Sleep Sleep – Gospel / noise37

Sleep Sleep – Gospel / noise37

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FORMAT
LP

STATUS
available

RUNNINGTIME
41 min. 52 sec.

TRACKLIST
01 Mendocino
02 Dirty Dog
03 Take The Money And Run
04 Sunrise
05 Old Joy
06 Twin Peaks
07 Smile
08 Gospel

PRESSING INFORMATION
300 made
download code included

RELEASE DATE
04.11. 2013

faq magazine
Ganz dem Englischen als Textsprache verschrieben hat sich der Wiener Pieter Gabriel. Sein im Popkontext vorbelasteter Name hat sich als suboptimal erwiesen, weshalb Gabriel nun unter dem Signet Sleep Sleep veröffentlicht. Mit City Of Last Things hat er 2009 ein ruhiges, folklastiges Album auf den Markt gebracht. Beim Bluebird-Festial 2010 mit Band klang Gabriel schon wieder anders. Hier war einer in Bewegung und Entwicklung, das sollte sich zunächst auf einer nur als Free Download angebotenen EP mit Coverversionen manifestieren. Gospel (Noise Appeal) heißt das Album von Sleep Sleep, das hinreißende Stücke zwischen Fake-Americana, Hybrid-Synth-Pop und Psychodelia vereint, die sich begrifflich schwer in eine Klammer fassen lassen. Produziert und arrangiert sind die acht Songs jedenfalls mit Akribie und viel Know-how auf eine Art und Weise, die Räume aufreißt und (Ambient-)Flächen mit viel Atmosphäre wirken lässt. „Twin Peaks“ und „Old Joy“ suggerieren als Songtitel Nähe zum Film. In seiner Geradlinigkeit ist das somnambule „Sunrise“, das schon zu Presse/FM4 „Der Song zum Sonntag“-Ehren gekommen ist, das eingängigste Stück. Sehr lässig auch der Schluss von „Take the Money and run“ mit dem „absterbende Schallplatte“-Sound. Von Sleep Sleep ist noch Einiges zu erwarten!

the gap
Als Fan und Unterstützer der heimischen Künste ist man bei österreichischen Musikern besonders geneigt, im internationalen Vergleich auch mal ein Auge zuzudrücken. Sleep Sleeps „Gospel“ braucht das nicht, denn dahinter verbergen sich acht bunte Oden an den Pop.
In einem Jahr, in dem sich die heimische Musiklandschaft mit ihren Releases wirklich nicht zu verstecken braucht, ist es der Underdog unter den Wunderkindern, der besonders brilliert. Pieter Gabriel aka Sleep Sleep ist mit „Gospel“ An- und Absage zugleich gelungen.
In erster Linie eine Ansage in Richtung Pop und dessen nichtvorhandenen Tellerrand. „Gospel“ in Genreschubladen zu stecken, ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn von Track zu Track variiert Klangfarbe, Instrumentierung, Tempo, Stimmung – einfach alles. Der gemeinsame Nenner ist das Konzept „Pop“, dem Gabriel mit akribischer Perfektion und vielseitigem Songwriting seinen Tribut zollt. Als roten Faden lässt er Flächen und Ambiente sprechen, versteckt diese unter den jeweils stimmigen Arrangements – mal unter dem Deckmantel einer folkigen Orgel, mal als zarte Streicher getarnt. Beim Betrachten des größeren Ganzen ist es offensichtlich, dass „Gospel“ mehr Kopf- als Herzsache ist. Nichts passiert zufällig und Affekt ordnet sich dem Masterplan unter.
Das Album ist im gleichen Atemzug aber auch eine Absage. Eine Absage an die Industrie, an die Pop-Maschinerie, ans System. Gabriel lässt ein geschultes Ohr für Zugänglichkeit erkennen, ebenso umfassendes Produktionswissen und talentiertes Songwriting, genreübergreifend. Er schreibt im Alleingang große Hits, sieht dabei keine Notwendigkeit für ein Major-Label, er tut es aus Liebe zur Kunst und zur Kunst allein. „Ich bin glücklicherweise auch nicht gezwungen, mit meiner Musik meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen“, begründet er seine Absicht, als Sleep Sleep voraussichtlich keine Live-Konzerte zu geben, im MICA-Interview (7/10)

falter 47/2013
2009 veröffentlichte ein junger österreichischer Singer/Songwriter sein bemerkenswertes Debüt „City of Last Things”. Er hieß Pieter Gabriel ? und heißt immer noch so, ist es ja sein bürgerlicher Name. Es musste ein weniger vorbelasteter Künstlername her. Als Sleep Sleep legt Gabriel mit „Gospel” ein sehr stimmungsvolles Werk vor, das aufs Atmosphärische, auf somnambule Grooves und „Twin Peaks”-Zitate setzt, ohne auf die Songs zu vergessen. Eine der bes­ten Popstimmen des Landes hat er sowieso. Nur: Was ist beim Cover passiert?

substance is meaningless
Vienna-based musician Pieter Gabriel caught our attention a few months ago with the quite spectacular covers EP “CVRS” and Sleep Sleep returned at the start of November with the debut album “Gospel”. The 8 track album released on Noise Appeal Records is a highly addictive work of musical art full of tracks which instantly feel like they have been a part of you forever. It is probably how Beach House would sound if they lived in the Viennese capital….
“Sunrise”, the first single to be released is a veritable soundscape as Gabriel’s prophetic voice lazily takes over you like an early morning summer haze.
Gospel is an exquisitely produced piece of downbeat indie-electro which finds a perfect balance between melancholy and hope. “Take The Money and Run”  will have you hooked from the first listen while “Old Joy”, “Twin Peaks” and “Smile” return to the beautifully misty fog of sounds which dominate much of the album.
You can listen to it in full below and buy it on Bandcamp or www.noiseappeal.com

fm4 “song zum Sonntag”
Lass die Sonne rein
Der Song zum Sonntag: Sleep Sleep – “Sunrise”
Auch der geschätzte Wissenschafts- und Popjournalist Thomas Kramar macht sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song seine Gedanken.
Muss man sich etwa Sorgen um Pieter Gabriel machen?
Verbringt er ganze Jahre unter der Bettdecke, hat die Depression durch seinen Schädel spuken? Hört man die Musik des neuen Projekts des Wiener Musikers, fällt es leicht sich auszumalen, wie die Melancholie und die Schwermut im Körper dieses jungen Mannes ihr träges Spiel treiben. Pieter Gabriel weiß aber auch, dass graugefärbte Eigenbrötlerei und die Pose des Schmerzensmannes alleine nur blasse Kunst bleiben, wenn nicht Finten, Brüche und komische Umwege in das Leidenswerk eingezogen werden. Heute geht die Sonne auf, morgen kommt die Hoffnung.
Man kann Pieter Gabriel sicherlich, und zwar ohne Häme, einen Singer/Songwriter, gar einen Liedermacher nennen. Bis vor kurzem noch hat er unter seinem musikgeschichtlich vorbelasteten bürgerlichen Namen diese alt-ehrwürdige Kluft in eher traditioneller Weise spazieren getragen: An der sanften Gitarre, gerne akustisch, vom Folk beseelt.
Nach einer insgesamt recht schönen EP mit – einigen zugegebenermaßen etwas unglücklich gewählten – Coverversionen (Hasselhoff und Michael Jackson muss man nun wirklich nicht mehr neudeuten) wird Anfang November das Debütalbum von Gabriels neuer Unternehmung Sleep Sleep erscheinen: “Gospel” wird die, so viel sei schon verraten, ganz wunderbare Platte heißen, und hier wird nun verstärkt auf die Macht einer wohlig singenden Orgel, sachte Elektronik und insgesamt eine opulentere Farbgebung gesetzt.
Wie und mit wem und wo “Gospel” entstanden und zusammengebaut worden ist, ist bislang noch nicht überliefert. Hat Gabriel alle hier prächtig angehäuften Zauberklänge selbst eingespielt, haben Freundinnen im Studio auf einen Tee vorbeigeschaut und hernach Chöre eingesungen, die in den Charts Gottes landen müssen? Wurde hier gesamplet, die Magie des Computers überstrapaziert oder hat Gabriel jedes zu hörende Violinen-Summen eigenhändig aus der alten Holz-Maracuja gekitzelt?
Produktionsbedingungen könnten ohnehin öfter einmal egal sein. “Gospel” ist jedenfalls ein unglaublich reiches Album geworden, ein Fluß aus Honig und bitter schmeckendem Mandellikör. Es brummt und wabert, es pocht, pulsiert und eiert. Es gibt hier ein wunderhübsch beschwingtes Stück Fake-Americana zu erleben, oder auch einen Cocktail aus sensibler Euro-Disco und Depeche Mode in Leder. Vor allem aber hören wir auf “Gospel” vernebelten Dreampop, der zwar einerseits die Intimität des einsamen Heimwerkers versprüht, immer aber auch ein erhebendes Gemeinschaftsgefühl zu beschwören scheint. Eventuell will der Album-Titel schon etwas verheißen: Ein Gospel will verbreitet werden und geteilt sein mit guten Menschen.
Programmatisch ist hier die Vorabsingle: “Sunrise” nennt sich das vielleicht beste und schlichteste Stück des Albums. Ein kleines psychedelisch flackerndes Wunderwerk, das den Zustand des Halbschlafs in Musik übersetzt. Gabriel besingt den Sonnenaufgang, auf dass ihn dieser doch aus dem Bettchen holen möge. Ob der Künstler nun tatsächlich rausmöchte aus den feinen Federn oder vielmehr muss, bleibt unklar. Optimismus und Zweifel schillern in diesem Lied gemeinsam. Mit “Sunrise” hat Gabriel ein unendliches Gleichgewicht aus Sonne, Sehnsucht und Traurigkeit gefunden.

die presse
Sleep Sleep “Sunrise”: Guten Morgen, Psychedelia!
Sein Vater gab ihm den Vornamen ganz bewusst in Anlehnung an Peter Gabriel: Pieter Gabriel, geb. 1983, lebt in Wien. Nun veröffentlicht er als Sleep Sleep die LP “Gospel”. Es ist eines der wundersamsten Themen des Psychedelic Pop: der Sonnenaufgang, den man nicht hellwach und aktiv erlebt, sondern glücklich verschlafen, verträumt. Mit einem ausgedehnten Frühstück, das organisch in die vormittägliche Meditation und die nachmittägliche Ruhe übergeht, sozusagen. Pieter Gabriel, der nun unter dem schläfrigen Namen Sleep Sleep firmiert und Dream Pop macht, geht diesen Song mit einem gelassenen Jäger-und-Sammler-Rhythmus an, zu dem es ganz selbstverständlich ist, dass der Gesang von einer strahlenden Orgel getragen wird, umflort von Echos und zartem Zischen, wie es einst der selige Syd Barrett liebte. Ein nachdenklicher Bass kommentiert die morgendlichen Betrachtungen, bis auch er im allgemeinen Rauschen verstummt. Schließlich bleibt ein maschinelles Schnarren: Alles ist doch nicht ganz selig in diesem psychedelischen Land.
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Philipp L’Heritier (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.

haubentaucher.at
Hinter dem Namen SLEEP SLEEP verbirgt sich der Wiener Pieter Gabriel und der ist irgendwie auf etwas andere Art auch ein wilder Hund. Im Sommer fiel er mit einer Remix-EP auf (“CVRS” hieß das Werk) und coverte fröhlich Leute wie David Hasselhoff oder Michael Jackson. Schon vor ein paar Jahren verhießen ihm FM4 u.a. eine feine Karriere, aber so richtig ist der große Durchbruch noch nicht gelungen. Macht nix, vielleicht jetzt. Mit “Gospel” legt Gabriel nämlich ein Album vor, das alles an großartigen Soundsplittern aus der Musikgeschichte klaubt, das dem Künstler irgendwie von Belang erscheint. Dazu eine dunkle Stimme, die reichlich Hall bekommt, und fertig ist ein außergewöhnliches Pop-Juwel, das der Pressetext zu recht mit dem Etikett “cinematographisch” versieht. Nur Gospel-Melodien wird man auf der Platte vergeblich suchen. Der Name ist übrigens nicht ironisch zu meinen, des Künstlers Vater war offensichtlich auch populärkulturell geprägt.

vice magazine (CVRS review)
Es gibt zwei Arten von Coverversionen. Die einen spielen ihr Lieblingslied 1:1 runter und hoffen, dass sie irgendwie ins Fahrtwasser der Lieblingsband gelangen. Es ist das versteckte Bekenntnis zur miesen Qualität der eigenen Band. Die anderen interpretieren ein Stück eines Komponisten und machen etwas neues daraus. So wie Johnny Cash Personal Jesus besser gemacht hat, oder jede Hochzeit des Figaro in der Oper eigentlich nichts anderes ist als eine Coverversion. Die CVRS EP von Sleep Sleep ist letzterer Spielart zuzuordnen. Der Wiener Pieter Gabriel (da hatten die Eltern aber einen Spaß mit dem Taufschein!) alias SLEEP SLEEP tüftelt sanfte Synthie- und Keyboardlandschaften und bringt vor dem Debutalbum im kommenden Herbst noch eine Platte mit den Liedern anderer Leute, neu interpretiert. Ab “Dirty Diana” wacht Sleep Sleep auf, macht eine düstere, abgefuckte Ballade draus, die aber interessanterweise immer noch poptauglich ist. „Wild At Heart“ von Mile Me Deaf ist das nächste Juwel, geschrieben von Wolfi Möstl. Sehr verträumt, und, obwohl mein Musik Editor das Wort nicht mag, „leichtfüßig“. Überhaupt zeigt diese EP nur eines: Wer gute Songs schreibt, kriegt gute Covers. In welche Kategorie Looking For Freedom fällt, überlasse ich dem geneigten Leser.  NO COMPLY (7)