Convertible – Holst Gate / Noise66, LP Noise67, CD

Convertible – Holst Gate / Noise66 LP, Noise67 CD

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noise66, LP
noise67, CD

STATUS

available

RUNNINGTIME

38 min. 02 sec.

TRACKLIST LP

A1 Final Call
A2 Sandy Beaches
A3 The Gate
A4 Better Day

B1 Shadow Scene
B2 The March
B3 You Is Me
B4 Free

PRESSING INFORMATION

300 copies, printed innersleeve & download code included

TRACKLIST CD

01 Final Call
02 Sandy Beaches
03 The Gate
04 Better Day
05 Shadow Scene
06 The March
07 You Is Me
08 Free

PRESSING INFORMATION

500 copies, digipak

RELEASE DATE

16.11. 2018

pitfire.net

Hans Platzgumer ist ein österreichischer Musiker und Autor, der schon so lange im Geschäft ist, dass er jeder berühmten Indie-Person mal über den Weg gelaufen ist, früher in Bands in Berlin und den USA, heute als Autor in Bregenz (war z.B. 2016 auf der Long-List für den deutschen Buchpreis für den Roman «Am Rand»). Er hat Erfolg, Erfahrung und immer noch ein stylisches Feuer in seinen Fingern.
Dieses Projekt, das offiziell ein Trio ist, zum grössten Teils aber vom Maestro gestaltet und intoniert wurde, kann man dem schicken Indie-Pop zuordnen. Ein Stil, der irgendwo zwischen schummriger Bar und opulenter Lounge der Siebziger angesiedelt werden kann. Immer wieder kann man Leonard Cohen, Eels oder Beck durchhören, wenn man will. Klassische Pop-Songs, die auf (Rhodes) Piano basieren, mit Gitarren, Elektronik und grossen Bläser-Arrangements durchtränkt. Wehmütig, amerikanisch und auf eine betont altmodische Art und Weise stilvoll. Ein wenig Americana («Better Day»), ein wenig Wall of Sound («Better Day») und der eine oder andere Hit («Sandy Beaches»); Hier bekommt man klassisches Entertainment, das aus guten Songs und einer ausgesprochen gekonnten Darbietung gebildet wird, aber dennoch frisch klingt.
Eine glänzende Erwachsenen-Pop-Platte, die einen Universal-Kreativen in einer wunderbar stimmigen Atmosphäre zeigt, wie er ein Amerika vergangener Tage zelebriert. (reto, 8/10)

Radio FM4

Von Moll zu Dur zum Glück
Der österreichische Musiker und Autor Hans Platzgumer alias Convertible hat sein Versprechen gebrochen, nie mehr Musik zu machen. Gott sei Dank! Denn mit „Holst Gate“ hat er endlich das Album gemacht, das er immer schreiben wollte. Mit der Hilfe einer Kunstfigur. Von Andreas Gstettner-Brugger

Die neue Welt der skandinavischen Fiktion
Der Titel „Final Call“ eröffnet das neue Convertible-Album. Die melancholischen Klavierakkorde und der satte, reduzierte Schlagzeugbeat saugen einen sofort in die neue Soundwelt des österreichischen Musikers. Alles wirkt etwas mystisch, geheimnisvoll und trotzdem strahlend schön, mit einer gewissen Leichtigkeit, auch wenn der Grundton hier noch immer ein etwas schwermütiger zu sein scheint.
Es war der erste Song, der für dieses neue Werk entstanden ist, das der arbeitswütige Schriftsteller und bis dato Ex-Musiker eigentlich nie geplant hat.
Hans: “Das Album ist mir passiert. Ich setze mich ja jeden Tag meist am Abend ans Klavier und spiele für mich selbst und da sind plötzlich sehr schöne Akkorde herausgekommen und tolle Gesangslinien. Also habe ich das aufgenommen und meinem Bassisten Chris Laine geschickt. Mit ihm hatte ich ja ausgemacht, keine Musik mehr zu machen. Und er hat mir ein paar Inspirationen geschickt und gemeint: Tausche doch die Moll- mit Dur-Akkorden aus und mach einen einfachen, straighten Beat. Das habe ich gemacht und plötzlich ist eine ganze Welt für mich aufgegangen, die jetzt auf dieser Platte zu hören ist. Das ist eigentlich in einer Sekunde passiert.“
Wenn Hans Platzgumer erst einmal eine gute Idee hat und die weiterverfolgen will, dann geht er diesen Weg „wie vom Teufel geritten“ und erlebt eine sehr intensive Zeit. Innerhalb weniger Wochen waren dann weitere Songs geschrieben. Es hat halt so sein müssen. Und als Hans sich an sein Versprechen erinnert hat, nie mehr Alben zu machen, ist die Idee mit dem fiktiven Musiker entstanden.
Hans: „Wir haben uns überlegt, wer so eine Musik schreiben könnte und sind geographisch auf Norwegen gekommen. Und dann hat wohl der Schriftsteller in mir überhandgenommen und diese Figur des Colin Holst erschaffen. Ein junger Musiker, der in der Einöde von Kongsberg in seinem Studio sitzt und für sich allein solche Songs schreibt. Mit dem Auferstehen dieser Kunstfigur hat es sich für mich nämlich so angefühlt, als würde nicht ich das Album schreiben, sondern eben Colin Holst. Ich hatte mehr Distanz, so als würde ich nur zuschauen, und jetzt kann ich mich richtig darüber freuen, dass das Ergebnis so gut geworden ist, ohne eitel zu sein. Es ist das Album geworden, das ich immer schreiben wollte.“

Der Mut, einen Schritt weiter zu gehen
So sind hier die Erfahrungen des Schriftstellers und die des Musikers ineinander verschmolzen und haben ein Eigenleben entwickelt. Dadurch konnten Songs und Sounds entstehen, die Hans Platzgumer selbst nie so gemacht hätte. Zum Beispiel die klangliche Ästhetik, mehr auf Bläser und Klavier zu setzen. Oder, dass die permanent im Kopf vorhandene norwegische Weite dann Colin Holst mit reduziertem und doch druckvollem Schlagzeug umgesetzt hat. So hat auch der fiktive Musiker darauf bestanden, die E-Gitarre in die Hand zu nehmen. Das Instrument ist bei Hans Platzgumer die letzten fünfzehn Jahren unberührt in der Ecke gestanden. Daher finden sich auf „Holst Gate“ auch die von Colin und Hans geliebten Walls-of-Sounds.
Das passt auch gut zu der musikalischen Sozialisation des jungen Norwegers. Er kennt sich sehr gut mit dem Pop der 1960er Jahre aus. Lennon und die Beatles stehen da ebenso auf seiner Liste wie der Rock der 1970er und Led Zeppelin bis hin zu Grunge, Punk und Noise der 1990er Jahre, den er eingesogen hat, um daraus seine eigene Melange zu machen. Auch wenn das Hanz Platzgumer sehr entgegenkommt, hat Colin doch auch einen starken Pop-Aspekt hereingebracht. Da wäre das wunderschöne, reduzierte und sehr beschwingte „Sandy Beaches“ mit seinen wundervollen Bläsersätzen, dem flockigen Gitarrenriff, dem swingenden Ohrwurm-Refrain, der eine wunderschöne harmonische Wendung aufweist und dem Wechsel zwischen reduziertem Popsong und breiter Hymne. Ein Song, den Hans Platzgumer wahrscheinlich nie geschrieben hätte.
Hans: “Es war so ähnlich wie in der Schriftstellerei. Denn da kann ich ja die fiktiven Figuren genau die Sachen machen lassen, die ich mich nicht trauen würde. Oder sie können eben genau diesen einen Schritt weiter gehen, der mich zwar reizt, für den ich aber im wirklichen Leben vielleicht nicht den Mut habe. Und dadurch beginnt dann dieses Abenteuer. So sind auf den Album Gesangspassagen drauf, die ich so noch nie aufgenommen habe.“
Ein gutes Beispiel dafür ist balladenhafte, fast schon jazzige Stück „Shadow Scene“, bei dem Hans ungewöhnlich hoch singt, seine Stimme teils angezerrt wird und die eine unglaubliche Eindrücklichkeit erhält. Oder da wäre auch noch Hans Platzgumers Lieblingsstück „You is me“, ein intensiver Song mit langsamen Beat, sich übereinander schichtenden Bläser- und Soundflächen, der zwischen bedrohlich wirkenden Akkordfolgen und hoffnungsvoller Klangwelt hin und her pendelt.

Durch das Holst Gate zur hoffnungsvollen Utopie
Ebenso neu bei Convertible ist die positivere Grundausrichtung von „Holst Gate“. Bis auf den stampfenden, lautesten Song „The March“, in dem die Texterin des Albums, die Amerikanerin Hannah McKennah, ihrem Zorn gegen den damals neu gewählten Donald Trump freien Lauf lässt, blickt das Album mit Hoffnung in die Zukunft. Während rundherum die Dystopien sich zu ausgewachsenen Schlafstörungen und Albträumen auswachsen, ist das „Holst Gate“ eine Türe zu einer möglichen, besseren Welt. Dahinter liegt vielleicht der „Better Day“, wie es der gleichnamige Song nahelegt. Die sanften Piano-Klänge mischen sich hier mit verschnörkelten Gitarrenlinien, die zu den traurigen Bläser-Melodien den locker-leicht wirkenden und mit viel Spielfreude umgesetzten Kontrapunkt darstellen.
Nicht nur der Wechsel von Moll- zu Dur-Akkorden hat zu dieser neuen Ausrichtung geführt. Die Arbeit an der eigenen, inneren Welt, die Erfahrung mit dem Leben und der bewusste Umgang mit sich selbst haben Hans Platzgumer ermöglicht, mit seinen Problemen und seelischen Abgründen besser umgehen zu können und aus ihm einen weitaus glücklicheren und gelasseneren Menschen gemacht. Er nimmt Unwegsamkeiten und unvorhergesehene Probleme nicht mehr so schwer. Genau das hat diese berührenden und locker wirkenden Songs von „Holst Gate“ und deren Message erst möglich gemacht.
Hans: „Ich glaube. wir leben in einer Zeit, in der wir unseren Horizont erweitern müssen. Wir müssen neue Visionen und neue Ideen entwickeln. Der Song ‚Imagine‘ von John Lennon wäre jetzt eigentlich wieder angesagt. Wir müssen über diesen kleinen, tristen, grauen Weltrahmen hinausschauen, den wir alle im Kopf haben. Den bekommen wir leider jeden Tag von Neuem in unser Gehirn gestopft, dass die Welt so sein muss. Da spielt natürlich der Kapitalismus eine große Rolle, der fast alles andere unmöglich macht. Aber das Andere ist ja noch immer da draußen. Das mag vielleicht noch fantastisch oder utopisch klingen, aber es muss nicht unmöglich sein. Ich finde, jetzt ist es an der Zeit, wieder träumen zu können und dass wir Gedanken weiterspinnen können, die vielleicht auch als Spinnerei gelten, aber die uns eine gute Alternative bieten können. Man kann vielleicht positiver denken, als es die Realität derzeit erlaubt, weil die erlaubt im Moment fast gar nichts. Das passt ganz gut zu gebrochenen Versprechen. Vielleicht ist es ganz gut, dass wir Altes aufbrechen und dann schauen, was dahinter ist, hinter diesem ‚Holst Gate‘. Vielleicht ja ein ‚Better Day‘.“ (Andreas Gstettner-Brugger)

Wiener Zeitung – Jahrescharts 2018

Pop/Österreich
1. Convertible: Holst Gate

Dem Vernehmen nach hätte Hans Platzgumer die Musik beinahe aufgegeben. Irgendwie wurde der Tausendsassa zwischen den Stilen, der sich außerdem ein Standbein als Schriftsteller erarbeitet hat, dann aber doch wieder für ein neues Album inspiriert. Mit dem sechsten Streich seines Projekts Convertible läuft der bald 50-jährige gebürtige Innsbrucker mit New-York-Vergangenheit wieder zur Hochform auf und setzt sich nach den überwiegend akustisch gehaltenen Vorgängerwerken auch wieder unter Strom. Wir hören gerne verschleppte, um soulfulle Bläsersätze erweiterte und auf den Punkt geschriebene Songs, deren Drang ins zart patinierte Classic-Rock-Fach man dem Mann nach Anfängen im Punk und Zwischenstopps mit Laptop so einst nicht zugetraut hätte. Zwischen dem protestsongtauglichen “The March” und dem Ambient-Jazz von “Free” gibt es mit “Sandy Beaches” auch mindestens einen sehr hartnäckigen Ohrwurm.

www.wannundwo.at

Vinyl-Tipp von Charlie, Musikladen Feldkirch­:
Hans Platzgumer, ein Tausendsassa der österreichischen Kreativszene, in jungen Jahren ein Energiebündel auf der Rock- und Punkbühne, vielseitiger Gitarrist und Sänger, von Anfang an mit Drang in die große Popwelt. Rockstar in Amerika mit der Band H.P. Zinker (da gab es auch eine Vorarlberger Beteiligung, nämlich Uwe Batruel am Bass). Später Initiator unzähliger Independent-Projekte, nebenbei Bassist bei den Goldenen Zitronen. Irgendwann Musik für Theater und Hörspiele. Dazwischen DJ-Tätigkeit und Produzent sowie Komponist elektronischer Musik. Stehengeblieben ist er nie. So kuratierte er 2011, wenn ich mich richtig erinnere, Bernhard Amanns Lieblingsbaby, das Transmitter Festival in Hohenems. In den letzten Jahren trat er vor allem als Literat in Erscheinung, und das wiederum mit Platzgumerscher Brillanz (sein Roman ‚Am Rand‘ war auf der Long List für den deutschen Buchpreis). Und jetzt mit Convertible ein ausgereiftes Popalbum in ‚beatleesker‘ Manier, melodiös, rhythmisch komplex, stilsicher, stimmige Arrangements mit Klavier, Bass, Gitarre und dezentem Bläsereinsatz. Pathos in gut verträglicher Dosis. Croonern auf eine überaus charmante Weise. Auch Rap-Anklänge baut er mit ein. Über all dem schwebt der Geist des Rock ’n’ Roll. Und das ist gut so. Ein weiterer Markstein auf dem Weg des Hans Platzgumer. Ein Meisterwerk auf Vinyl.

Der Standard

Holst Gate”: Ein kleines Meisterwerk von Platzgumers Convertible
Der Tiroler unterbricht die Pop-Pension für ein neues Album. Eine gute Idee.

Begonnen hat es mit einem Ende. Hans Platzgumer und Chris Laine wollten es sein lassen, das Bandprojekt Convertible begraben, um unter neuem Namen ein Album zu veröffentlichen. So wollte man Erwartungshaltungen umgehen; der Gedanke war, dass eine neue, mysteriöse Band Aufmerksamkeit erregen würde, um dann … na ja.
Unnötig zu sagen, dass sich das so nicht ereignet hat. Nun gab es aber das Album, was also tun damit? Anstatt das Kind wegzulegen, beschlossen seine Schöpfer, es in die Arme zu nehmen und als das zu veröffentlichen, was es war und ist: ein neues Werk von Convertible.

Eine höhere Feierabend-Combo
Convertible ist eine der vielen Bands des Tirolers Hans Platzgumer. Der wird nächstes Jahr 50. Seit über drei Jahrzehnten ist er als Musiker umtriebig, seit ein paar Jahren zudem als Autor von bislang drei Büchern gut beschäftigt. Um Platzgumers immer schon enormen Output zu ermöglichen, wurde einst in New York von einem seiner Fans ein Label gegründet: Matador Records. Platzgumer veröffentlichte darauf mit seiner Band HP Zinker. Heute ist Matador der Verlag von Bands wie Interpol, Queens of the Stone Age, Yo La Tengo oder Perfume Genius, um nur ein paar zu nennen – und Platzgumer lebt wieder in Österreich.
Mit Convertible nahm er 2004 ein Debütalbum auf, 2008 wurde die Band für einen Amadeus nominiert. Mittlerweile ist es eine höhere Feierabend-Combo, die frei von irgendwelchen Zwängen zusammentrifft und aus Spaß an der Freud (und etwas Obsession) Musik macht. Ja, es heißt, Platzgumer wollte gar nicht mehr auftreten und keine Platten mehr veröffentlichen. Ausgerechnet diese Selbstbefreiung ergab die besten Voraussetzungen, um dann doch wieder ein Album aufzunehmen. Dieses liegt mit Holst Gate nun vor.

Einer fiktiven Figur ergeben
Ein wenig verfing die Idee einer neuen Band dabei doch. Und zwar in Person des Colin Holst. Der stammt aus Kongsberg in Norwegen, wo er hinter dem Haus seiner Eltern ein Studio betreibt. Dort nimmt er einnehmend schöne Musik auf. Holst ist eine fiktive Figur. Eine, der sich Platzgumer auf Holst Gate vollständig ergibt, vornehmlich am Klavier.
Das Klavier verleiht den Songs eine Wirkmacht, die stellenweise fast schon hymnisch anmutet – wiewohl die Lieder nicht bombastisch gebaut sind, Convertible ist ja bloß ein Trio: Platzgumer, Laine und Hannah MacKenna. Aber ein Lied wie Sandy Beaches verströmt dennoch eine Erhabenheit, wie man sie zuletzt bei den frühen Arcade Fire gehört hat, ohne deren Pathos aufzutragen.
Andere Songs verführen mit einem Feeling, das im Spätwerk John Lennons auftaucht: einer Mischung aus Pop-Appeal und Schwermut. So erscheint Holst Gate mit seinen acht Songs als wunderbares Kleinod, dass den freiwilligen Pop-Pensionisten hoffentlich wieder zurück ins Amt bewegt. (Karl Fluch, 11.12.2018)

Ox Fanzine #141

Stell dir vor: Irgendeine Bar, irgendwo in den USA, irgendwann vor – gefühlt – ein paar Jahrzehnten. Draußen parkt der Cadillac, drinnen wird geraucht, was das Zeug hält, und er, Hans Platzgumer, lehnt sich, die Zigarette in der Hand, an das leise spielende Klavier und singt soulig dazu. Gelegentlich dreht die Band, die sich in diesem Fall CONVERTIBLE nennt, wohl so etwas wie eine HP ZINKER-Nachfolgeband ist und in zehn Jahren nun sechs Alben veröffentlich hat, die Gitarren lauter, wird ein wenig hektisch, lässt den Blues raus. Freilich ist Platzgumer Tiroler und kein Amerikaner und „Holst Gate“ 2018 erschienen, aber irgendwie klingt dies alles nicht zeitgemäß. Und das ist gut so. Außer am Ende halt, im achten Track, als er uns zu minimalistischen Elektroklängen was flüstert und zwischendurch, wenn er auch einmal rappt, dann passt es doch noch in die jetzige Zeit, in dieses Jahrzehnt. Was aber eigentlich auch egal ist, ein überzeugendes Album ist dies allemal. (H.C. Roth, 8/10)

.rcn #224

Der erfolgreiche Schriftsteller Hans Platzgumer ist der Kopf von Convertible. “Holst Gate” ist schon die sechste CD. Sie enthält acht Songs, die zwischen Pop und Rock angesiedelt sind. Der Einstieg “Final Call” gefällt durch den schönen Gesang und die ruhigen Pianopassagen. Das anschließende “Sandy Beaches” ist rockiger und erinnert durch seine ruhige Melodie etwas an Fury in the Slaughterhouse. Hans Platzgumer hat sich für diese CD in die Kunstfigur Holst Gate hineinversetzt. Dieser ist ein junger norwegischer Musiker, der in einem Kaff auf dem Land lebt. Das weite norwegische Nordland klingt den Songs immer wieder durch. Besonders beim sehr elektrischen und gleichzeitig minimalistischen “Free”. (Roho, 7/9)

inMusic #103

Der in Innsbruck geborene Singer/Songwriter, Produ-zent, Komponist und Tau-sendsassa Hans Platzgumer hat in seinem Leben schon bei unzähligen Projekten seine „Finger“ im Spiel gehabt. Nun meldet er sich mit neuem Songmaterial in der Szene zurück, das er in einer kleinen norwegischen Stadt Kongsberg in der „Holst Gate“ geschrieben hat. Dorthin hat sich der Künstler zurückgezogen, zumindest in seiner Phan-tasie. Von dort will er die Musiklandschaft als die fik-tive Figur Colin Holst berei-sen und mit inspirierendem Indie-Sound und verführeri-schen Folk-Allerlei erfreuen. Ruhig mal reinhören… (Frank Zöllner, 3)

music-scan.de

Ein Album wie „Holst Gate“ scheint auf den ersten Blick hin eher für den Sommer geschaffen, weniger für die dunkle und kalte Jahreszeit. Und doch erscheint der sechste Longplayer von CONVERTIBLE Mitte November. Andererseits lässt die sanfte Musikalität direkt schwelgen und die langen Tage und lauen Nächte im kommenden Jahr herbei sehnen. Interessant ist dabei die Mischung aus Verbindlich- und Unverbindlichkeit, die hier geboten wird. Mitunter muten die acht Tracks unscheinbar und seicht an, doch immer dann, wenn die Gedanken abzudriften drohen, erklingt doch etwas, was die Lieder auszeichnet und ihnen Substanz verleiht. Hinter dem Projekt steht Klangtüftler, Literat und Produzent Hans Platzgumer, der sich seit mehreren Dekaden kreativ auslebt und bei dem nichts zufällig geschieht. Wirklich unverbindlich ist sein Rock-Pop dann doch nicht. Der Österreicher nimmt sich aber schon die Freiheit, Hörer mit „Holst Gate“ auszubremsen und Konzentration einzufordern. Zum wohligen, gefälligen Sound und Eindruck steht das nicht im Widerspruch. Der Nachfolger des 2013er Albums „The Growing Of Things“ tut genau das. Wenn man sich hin gehört hat, wachsen die Nummern von CONVERTIBLE im Ohr immer weiter an, bis man in ihnen die subtilen Ohrwürmer erkannt hat, als die sie konzipiert sind. (Arne, 7/10)

Wiener Zeitung

Hans Platzgumer veröffentlicht mit seinem Projekt wieder neue Musik.
Dem Vernehmen nach hätte Hans Platzgumer die Musik beinahe aufgegeben. Irgendwie wurde der Tausendsassa zwischen den Stilen und Disziplinen, der sich außerdem ein Standbein als Schriftsteller erarbeitet hat, über die Erfindung einer für das Endergebnis jetzt gar nicht so wichtigen Kunstfigur namens Colin Holst dann aber doch wieder für ein neues Album inspiriert. Haupt- und Tatsache: Mit dem sechsten Streich seines Projekts Convertible läuft der bald 50-jährige gebürtige Innsbrucker mit New-York-Vergangenheit wieder zur Hochform auf und setzt sich nach den überwiegend akustisch gehaltenen Vorgängerwerken auch wieder unter Strom. Wir hören gerne verschleppte, um soulfulle Bläsersätze erweiterte und auf den Punkt geschriebene Songs, deren Drang ins zart patinierte Classic-Rock-Fach man dem Mann nach Anfängen im Punk und Zwischenstopps mit Laptop so einst nicht zugetraut hätte.
Zwischen dem protestsongtauglichen “The March” und dem als Ausreißer gereichten Ambient-Jazz von “Free” gibt es mit dem knackig-beschwingten “Sandy Beaches” auch mindestens einen sehr hartnäckigen Ohrwurm. Dass “Holst Gate” 31 Jahre nach Platzgumers Solodebüt “Tod der CD!” noch immer auf einer Nämlichen erscheint, fällt dazu in die Rubrik Ironie der Geschichte. (Andreas Rauschal)

Sounds & Books

Das erste Album von Hans Platzgumer und Convertible seit fünf Jahren

Es sollte die große Musikkarriere für Hans Platzgumer werden, bekannt geworden ist der 1969 geborene Österreicher dann aber vordergründig als Literat. So fand er sich 2016 mit seinem auch bei Sounds & Books besprochenen, hervorragenden Roman Am Rand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises wieder. Nach einigen ersten musikalischen Gehversuchen in den 80ern zog Hans Platzgumer 1989 nach New York, gründete H.P. Zinker, mischte den Underground auf, produzierte Tocotronic, wandte sich Mitte der 90er der elektronischen Musik zu, und kehrte mit seinem Projekt Convertible ab 2003 zurück zum Bandformat. Auch Soundtrack,- Theater- und Hörspielarbeiten gehörten in den vergangenen Jahren zu seinem regelmäßigen Schaffen.

Convertible und die Beatles
Convertible Holst Gate Cover Noise Appeal RecordsHolst Gate ist das sechste Convertible-Album und das erste Lebenszeichen seit The Growing Of Things von 2013. Wie üblich entstanden die Texte in Zusammenarbeit mit Hannah MacKenna, die Instrumente spielte Platzgumer selbst ein, assistiert von Chris Laine (Gitarre) und Magnus Lässer (Bläser). Auf Holst Gate verwandelt sich Hans Platzgumer in die Kunstfigur Colin Holst, einen jungen, norwegischen Musiker, der seine Songs in einem abgeschiedenen kleinen Ort schreibt. Was Platzgumer aus dieser Ausgangsposition macht, erinnert im Opener „Final Call“ an die Beatles, circa zurzeit von Abbey Road. Ein getragenes Piano, eine sehnsüchtige George Harrison-Stimmlage, liebreizende Gitarrenlicks, ein bedächtiger Schlagzeugeinsatz und ein leichter Hang zum Drama, der im Verlauf des Albums eine noch größere Tragweite erreicht.

Balladeskes und Theatralisches
Zunächst aber steht mit „Sandy Beaches“ ein geradezu klassischer Indie-Pop-Track mit Hit-Potential. Wobei man ein gewisses Nerdtum mitbringen sollte, um die Hit-Ambition zu erkennen. Das düster-dräuende, dramatisch-opulente „The Gate“ vernebelt einem die Sinne, während „Better Day“ immer noch genügend Drama und Aplomb bietet, jedoch in balladeskerer Form. Wesentlich theatralischer fällt indes „Shadow Scene“ mit Bläsern und Orgel aus, der Soundtrack-Meister in Platzgumer übernimmt. Es folgt das überwältigende, orgiastische und stampfende „The March“, Roger Waters im Indie-Format. Majestätisch gleitet hingegen „You Is Me“ und im abschließenden, gespenstischen „Free“ bleibt nur noch Platzgumers Flüstersprechgesang. Ein Song für unerschrockene Nachterforscher. In die Charts durchstarten werden Convertible wohl nicht mehr, erfreuen aber mit Holst Gate die geneigten Musikenthusiasten. (Gérard Otremba)

musikreviews.de

CONVERTIBLE ist HANS PLATZGUMER – und dieser ein echter Hansdampf in allen Gassen. Der Innsbrucker mit den zahlreichen Aliasen (Jo Ashito, Seperator, Disko B oder hp) und Impulsgeber für ungezählte Bands und musikalische Projekte (beispielsweise Cube & Sphere, Die Goldenen Zitronen, H.P. Zinker, HP Stonji, oder Queen of Japan) arbeitet dieser Tage zwar vermehrt als Schriftsteller denn als Musiker; und doch hat der umtriebige Österreicher mit „Holst Gate“ nun unerwartet ein neues, bereits sechstes CONVERTIBLE-Album vorgelegt.
Ein hübsches und kompaktes Werk ist dieses „Holst Gate“ geworden, übersichtlich in jeder Hinsicht: Acht Songs, eine Laufzeit von knapp achtunddreißig Minuten, „All instruments by Hans Platzgumer“. Den Texten der Amerikanerin Hannah MacKenna und den, allerdings in homöopathischen Dosen, beigefügten Instrumentalparts von Gitarrist Chris Laine und Magnus Lässer (Bläsersätze) ist zuzuschreiben, dass die Sache nicht gänzlich zum Ego-Trip geraten ist.
Bereits der Opener „Final Call“ wird dem Charakter des Albums ganz gut gerecht: Piano-basiertes Songwriting und akzentuiertes Schlagwerk bilden das Fundament für PLATZGUMERS in unterschiedlichen Nuancen verfremdeten Gesang. Dieses Rezept funktioniert mal überzeugend – im majestätischen „The Gate“ zum Beispiel – oder aber strapaziert, bei wegfallendem Schlagzeug, dafür mit Flüsterstimme, den Hörnerv gewaltig („Free“).
Ausgereift wirkt „Sandy Beaches“, durchgestylt, mit Chorgesang und singendem Bass. Das ist Indie-Pop at ist best – hätte ein Major-Label die Hände im Spiel gehabt, wäre hier mit Sicherheit die Rede von einem Song mit Hit-Potential. So aber werden die beschwörenden Zeilen „I prayed for magic, it’s definitely here“ an CONVERTIBLES Sandstränden aller Voraussicht nach ungehört von den Wellen davongetragen.
FAZIT: HANS PLATZGUMER gibt keine Konzerte mehr, er mag nicht mehr auf der Bühne stehen. So wird den Songs von „Holst Gate“ – falls nicht der eine oder andere gecovert wird oder anderweitig Verwendung findet – wohl kaum ein langes Leben beschieden sein. (Dieter Sigrist, 7/15)

Schall Magazin 14/2018

Keine Platten mehr. Keine Konzerte. Und somit auch keine Musik. Soweit der Stand 2016, Hans Platzgumer-Bestseller “Am Rand” erschien, der den Innsbrucker einmal mehr als ernstzunehmenden Schriftsteller darstellte. Nun wird unser Hans Platzgumer, den es schon 1987 ganz freiwillig ins amerikanische Exil verschlug, wo er mit seiner HP Zinker erst einmal für Furore sorgte, also doch wieder rückfällig. Weil er wieder Musik macht und mit “Holst Gate” nun gar ein neues Convertible-Album, das sechste, an den Start bringt. “Getting round for a brand new day, getting round for a brand new day…”. Große Momente, wie hier in “Better Day”, gibt es derweil zuhauf. Und das nicht nur in lyrischen Ergüssen, die er wieder mit Hannah MacKenna in Szene setzte. “Better Day”, “Sandy Beaches”, “Free” – Convertible ist wieder gut für positive Momente, die sich in pathetische Finalen hineinsteigern, welche gerne als beatleresk charakterisiert werden dürfen und die ihren Höhepunkt im schwelgerischen Kleinod “You Is Me” finden. Bleibt abzuwarten, wie es sich mit dem Sachverhalt der Konzertabstinenz verhält. (Carsten Agthe)

Cute & Dangerous To Go 12/2018

Was macht man mit einem Album, was eigentlich einem Genie entsprungen ist, aber nicht wirklich den Geist des Genies freilässt? Aber macht es nicht gerade ein Genie aus, wenn nichts mehr so ist wie es sein sollte, zu sein scheint und doch alles in sich selbst eigenständig und für sich allein stehend wirkt? Hans Platzgumer, richtig kenne wir von den genialen Taten des H.P. ZINKER, hat hier alles zusammen gestrickt was in seinem Genie Platz hatte. Natürlich reicht eine CD, ein Album, nicht aus um dem Genie Raum zu geben, aber vielleicht sehen wir es als Intro für weitere Geniestreiche. (7)

that new music blog

Review zu „Holst gate“ von Convertible | Das Debütalbum von Convertible ist nicht nur wegen seines Coverbildes und der musikalisch dahintersteckenden Person spannend. Auch die Stücke und der Sound von „Holst gate“ können sich sehen lassen.
Pack ein schönes, altes Auto auf das Cover und das Album wird super! Herr Statistik-Prof, bitte einmal kurz weggehört. Ja, okay, vielleicht haben wir es hier mit keiner Signifikanz zu tun, aber es ist nun mal Fakt, dass in den 2010er-Jahren gleich zwei Platten mit schicker Karre auf dem Artwortk absolute Dauerbrenner waren. Man denke da nur an die herrliche Herbststimmung vom Arcade-Fire-Drittling „The suburbs“ und die krachige Hit-Maschine „El camino“ der Black Keys. In ein gutes Umfeld reiht sich diesen November das Debütalbum von Convertible, welches auf den Namen „Holst gate“ hört und ein fesches Muscle-Car in der Convertible ergo Cabrio-Variante abbildet. Aber genug der Kunst, auf zum Inhalt. Hier kann die Platte zwar nicht mit den beiden genannten Meisterwerken mithalten, bietet aber trotzdem mal mindestens angenehme Unterhaltung. Dass sich hinter Convertible nur eine einzige Person versteckt, die gleichzeitig auch noch ein Österreicher in den letzten Zügen der Vierziger ist, verrät dabei nur der beiliegende Promo-Text. Der ehemalige Musiker und nun Autor Hans Platzgumer versteckt sich für die acht vorliegenden Songs außerdem noch hinter einer eigens für dieses Projekt kreierten, norwegischen Kunstfigur. Weder skandinavisch noch österreichisch klingt hingegen „Holst gate“. Von der ersten Sekunde an erinnert die Scheibe an das zweite Werk der Last Shadow Puppets, welches derartig schön britische und amerikanische Musik verschmelzen ließ. Auch an vielen anderen Momenten erinnert Convertible an Miles Kane und Alex Turner. Einer mysteriös voranziehenden Zuckerstück wie „Final call“ fehlen eigentlich nur die Streicher-Arrangements von Owen Pallett. Diese werden jedoch immer wieder von tollen Bläsern ersetzt, die zum Beispiel „Better day“ ein starkes Ende verleihen. Noch schöner ist nur das folgende „Shadow scene“, welches knisternd von einem dezenten Piano getrieben wird. Da darf man schon mal zum wiederholten Male zum Auto-Cover greifen – auch als Fahrrad-Verfechter. Und etwas von statistischer Signifikanz daherbrubbeln.
Vergesst schnell alles, was ihr über SPSS gelernt habt und stürzt euch ins Vergnügen.

Waste Of Mind

Hinter Convertible steht der nicht mehr ganz junge Hans Platzgumer, „Holst Gate“ ist das sechste Album der Band – aber eines mit einer netten Storyline. Eigentlich hatte Platzgumer nämlich entschieden, keine Konzerte mehr zu spielen, vielleicht auch keine Alben aufzunehmen, da tauchte plötzlich eine Kunstfigur, ein Norweger, ein junger Musiker namens Colin Holst vor seinem inneren Auge auf.
Der soll in einem Kaff namens Kongsberg, in der dortigen Holst Gate ein Studio betreiben und typische klare nordische Songs schreiben. Und wie hören die sich an? Unspektakulär, aber über weite Strecken durchaus schön. Irgendwo zwischen Pop und Rock, Schwermut und dem Wunsch ehrwürdig, aber auch dynamisch zu klingen entstehen ein paar Kleinode wie etwa „The Gate“. Entspannt, aber nicht gleichgültig. (Tito)

der-hoerspiegel.de

Der Österreicher Hans Platzgumer ist ein Multitalent. Nicht nur ist er seit Jahren erfolgreich in der Musikszene, auch als Autor hat er sich einen Namen gemacht, wurde sogar für den deutschen Buchpreis nominiert. Nun hat er mit seiner Band Convertible sein siebtes Album herausgebracht. Mit sehr vielen Molltönen, irgendwie schräg und so gar nicht Mainstream. Relativ ruhig, und das Lied „Free“ ist gar komplett im Flüsterton. So bunt wie das Cover ist, so disharmonisch ist die Musik. Acht Songs mit einer eher düsteren Grundstimmung und einer Laufzeit von 37 Minuten. (Christine Rubel)

toughmagazine.de

Acht Songs in 37 Minuten Spielzeit präsentieren uns Convertible auf „Holst Gate“.
Hans Platzgumer, der Kopf der Band Convertible hat nun bereits ca. 2000 Konzerte gespielt und ist seit 1987 aktiv.
Auf seinem neuen Album präsentiert er uns Songs, die sich im Bereich des Rock und Pop ansiedeln und dort durchaus einen vernünftigen Eindruck, und ja, den ein oder anderen Ohrwurm, hinterlassen.
Schon der Einstieg „Final Call“ mit gutem Gesang und schönen Pianopassagen lässt den Hörer sich entspannt zurücklehnen und genießen, was jetzt auf einen zukommt.
Und tatsächlich entfalten sich weitere Highlight, wie „The Gate“ mit einem sehr spannenden Aufbau und einer guten Songstruktur.
Mega entspannt aber auch interessant ist das Stück „Shadow Scene“. Die Instrumente sind gut gespielt. Doch die Stimme ist hier an der ein oder anderen Stelle doch ein wenig zu unnatürlich langgezogen.
Es gibt aber auch andere Sachen, die mich ein wenig stören.
Die Songs sind zwar im Einzelnen gut aber auf die komplette Distanz von 37 Minuten Spielzeit am Schluss doch ein wenig zu langatmig.
Am Anfang habe ich mich gewundert, dass das Album nur acht Songs hat. Aber dies ist hier auch genau richtig. Zwei weitere Songs wären zu viel gewesen.
Im Großen und Ganzen aber ein gelungenes Werk, das sicher Fans zufriedenstellen wird.
Hörer von ruhiger Popmusik dürfen dies gerne mal antesten. (Review von Thorsten, 2,7/5)

Haubentaucher

Einer, der in den vergangenen drei Jahrzehnten viel mehr zur österreichischen Musik beigetragen hat, als der durchschnittliche Formatradiohörer je verstehen wird, ist wieder da. Hans Platzgumer. Einst ein junger Wilder aus dem noch wilderen Tirol, der das Forum Stadtpark rockte (damals durfte man das noch sagen). Wenig später schon international bestens vernetzter Leader von HP Zinker, der sich mit einem Haufen der steilsten Musiker dieses Planeten die Bühne teilen durfte.
Platzgumer, dem es irgendwie in der Zwischenzeit schon ziemlich reichte mit dem Musikerleben und der als Schriftsteller reüssierte, zog sich dann aber doch nicht in den Vorruhestand zurück. Ganz im Gegenteil: Sein Alter Ego Colin Holst hat mit seiner Band Convertible ein unglaublich solides und verflixt schönes Album am Start. Schon das Cover (unbedingt die Vinyl-Version kaufen!) verrät es: Hier gibt es keine E-Cars, sondern ein prachtvolles rotes Cabrio. Hier wird auch nichts recycelt und dennoch ist “Holst Gate” vor allem auch eine Hommage an die Indie-Rock-Geschichte. Wenn man mag, kann man Anklänge an skandinavische Bands, an Iggy Pop, an 100 andere heraushören. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen, ein Glas Whisky in der Hand und: Hemmungslos Genießen. Geniale Platte, Mr. Platzgumer.

www.heavy-metal.de

Chamäleon am Werk
Von Traumtänzern. Dreiergespannen und norwegischer Märchenstunde
Nun gebe ich zu, eine weitere Musikwissenslücke in mir zu entdecken. Hans wer? Hans Platzgumer. Na klar. Kenn ich nicht. Und warum nicht? Weil ich noch nicht drauf gestoßen bin; zumindest nicht bewusst. Im Grunde ist des Norden´s Hans kein unbescholtenes Blatt. Seit rund 30 Jahren musikziert er mit den verschiedensten Bands/Solisten und möglicherweise gibt es doch ein Projekt, das ich kenne? Gerade lese ich, dass er jahrelang Mitglied bei den Punkrockern „Goldene Zitronen“ war. Da glüht das Lämpchen natürlich sofort.
Seit Jahren produziert er Filmmusik und Hörspiele, und seine Musik ist meist elektronisch und sehr verspielt. Außerdem ist Hans Autor diverser Bücher. Man sieht, er hat keine Langeweile.
Unten angehängt sind ein paar Websites, die etwas mehr über Hans verraten…
Nun ist die aktuelle Scheibe nicht das, was ich jetzt einen fetten Metalbatzen nenne, aber sie ist durchaus in seicht rockigen Gefilden angesiedelt. Die, z.T. mit Piano untermalten Stücke, sind in jeder Hinsicht angenehm zu hören. Ich verspüre Entspannung und ein wohliges, aber kühles, Wonnegefühl. Hauptwriter ist Hans, der hier aber zusammen mit Hannah und Chris, als gemeinsames Projekt, dieses wundersame Werk zur Vollendung brachte. Jedes Stück ist anders, einzigartig, unberechenbar in seiner Art und absolut in keinem Genre zu Hause. Man muß sich aber darauf einlassen. Nebenbei hören funktioniert nicht. Hinsetzen, Füße hoch, vorher Schelle abstellen und Telehörer zur Seite legen, Augen zu und einfach genießen.
Die Scheibe ist nicht für jeden Tag, dafür aber für sehr besondere Momente.
Horch doch mal… (Sista S.)

mix1.de

Convertible veröffentlichen am 16. November 2018 das Album “Holst Gate”. Es ist Convertibles sechstes Album. Die Texte sind wie immer gemeinsam mit Hannah MacKenna entstanden. Diese Band agiert über räumliche Grenzen hinweg in Wien und Boston und in L.A. Im Kopf aber hat sie diesmal die endlosen Weiten Norwegens bereist. Es war ein ungewöhnlicher, bunter, eindrücklicher Trip. „It was the perfect sort of night“, heißt es in der ersten Textzeile. Der Rest ist ein Triumph. (5/8)

Musik Global

Der Österreicher Hans Platzgummer ist aus den USA zurück. Er schlüpfte in die Kunstfigur Colin Holst, der in Norwegen an der Holst Gate ein Studio hat. Als dieser Colin Holst sitz er am Klavier und singt. Mit dabei sind Musiker aus Los Angeles und Boston und produziert wurde die ganze Sache über das Internet. Die Musik soll vom Norden inspiriert sein, was nicht unbedingt zu hören ist. Irgendwie fehlt bei dieser Musik die Würze, sie ist gut, die Stimme besticht, aber ich werde nicht warm damit. Dieses Album muss man nicht gehört haben. Fredi Hallauer

Interview The Gap

Family, Friends ’n’ Fools – Hans Platzgumer im Interview
(Thomas Weber)

Wieder einmal hat Hans Platzgumer eine Schnapsidee konsequent weiterverfolgt und mit seiner Band Convertible ein stilistisch unerwartetes Pop-Kleinod geschaffen. Der Musiker, der mittlerweile von Theatermusik und seiner erfolgreichen Schriftstellerei lebt, über seine verschrobene norwegische Kunstfigur Colin Holst, den Schmäh von Phil Spector und die Mühsal, als Band, die keine Konzerte mehr spielt, ein Publikum zu erreichen.


Wie geht es Colin Holst?

Gut, glaub ich, sehr gut. Der macht halt in Norwegen in Kongsberg sein Zeug. Er ist ein leicht autistischer, zurückgezogener Typ und macht unbeirrt sein Ding im Studio. So weit ich ihn kenne halt. Aber ich hab ja keinen Roman über Colin geschrieben, auch wenn ich kurzfristig überlegt hatte, das als literarische Geschichte auszuarbeiten. So aber bleibt es bei einer vagen Vorstellung von diesem Typen, der in Kongsberg abseits des restlichen Treibens in seinem Holst Gate Studio Musik macht. Er ist eine konstante Figur, die mich sehr inspiriert hat. Es kann sein, dass ich ihn nach diesem Album in seinem Studio in Holst Gate zurücklasse, vielleicht suche ich ihn aber auch noch mal auf.
Diese Kunstfigur Colin Holst hat sich für mich irgendwie derart verkörpert, dass sich das Album wie von selbst gemacht hat. Ganz so, als hätte das nicht ich, sondern wirklich eine Figur in Norwegen gemacht. Ich hab dazu auch eine große Distanz. Natürlich bin ich jetzt kein totaler Psychopath, der damit gar nichts zu tun hat. Aber es ist alles ein bisschen anders als bei früheren Alben. Und es tat mir gut, dass ich als er andere Sachen machen kann: Bläserarrangements und lange, hypnotische, repetitive Teile. So was hab ich mit Convertible davor ja noch nie gemacht. Auch die Produktionsweise war ein eigener Stil, auf den ich als Hans Platzgumer nie gekommen wäre. Vielleicht hat Colin Holst aber auch auf mich gewartet und ist einer dieser Typen wie ich ein paar im Freundeskreis habe, die ständig im Homestudio herumtüfteln, immer an Entwürfen werken, die aber nie etwas fertigmachen. Vielleicht bin ich als Besucher also auch der Typ, den er gebraucht hat.


Und wieso Norwegen?

Keine Ahnung, das hat sich irgendwie ergeben und war nicht geplant. Chris Laine, mein Bassist, ist Amerikaner und hat ein Haus und ein Studio, das ganz abgelegen in Vorarlberg in der Nähe von Dornbirn liegt, in Bildstein. Dort jammen wir oft, reden und dort ist die ganze Holst-Gate-Sache wie aus einer Schnapsidee heraus entstanden. Ich dachte anfangs eher an College-Sounds einer Kleinstadt in Ohio, wir fanden das aber nicht inspirierend. Chris meinte dann, das wäre eindeutig ein europäischer Sound. Und Gate meint ja nicht das Tor, sondern Gate heißt auf Norwegisch Straße.


Ich muss gestehen, dass ich beim Hören von »Holst Gate« dauernd darauf warte, dass Paul McCartney ins Duett einstimmt.

(lacht) Da müsste man Paul fragen, ob er noch einmal Lust hat. Ich bin ja ein großer John-Lennon-Fan, insofern stimmt das: Dann wäre ich ja Lennon und er Paul McCartney. Und es geht auf dem Album viel um Songwriting, darum Sachen auf den Punkt zu bringen. Da kommt man an den Beatles und an John Lennon eh nicht vorbei. Insofern trifft es das. Meine Referenz waren aber eher die Produktionen von Phil Spector. Als das erste Lied, »Final Call«, noch ganz roh war, gab es gute Akkorde, gute Melodien, es war aber noch ein bissl beliebig – da meinte Chris, ich solle ein paar Moll-Akkorde gegen Dur-Akkorde austauschen und den Beat wie ein Metronom und das Tempo stur, unpathetisch und hart durchlaufen lassen. So hat Phil Spector »Mother« von John Lennon in den 70ern produziert.
Davon lebt auch unser Album jetzt: Klavier-Songwriting mit einem effizienten, klaren Schlagzeug und dazu kommen nordische Aspekte und Bläser, die Weite evozieren. Es ist sehr fett geworden. E-Gitarren waren gar nicht geplant, damit hatte ich eigentlich schon abgeschlossen, das hat sich dann aber als zusätzliche Schicht und als Wall of Sound fast von selbst hinzugefügt. Auch für Hannah MacKenna, mit der ich fast alle Texte gemeinsam geschrieben habe, hat sich das in Boston sitzend gut ergeben. Sie ist zwar Amerikanerin, hat aber schwedische Vorfahren und kommt familiär aus dem skandinavischen Raum. Die Idee hat sie sofort kapiert und mitgetragen, von den ersten Akkordfolgen und Skizzen an.


Hat dein Erfolg als Autor und das Bücherschreiben dein Songwriting eigentlich verändert?

Das sind komplett andere Welten. Bücher kann ich nur auf Deutsch schreiben, sicher nicht auf Englisch. Das ist wieder eine andere Person in mir. Textlich habe ich zu großen Teilen mit Hannah geschrieben, manche Songs sind ja textlich auch nur von ihr. Nein, Songwriting hat mit dem Bücherschreiben gar nichts zu tun. Songwriting ginge, wenn, dann eher in Richtung Gedichte und Lyrik, aber das kann ich sowieso überhaupt nicht. Das wäre ein komplett anderer Ansatz. Nichtsdestotrotz waren uns die Texte schon wichtig. Wir finden sie auch sehr gut, deshalb haben wir sie auch im Booklet abgedruckt – weil wir wollten, dass Leute sie verstehen. Es war ein sehr genauer Prozess, bei dem wir auf jedes Wort geachtet haben.


Nichtsdestotrotz scheint es, als hätte die Band Convertible deutlich an Bedeutung für dich verloren.

Das stimmt, ja. Ich spiele keine Konzerte mehr. Nach fast 2.000 Konzerten in meinem Leben mag ich mich nicht mehr auf die Bühne stellen. Eigentlich war es gar nicht geplant, das Album als Convertible zu veröffentlichen. Wir wollten das als vermeintliche Norweger unter Pseudonym rausbringen, was uns dann aber als schwer umsetzbar schien, und wir entschieden, das besser Ziggy-Stardust-mäßig zu machen. Da war auch allen klar, dass es sich um eine Kunstfigur und um David Bowie handelt. Sonst könnten wir uns jetzt nicht unterhalten und irgendein norwegischer Freund müsste jetzt gefakte Telefoninterviews geben. Wir haben sowas in den Nullerjahren unter dem Namen Queen Of Japan ja schon einmal durchgezogen. Das war damals sogar ein Welthit, den Coca-Cola für einen Werbespot wollte. Damals war uns aber rasch zu anstrengend, den Gag weiter durchzuziehen. Da hab ich gemerkt, dass so ein Spaß schnell nur mehr Arbeit bedeutet. Das wollte ich diesmal vermeiden und mich auch nicht hinter der Musik verstecken. Wir haben Colin Holst als Inspirationsquelle genutzt, wir wollten ihn nicht als Klotz am Bein empfinden.


Viele Alben werden mittlerweile nur veröffentlicht, um einen neuen Anlass für Konzerte und eine Tournee zu haben oder um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Wie seid ihr präsent, wenn ihr keine Konzerte mehr spielt?

Das ist tatsächlich schwer und ich habe das Label auch vorgewarnt. Weil ohne Konzerte ja kaum mehr etwas verdienbar ist. Aber was soll’s, das ist halt nun mal so. Das muss man in Kauf nehmen. Es ist deshalb schwieriger, das bekannt zu machen, und unmöglich, damit Geld zu verdienen. Es muss aber trotzdem gemacht werden.


Wie findet ihr dann euer Publikum?

Ich hoffe, dass das alles selbst seinen Weg geht, dass das Label was erreichen kann und setze darauf, dass es eindrückliche Songs sind, die sich letztlich durchsetzen. Vielleicht nicht ganz schnell, aber halt im Lauf der Zeit. Vielleicht passiert irgendwas Unvorhersehbares. Vielleicht kommt einer der Songs mal in einem Film vor. Mir würde auch taugen, wenn jemand Bekannter, der viele Konzerte gibt, einen unserer Songs covert. Es sei hiermit freigegeben. (lacht)


Spielt Radio noch eine Rolle? Werdet ihr gespielt?

Auf FM4 wahrscheinlich schon und von College-Radios. Von den großen Formatradios sicher nicht. Es ist alles nicht mehr so leicht wie früher. Weil wir vorhin von den Beatles gesprochen haben: Auch deren Produktionen, »Strawberry Fields« etwa, das ist ja schmutzig produziert und hätte in seiner Lässigkeit heute wahrscheinlich keine Chance mehr ins reichweitenstarke Radio zu kommen. Damals war das aber überall. Aber du hast schon Recht, die Verbreitung ist sehr schwierig geworden. Was wahrscheinlich hilft ist ein super Video zum Song »Final Call«, gemacht von Chris, unserem Bassisten, der im wirklichen Leben ja Kameramann in Hollywood ist. Es wird auch noch zwei, drei weitere Videos geben, aber es ist halt alles verzögert, weil es keine Budgets gibt und alles in der Freizeit passiert. Ich vertraue einfach auf die Stärke der acht Songs.


»Holst Gate« von Convertible ist heute bei Noise Appeal Records erschienen, Hans Platzgumers aktueller Roman »Drei Sekunden Jetzt« im Zsolnay Verlag.

musicaustria.at

„ICH HABE DIE LITERARISCHE ERFAHRUNG MITGENOMMEN IN DIE WELT DER MUSIK UND DORT ALS EINE MEINER EIGENEN FIGUREN MUSIK GEMACHT“ – HANS PLATZGUMER IM MICA-INTERVIEW

Mit „Holst Gate“ (Noise Appeal Records) seiner Band CONVERTIBLE bereichert der umtriebige Musiker und Autor HANS PLATZGUMER seine Jahrzehnte umspannende Diskografie um ein höchst gelungenes weiteres Werk. Im Kern Popmusik balancieren Gitarrist und Sänger PLATZGUMER, Bassist CHRIS LAINE und Kollaborateurin HANNAH MCKENNA stimmungsmäßig zwischen Erhabenheit, Leichtfüßigkeit und Melancholie. Im Gespräch mit Sebastian J. Götzendorfer zog HANS PLATZGUMER ein Resümee über sein künstlerisches Schaffen, sprach über Interdisziplinarität und Alter Egos und darüber, warum „Holst Gate“ einen besonderen Platz in seinem Katalog einnimmt.

Was für einen Stellenwert hat „Holst Gate“ nach über 30 Jahren an musikalischen Veröffentlichungen für Sie?

Hans Platzgumer: Es hat einen hohen Stellenwert für mich. Es fühlt sich für mich wie das Album an, das ich immer machen wollte. Bei den vielen Alben, die ich in den letzten Jahrzehnten rausgebracht habe, sind bessere und schlechtere dabei, Höhepunkte und Tiefpunkte … Nun ist eine Art Krönung erreicht für mich.

Also „Holst Gate“ als Magnum Opus des bisherigen Schaffens?

Hans Platzgumer: Nein, das hört sich zu bombastisch an, aber ich finde, die Dinge sind diesmal gut auf den Punkt gebracht worden. Mir geht es immer darum, in der Musik gewisse Risiken einzugehen und gewisse Dinge auszuprobieren. Man verlässt die sicheren Gewässer und läuft Gefahr, sich zu weit hinauszulehnen. In diesem Fall hat sich alles gut gefügt. Ich habe ja die Kunstfigur eines Norwegers namens Colin Holst erschaffen, der das Album gemacht hat. Das hat mir die Arbeit erleichtert.

Dieses Alter Ego, war das ein kreatives Ventil? Hat es Sie befähigt anders ans Musizieren ranzugehen, als sonst möglich gewesen wäre?

Hans Platzgumer: Total. Das hat mir viele Freiheiten gegeben. Dieser Colin Holst hat Kanäle freigesetzt, an die ich mich sonst vielleicht nicht herangewagt hätte. Zum Beispiel die Bläser-Arrangements oder die E-Gitarren-Wände, von denen ich nicht dachte, dass sie mich jemals wieder reizen würden. Auch beim Gesangsstil habe ich viel ausprobiert. Das war alles dieser seltsame Colin Holst, der in mich geschlüpft ist und mir das erlaubt hat.

Offensichtlich sind Sie ja nicht schizophren, wie ist diese andere Persönlichkeit also entstanden?

Hans Platzgumer: Es ist eigentlich daraus entstanden, dass ich prinzipiell kein Album und keine Musik mehr machen wollte. Dann hat sich aber trotzdem Musik in mir entwickelt, weil ich nach wie vor jeden Tag musiziere. Ich spiele jeden Abend eine Stunde Klavier, bevor ich ins Bett gehe, um runterzukommen. Eigentlich wollte ich das alles nicht mehr veröffentlichen. Aber plötzlich waren doch einige wirklich gute Akkorde dabei. Also kamen wir zu einer Situation als Band – auch in Absprache mit meinem Bassisten Chris Laine –, dass wir neue Stücke hatten, aber eigentlich keine neuen Stücke machen wollten. Deswegen wollten wir das inkognito als jemand völlig anderer rausbringen. So ähnlich wie bei Queen of Japan früher, wo wir uns auch jahrelang hinter Pseudonymen versteckt hatten. Da hatten wir japanische Namen und japanische Freunde von uns gaben dann die Interviews an unserer Stelle. Das war ein Riesenspaß inklusive eines oder zwei richtigen Welthits. Die Maskerade aufrechtzuerhalten war dann aber irgendwann auch mühsam. So war es jetzt eben auch: Der Spaß daran war sehr inspirierend, aber ich kann schon noch einschätzen, was passiert ist. Ich bin nicht ganz schizophren. Noch nicht.

Wenn man weiß, dass Sie auch Schriftsteller sind, verwundert einen so eine Figur vielleicht weniger. Wie halten Sie es mit der Interdisziplinarität in Ihrem Gesamtwerk? Gäbe es etwa diesen Colin Holst, wenn Sie nicht in der Zwischenzeit auch zum Schriftsteller geworden wären?

Hans Platzgumer: Nein, das glaube ich nicht. Wenn ich immer nur Musiker geblieben wäre, wäre das Album nie so entstanden. Denn natürlich ist es eine literarische Figur. Ich kann mir diesen Colin Holst sehr plastisch vorstellen. Es gab sogar die Überlegung in die Innenhülle des Albums seine Geschichte zu schreiben. Ein langes Interview mit Colin Holst habe ich auch mal verfasst. Ich habe also meine literarische Erfahrung mitgenommen in die Welt der Musik und dort als eine meiner eigenen Figuren Musik gemacht.

Bei Ihren letzten beiden Romanen war ein Leitmotiv der Existentialismus. Ist das zum Beispiel ein Thema, welches Sie auch in der Musik aufgreifen? Also gibt es Narrativen, Themen etc., die Sie in beiden Kunstformen bearbeiten?

Hans Platzgumer: Na ja, Texte für Songs zu schreiben ist etwas komplett anderes, als einen Roman zu schreiben. Noch dazu handelt es sich bei mir dann um zwei unterschiedliche Sprachen. Bei der Musik denke ich immer nur in Englisch, weil ich das so angefangen habe. Und bei Convertible schreibe ich ja alle Texte zusammen mit Hannah McKenna, die in Boston lebt und Amerikanerin ist. Alle Texte werden immer auf irgendeine Art und Weise mit ihr abgesprochen, es ist also prinzipiell etwas ganz anderes, als wenn ich allein einen Roman schreibe. Andersrum könnte ich nie einen Roman in einer anderen Sprache als meiner Muttersprache verfassen. Das sind total andere Welten.

Inhaltlich und stimmungsmäßig, also eher bezüglich der Atmosphäre, ist es aber durchaus ähnlich. Wenn man einen meiner letzten Romane liest und das neue Album hört, dann passt das gut zusammen. Es könnte sogar der Soundtrack dazu sein.

Apropos Atmosphäre: „Holst Gate“ deckt vom Sound her eine breite Palette ab – von Erhabenheit über Melancholie bis hin zu Lockerheit. Letzten Endes ist es aber ein Pop-Album. Zuvor haben Sie schon alles andere von Gitarren-Rock über Elektro bis hin zu Punk veröffentlicht. Haben Sie einen Herzensstil?

Hans Platzgumer: Nein, das kann man so nicht sagen. Wenn man etwa meine Playlists durchgehen würde, fände man alles von Bossa nova über IDM bis hin zu Heavy Metal und Klassik. Ich habe keinen Stil, den ich einem anderen gegenüber grundsätzlich bevorzugen würde.

Also sind Ihre Veröffentlichungen eher Momentaufnahmen der jeweils aktuellen musikalischen Gedanken?

Hans Platzgumer: „Momentaufnahmen“ greift vielleicht ein bisschen zu kurz, denn es sind schon eher jahrelange Prozesse – auch über verschiedene Alben hinweg. Das aktuelle Album ist kein Zufall, sondern eine Weiterentwicklung und Vermischung von Elementen, die vorher schon einmal da waren. Vielleicht kann man das Ganze eher vergleichen mit einem Meer. Jede Welle bringt verschiedene Einflüsse, doch alle schwimmen irgendwie ineinander. Es gibt Phasen von ein paar Jahren, in denen ich zum Beispiel mehr in klassischen Richtungen wie Kammermusik unterwegs war. Dann wieder mehr elektronisch. Dieses Mal ist alles auf Klavier basierte Pop-/Rockmusik. Aber die nächste Welle könnte genauso gut wieder mehr Elektronik reinbringen. Es ist ein fließender Prozess.

Für „Holst Gate“ wird es ja keine Livekonzerte geben, oder?

Hans Platzgumer: Nein, ich werde nicht mehr live spielen. Das ist eine konzeptuelle Entscheidung.

Für die Romane allerdings gibt es nach wie vor Lesungen. Sind Sie also nach wie vor gern auf der Bühne?

Hans Platzgumer: Ja, für Lesungen bin ich gerne sitzend auf der Bühne. Aber Konzerte zu spielen interessiert mich nicht mehr, davon habe ich etwa zweitausend auf der ganzen Welt gegeben. 2019 werde ich fünfzig. Mich interessieren Rockkonzerte nicht mehr. Es fühlt sich nicht richtig an. Vor circa sieben oder acht Jahren habe ich ein Konzert in Prag gespielt mit meinen damaligen, viel jüngeren Mitmusikern bei Convertible. Und ich habe irgendwie gemerkt, dass es eher ihre Bühne ist als meine – und das obwohl ich Sänger und Gitarrist war. Ich habe mich zusehends aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Das hat sich dann über Jahre immer weiterentwickelt. Irgendwann hatte ich regelrecht keine Lust mehr auf neue Konzerte.

Eine Frage zum anderem Pol der Karriere: Zu Beginn mit H. P. Zinker war das Verhältnis zu Auftritten vermutlich noch anders.

Hans Platzgumer: Ja, natürlich. Da wollten wir jeden Tag spielen! Wir haben allein fünfundzwanzigmal im CBGB in New York gespielt.

Die erste EP von H. P. Zinker hat damals auch das mittlerweile weltberühmte Label „Matador Records“ ins Leben gerufen. Wie fühlt es sich im Rückblick – kurz vor dem 50. Geburtstag – an, in der Welt so einen Fußabdruck hinterlassen zu haben?

Hans Platzgumer: Ich bin ein schlechter Nostalgiker. Manche Dinge, die man macht, sind wichtiger, andere hingegen weniger rühmlich. Wir haben so gesehen in der Independent- und Alternative-Szene zwei große Fußabdrücke hinterlassen: „Matador Records“ und auch „Thrill Jockey“ wurden nur für H. P. Zinker gegründet. Wir waren also manchmal mit dabei, wenn ein wenig Geschichte geschrieben wurde – aber ich kann mir davon auch nichts kaufen [lacht].

Die ersten Convertible-Alben wurden noch auf Major Labels wie „Universal Records“ veröffentlicht. „Holst Gate“ hat, wie schon angesprochen, ziemlichen Pop-Appeal, erscheint aber auf dem Indie-Label „Noise Appeal Records“. Ist das von ersten Veröffentlichungen auf „Matador Records“ zum vermutlich letzten Album bei „Noise Appeal Records“ gewissermaßen ein Zirkelschluss für Sie?

Hans Platzgumer: Das macht total Sinn. Das gehört aber vielleicht trotzdem eher zu jenen Geschichten, die das Leben von selbst schreibt. Wenn man eine jahrzehntelange Musikerkarriere durchlebt, passiert vieles – saudumme wie saugute Sachen. Man muss es nehmen, wie es kommt. Und dann muss man mit dem jeweiligen Moment das Richtige anfangen. Und jetzt mit dem Album und dem Label fühlt es sich genau richtig an. Was ich über die Zeit festgestellt habe, ist, dass ich viel lieber in kleinen Strukturen und mit Menschen arbeite, die leidenschaftlich und aus ideologischen Gründen bei der Sache sind. Ich mache lieber was mit kleinen Labels mit Herzblut als bei Major Labels, wo die Dinge business as usual sind.

Als abschließende Frage nach dem Zirkelschluss und weil „Holst Gate“ anscheinend das Album ist, welches Sie immer schreiben wollten: Was ist jetzt Ihre Erwartungshaltung nach dieser Veröffentlichung? Also außer der Selbstverwirklichung.

Hans Platzgumer: Ich habe schon lange aufgehört, mich mit Erwartungshaltungen verrückt zu machen. Man kann sich nie ausrechnen, was passiert. Heute ist es noch schwieriger als früher, mit Musik Geld zu machen, aber eine Sache hat sich nicht geändert. Es macht nur Sinn, überhaupt etwas zu machen, wenn man selbst künstlerisch davon überzeugt ist. Der Rest ist Zubrot – toll, wenn ein Song ein Hit wird, aber darum geht es nicht. Wenn ich nun aber positives Feedback bekomme, freue ich mich schon. Manchmal bekommen die Sachen, die es sich subjektiv verdient hätten, keine Anerkennung und andere, die es sich weniger verdient haben, gehen durch die Decke. Queen of Japan etwa war eigentlich ein Witzprojekt – das ist an einem Nachmittag entstanden – und führte zu Welthits. Andere Platten, an denen ich jahrelang gearbeitet habe, hat vergleichsweise niemand mitbekommen. Im Endeffekt bleibt ein Gesamtwerk von einem übrig. Das will dann vielleicht mal irgendjemand durchforschen. Viel Spaß damit!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

City Guide Rhein Neckar November 2018

Jetzt ist Hans bald 50 und inzwischen als Schriftsteller erfolgreich, sein letzter Roman wurde ein Bestseller. Es ist genug, sagt er: keine Gigs mehr. Vielleicht auch keine Alben. Eine Erleichterung überkommt ihn. Und in diese Erleichterung hinein schiebt sich eine Kunstfigur, ein Norweger, ein junger Musiker namens Colin Holst.