Fetish-69-©Martin-Koch

About

Wien, Ende der 1980er. Inmitten einer Szene, die zwischen Punk, Metal und künstlerischer Provokation schwankt, entsteht eine Band, die keine Kompromisse kennt: FETISH 69. Schon der Name ist ein Versprechen. Eine Mischung aus Tabubruch, Lust und Abgrund einerseits, eine Anspielung auf ein historisches Schlüsseljahr zum anderen. 1969 verdunkelte sich die Popkultur, Quentin Tarantino wird mit “Once Upon A Time in Hollywood” später einen Film über diese Zeitenwende drehen.

Christian Fuchs, damals noch ein junger Student mit Vorliebe für Grenzüberschreitungen, stellt die Truppe auf die Beine. Von Anfang an geht es nicht nur um Musik, sondern um Haltung, Bildsprache und ein Spiel mit Extremen.

Die ersten Veröffentlichungen von FETISH 69 sind roh, aggressiv, unmissverständlich. Gitarren, Schlagzeug und Stimme schlagen im Takt der frühen Neunziger – ein Sound, der so viel von Hardcore wie von Industrial in sich trägt. Mit „Antibody“ (1993) wird deutlich: FETISH 69 sind mehr als eine weitere Gitarrenband. Sie sind eine Attacke auf die Sinne. Unterstützt von Szenegrößen wie Pungent Stench bauen sie eine Brücke zwischen Death Metal und der kühlen Härte industrieller Maschinenmusik.

Doch die Band bleibt nicht stehen. Mitte der Neunziger beginnt eine Transformation: „Purge“ (1996) klingt bereits wie ein Blick in eine dystopische Zukunft. Sludge- und Doom-Elemente flackern auf. Schicht um Schicht wird aus Sound ein Klangraum gebaut, der eher unter die Haut kriecht, als frontal ins Gesicht schlägt. Spätestens mit „Geek“ (1999) sind FETISH 69 nicht mehr nur eine Industrial-Rock-Band, sondern ein Elektronik-Projekt, das an der Grenze zwischen Club, Performance und Endzeit-Soundtrack operiert.

Immer wieder ist die Bildsprache Teil des Konzepts. Ob Fotos des Wiener Aktionisten Günter Brus, die Arbeiten der US-Underground-Ikone Joe Coleman oder die Artworks des Linzer Grafikers Andi Ehrenberger – die Alben der Band sind Gesamtkunstwerke. Musik und Bild gehen Hand in Hand, verstärken sich gegenseitig, erzeugen eine Ästhetik, die beunruhigend, faszinierend und konsequent ist.

2003 erscheint „Atomized“, ein letztes Aufbäumen im Studio, bevor die Band ihr Projekt auf Eis legt. Christian Fuchs zieht weiter, gründet Bunny Lake, singt bei der Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune, erfindet später das Black Palms Orchestra. Doch der Geist von Fetish 69 bleibt bestehen – als ein dunkler Schatten im Rückblick auf die österreichische Musiklandschaft der Neunziger, als ein Stück radikaler Popkultur zwischen Metal und Elektronik, zwischen Kunst und Abgrund.

Fetish 69 waren nie bequem, nie gefällig. Sie waren ein Störsignal, ein Faszinosum, ein Experiment. Und gerade deshalb wirken sie bis heute nach.

Releases

Status:
disbanded

Members:
Christian Fetish (vocals)
Robert Lepenik (guitars)
Rainer Binder-Krieglstein (drums)
Christof Baumgartner (bass)
Kim Pil Jung (samples)

Contact:
boy@noiseappeal.com

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