zu Gesicht.
Der geschätzte Herr Newton würde sich im Grabe umdrehen. Mit seiner hochkomplexen Rhytmik überwindet der Code gekonnt die Gesetze der Schwerkraft und hebt ab. Code Inconnu katapultieren die wackeren Zuhörer in einen Klangorbit zwischen grimmigen Noise-Attacken, blubbernden Electronics uns spastischen Kreissägegitarren. Hand aufs Herz! Solch eine Arty-Farty-Mischung ist ja schon bei gefühlten 200 Bands gewaltig in die Hose gegangen. Ganz anders bei den Grazern. Code Inconnu nehmen dich an der Patschehand und führen schwerelos durch die tiefen Weiten ihres Universums. Die Jungs vergessen in ihrer ganzen Vertracktheit nie den Song und finden immer wieder den catchy Groove, der dich aus dem Bürosessel reisst. Ein sperriger Brocken extremer Musik, der sich nahtlos in die Ruhmesstirnreihe der letzten Releases auf dem Noise Appeal Rennstall (Sex Jams, Striggles, Reflector) einfügt.

Falter 4/2010
Code: bekannt
Code Inconnu lässt den New Wave der frühen Achtziger in neuem Gewand auferstehen
Den Titel eines Filmes von Michael Haneke als Bandname zu tragen, ist sicher nichts Ehrenrühriges. Während sich der österreichische Regisseur für „Das weiße Band“ eben einen Golden Globe abgeholt hat, muss man für „Code: unbekannt“ – im Originaltitel „Code inconnu: Récit incomplet de divers voyages“ – allerdings einige Jahre zurückblicken. Im Jahr 2000 erschienen, fand ihn damals die Band und vor allem Gitarrist Gottfried Krienzer ausgezeichnet. Er fügt aber hinzu: „Über die Wahl des Bandnamens kann man streiten, er ist vielleicht nicht ganz glücklich. Es war allerdings ein schnell gefasster Entschluss.“
Es ist auch nicht nötig, übereifrig Parallelen zwischen Haneke und der Ende der Neunziger damals noch unter anderem Namen gegründeten Band zu suchen. Allerdings sind die im Film thematisierten Schwierigkeiten der Kommunikation auch für Krienzer – er ist hauptberuflich Gitarrenlehrer – relevant: „Ich habe es sehr interessant gefunden, dass man Kommunikationsmethoden hat, die nicht wirklich kompatibel sind. Ständig gibt es Missverständnisse, ohne böse Absicht. Wir haben das auch für unsere Musik so gesehen. In unserem Verständnis hat sie eine eindeutige Richtung, aber man kann nie damit rechnen, dass sie so ankommt.“ Die Chancen stehen gut, dass das neue, selbstbetitelte Album „Code Inconnu“ beim Hörer nur für das nötige Mindestmaß an Irritation sorgt. Denn im Vergleich zu den beiden Vorgängeralben – „Abgesang“ (2002), sperriger Instrumentalrock, und „spoil, microbe“ (2005), eine sehr artifizielle Elektronik-Rock-Synthese – ist das neue Werk geradezu Pop, die Codes sind da durchaus bekannt.
Es kommt nicht von ungefähr, dass der neue Wurf – wie eigentlich bei Debütalben üblich – selbstbetitelt ist. Man muss zwar nicht unbedingt von einem Neubeginn sprechen, allerdings hat sich einiges verändert. Code Inconnu sind das erste Mal mit Sänger unterwegs. Und während das letzte Album „spoil, microbe“ aus den im Alleingang eingespielten Beiträgen der einzelnen Bandmitglieder zusammengebastelt wurde, betont Krienzer, dass die Sache nun „so richtig nach Band klingt“. Allerdings. Der elektronische Anteil wurde deutlich reduziert, die Nummern erinnern an den New Wave der späten Siebziger und frühen Achtziger, an Songs, wie sie Bauhaus oder Joy Division spielten. Nur setzen sie Code Inconnu im dekonstruktivistischen Stile des Post-Rocks um, und die ungehemmten Noise-Rock-Einschübe – da befinden sie sich in der Nähe der Achtzigerjahre-Noise-Heroen Big Black – verleihen ihnen ein ungleich gefährlicheres Antlitz.
Begonnen haben Code Inconnu als Trio, mittlerweile sind sie zum Quintett angewachsen. Die Liebe der Kerntruppe Gottfried Krienzer (git), Markus Sworcik (dr) und Christoph Uhlmann (synth) zu experimenteller Musik erwuchs im Umfeld des ehemaligen Grazer Labels tonto, aus dieser Ecke stammt auch der später mit an Bord geholte Bassist Andreas Klöckl (Reas). Krienzer ist derzeit auch Gitarrist des Grazer Quartetts The Striggles, Markus Sworcik der Schlagzeuger von Hella Comet, deren Debüt auf Pumpkin Records für Februar angekündigt ist. Für die Achtziger-Nähe des nun vorliegenden letzten Streichs von Code Inconnu war Sänger Hannes Schauer – der eine Zeit lang in London gelebt hat – mit seiner musikalischen Vorliebe für eben New Wave, so Krienzer, nicht unbedeutend. Und als ehemalige Instrumentalband war so einiges neu zu überlegen:„Man muss auf den Sänger ganz spezielle Rücksichten nehmen. Früher haben wir schnell mal alles zugebuttert.“
Zwei Jahre hat das Quintett an „Code Inconnu“ gearbeitet. Nicht nur weil sie mit viel Liebe am Detail zur Sache gehen, sondern weil sie auch Weltmeister im Verwerfen, Diskutieren und Streiten sind. Auch wenn sie aufgrund von „spoil, microbe“ den Achtungserfolg erringen konnten, vom britischen Magazin The Wire gelobt zu werden, sie haben sich dennoch neu erfunden. Wie viel in den letzten zwei Jahren auch gestritten worden sein mag, jene Dissonanzen, die man auf dem neuen Album hört, die sind Absicht. Auch Diskutieren und Verwerfen haben sich wohl bezahlt gemacht, das neue Werk ist ihnen prächtig gelungen. Nur ein Sender-Empfänger-Problem dürfte wohl wiederum auftauchen. Als Cover dient ein Foto des Holländers Harm van den Dorpel, das der Künstler für die Band zur Verwendung freigegeben hat. Dass sich der Betrachter der verschwommenen, kaum erkenntlichen Ziege so wie Krienzer an das Cover des Beach Boys-Albums „Pet Sounds“ erinnert fühlt, diese Rechnung dürfte wohl kaum aufgehen. Live am 28.1., 21.00, Forum Stadtpark Graz, mit SKM Banda (Slo) Tiz Schaffer