SCARABEUSDREAM – CRESCENDO / NOISE72, LP NOISE73, CD

SCARABEUSDREAM – CRESCENDO / NOISE72, LP NOISE73, CD

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noise72, LP
noise73, CD

STATUS
available

RUNNINGTIME
50 min. 30 sec.

TRACKLIST LP
A1 Origin
A2 Euphoria pt.I
A3 Euphoria pt.II
A4 But Me
A5 Royer Part
B1 Geee!
B2 Crashing Cars
B3 Valley
B4 Laisser Faire
B5 Elvis

PRESSING INFORMATION
300 copies, 180g, cover with hot foil stamping, printed inlay

TRACKLIST CD
01 Origin
02 Euphoria pt.I
03 Euphoria pt.II
04 But Me
05 Royer Part
06 Geee!
07 Crashing Cars
08 Valley
09 Laisser Faire
10 Elvis

PRESSING INFORMATION
500 copies, digipak

RELEASE DATE
18.01. 2019

Freistil Magaziin #83

Als zweiköpfiges Orchester definiert sich dieser burgenländische Zweier, dessen klangliche Gewalt auf vorliegendem Album-Drittling nur auf die skelettartige Besetzung aus Klavier und Schlagzeug zurückzuführen ist. Einen Schritt weiter in Referenz auf den eigenen ästhetischen Klankosmos positioniert sich das furiose – vor allem live durch überbordende Hingabe bestechende – Duo um Hannes Moser an Stimme und Schlagzeug sowie Bernd „Schoko“ Supper an Stimme und Klavier. Die zehn ausladenden, stark arrangierten Stücke auf Crescendo erweisen sich soundtechnisch – in starker Referenz an Producer Johannes Cap – als wahre Hinhörer und lassen in einigen glänzenden Momenten mitunter sogar aufhorchen. Die kompositorischen Tentakel erstrecken sich hierbei im selbst absgesteckten Spektrum von episch-orchestraler Klassik über Weezer-Pop (Geee!) bis in die Gefilde von Post-Hardcore und (Any-)Wave. Dass für einige hartgesottene, freistilistische Hardcore-Nerds wie meine Wenigkeit der Pop-Appeal den zurgundeliegenden Noise-Appeal eine Spur zu sehr zu dominieren scheint und als Resultat eine latente Melodie-Abnutzung und eine Nunace zu viel Treibsand-Pathos zur Folge hat, gilt hier als einziger und sehr idiosynkratischer Kritikpunkt. Ob’s einem jetzt taugt oder nicht – die Typen sind jedenfalls extrem true und wenn man diese Art von musikalischer Melange auch nur ansatzweise zu schätzen weiß, erweist sich Crescendo als höchst befriedigender klanglicher Happen, der im Universum von Visions, Ox und Konsorten hoffentlich auch die Beachtung erfährt, die ihm zusteht. In unserem Äther immerhin eine adäquate musikalische Einstiegsdroge. (dr. wu)

www.cdstarts.de

„Crescendo“ ist ein Pop-Biest, das an den Wahnsinn in einem Genre glauben lässt, der sonst als Kommerz-Gift verschrien ist.
Inzwischen sind mehr als zehn Jahre vergangen, dass eine junge Dresdener Band mit dem Song „Dreamdancer“ zeigte, was der deutsche Pop zu bieten hat, wenn er dem Wahnsinn die Tore offen hält. Von da an hatte sich besagte Band mit dem Namen Polarkreis 18 stetig dem Mainstream angenähert und von den als Inspiration angegebenen Blur-Vibes blieb nicht viel. Scarabeusdream sind eine Band, die einen ähnlichen Faden aufgenommen haben und diesen auch auf ihrem dritten Album „Crescendo“ durchhalten. Statt Blur heißt das lose Vorbild vielleicht eher Muse, aber das gleiche ungestüme Chaos, das sich damals in Polarkreis 18 erahnen ließ, schwant auch hier.
Scarabeusdream singen ihre Musik zumeist nicht, sondern leiden sie. Ob wild schreiend wie in „Euphoria Pt. I“ oder flehend wie in Teil II, glauben Hörer eher Theaterschauspielern zuzuhören, die ihre Emotion bis in die letzte Saalreihe tragen wollen. Der Begleittext kündigt die Musik von Scarabeusdream teils als Posthardcore-Geschrei an, woran sich ablesen lässt, dass die Bandmitglieder Hannes Moser und Bernd Supper an ihrem eigenen Sub-Genre arbeiten. Nennen wir es der Einfachheit halber Hart-Pop und freuen uns darüber, dass wir die Kunst in diesem Begriff verstecken können.
Hart-Pop-Kritiker picken sich „But Me“ und „Crashing Cars“ als Meilensteine heraus, die die Qualität des Albums definieren müssen. Diese Last bürden sich progressiv arbeitende Künstler immer auf, da die Frage aufkommt, warum Lieder an die zehn Minuten andauern. Wenig überraschend ist „Crashing Cars“ der überzeugendere Track, weil er artig dem Albumnamen Tribut zollt. Der Song ist ein einziges Crescendo, eine Steigerung über gute acht Minuten, die stetig fester zupackt. Der Wermutstropfen ist, dass der Song keinen knackigen Schlusspunkt setzt, sondern wie ein alter Radiosong den Fade-Out nutzt.
„Crescendo“ lädt mit dem Versprechen auf Krach und Chaos ein, aber bleiben werden die meisten Hörer letztlich wahrscheinlich für die versteckte Zugänglichkeit in Form von „Geee!“ und „Valley“, die die Parallele zu Polarkreis 18 ermöglichen. In diesen Momenten bündelt das Duo seinen sonst zügellos erscheinenden Hang zum Überbordenden und konzentriert sich auf eingängigen und gleichzeitig leidenschaftlichen Pop. Die Eingängigkeit führt wie in Elvis auch zu Austauschbarem, weswegen sich geneigte Hörer in Zukunft gerne weiter ihren Weg durch den Wahnsinn eines „But Me“ bahnen. Genau dieser Mut zum Verrückten scheint die Höhepunkte auf „Crescendo“ zu ermöglichen und das Duo davon abzuhalten, sich der verführerischen Beliebigkeit des Pop hinzugeben. (Maximilian Nitzke, 7/10)

musikglobal.com

Hier spielt ein österreichisches Zweimann Orchester mit Piano und Schlagzeug plus Stimmen. Sie schreien sich durch Post Hardcore, kommen in episch-orchestrale Klassik und lassen auch mal Popmusik aufblitzen. Noise ist auch recht stark vertreten. Es ist sehr Energie geladene Musik mit vielen Emotionen. Auffallend ist die grosse Dynamik der Musik, das Schlagzeug hämmert nicht nur los, sondern verweilt durchaus auch mal länger in der zweiten Reihe. Manchmal werden beide Instrumente von der Stimme nach hinten gedrängt. Es ist sehr spezielle Musik und wahrscheinlich nicht für alle Ohren bekömmlich, aber es ist auch durchaus sehr interessante Musik für Neugierige. (Fredi Hallauer)

wasteofminde.de

Immer wieder erstaunlich, wie viel Krach zwei Menschen alleine machen können – auch das dritte Album von Scarabeusdream klingt eher nach großer Band-Besetzung als Duo. Am Ende sind es aber wieder Hannes Moser und Bernd Supper, die mit Klavier und Schlagzeug und zwei Stimmen ihre Version von Noise, Post-Hardcore und Emo zusammen zimmern.
Und dabei einerseits einen wilden Crossover-Mix hinlegen, andererseits aber nicht vor lauter Frickelei die poppige Melodie vergessen. Das führt dann mal zu verträumtem Radiohead-Geplucker, mal zu einer Piano-Songwriter-Nummer, direkt in die Indie-Disco oder aber fährt auch voll gegen die Noise-Wand. Außergewöhnlich, in jeglicher Hinsicht. (tito)

musicaustria

Explosiver Post-Hardcore aus dem Hause Noise Appeal. Der neueste Release von Scarabeusdream strotzt nur so vor synthetischer Energie und lebt dabei von starken Kontrasten und großen Gesten. Die Besetzung des Duos ist ungewohnt, denn die teils rasend getunten, teils empfindsamen Falsetto-Hardcore Vocals verbünden sich mit dramatischen Synths, präzise gesetzten Drums und tiefgründigem Klavier (!). Hannes Moser und Bernd Supper liefern mit „Crescendo“ lärmenden Wohlklang und orchestrale Arrangements.

Hifi-Stars #42

Schlagzeug, Klavier und Stimmen – was die beiden Musiker Hannes Moser und Bernd Supper da gemeinsam unter dem Logo “Scarabeusdream” veranstalten, ist schwer zu beschreiben. Zwischen schwebend-sphärischen Klängen und kontrolliert infernalischer Aggression bewegen sich die beiden Burgenländer, kreieren dabei Klangräume, die nur schwer zu beschreiben sind. Moder Noise Jazz – das kommt der Realität vielleicht noch am nächsten. Mit der Neigung zur großen Theatralik, dabei angstfrei vor klassischer Größe und der eigenen Sentimentalität, legt das Duo dem Hörer ein klanglich anspruchsvolles Kuckucksei ins Nest. Und lacht sich dabei ein ins Fäustchen. Cool, aber zeitweilig durchaus auch anstrengend. Mutige Hörer werden jedoch mit etlichen Überraschungen belohnt. Ich finde: ein durchaus sehr spannendes Gesamtkonstrukt …! (WV)

Bad Alchemy 101

We are stardust, we are golden? Wie sich Hannes Moser und Bernd Supper da in Goldstaub räkeln, könnte man sie für zwei Pillendreher halten, die das große Los gezogen haben. Mit wieder Schlagzeug (Moser), Gesang und Klavier (Supper) vergolden sie nach “Sample Your Heartbeat to Stay Alive” (2007) und dem grandiosen “Tacet Tacet Tacet” (2016) eine neue Reinkaration ihrer pharaonischen Selbsteuphorisierung in den Echokammern von Rockpathos und Wiener Laisser Faire. Supper hält zwar durch Marilies Jagsch auch Fühlung zur von Vienna Rest In Peace besungenen Stimmungsgicht im ‘Staat der Affen’. Aber statt sich austria-typisch im Oasch einzurichten, reißen sie sich an den eigenen Haaren aus dem Mumienstadium, reimplantieren sich glühende Herzen und träumen mit ‘Elvis’ als mythischem King ihres Tals der Könige den amerikanischen Traum in zweiter Ordnung. Hin und hergerissen zwischen schmachtender und screamend hysterisierter Manie in Suppers hoch gepitchter Stimme. Das transatlantische Heartcorefeeling klärt er durch das Piano ab und führt es zurück auf seine Ursprünge in der Romantik der Alten Welt. Aber er kann zu Mosers vehementer, rhythmisch vertrackter Schlagwerkerei seinen Anschlag auch artrockistisch forcieren, hämmernd und mit närrischen Tonsprüngen. Und gesanglich lässt er sich selbst von den größten Manieristen unter den Rockcroonern nicht den Schneid abkaufen, wobei ihm besser als das Raunen bei ‘Laisser Faire’ die Screams liegen, in die er sich da wieder hineinsteigert. Die Songs sind durch orgelnde und studiotechnische Orchestrierungen opulenter als es die Instrumentierung hergibt. Doch wie soll der zuletzt so dringlich angerufene ‘Elvis’ den Skarabäustraum zurückbringen, wo dort drüben gerade nur noch eigene Scheißhaufen gewälzt werden? (rdb)

Falter 6/2019

Bereits in den ersten Wochen des Jahres ist am heimischen Popmarkt eine Fülle ansprechender bis ziemlich fantastischer Produktionen erschienen. In letztere Kategorie gehört das dritte Album des Piano-Schlagzeug-Duos Scarabaeusdream, das durch seine Rastlosigkeit fordert und immer wieder faszinierende neue Räume und Gefühlswelten aufmacht. Bernd Supper und Hannes Moser musizieren mit einer immensen Wucht, aber auch Zärtlichkeit und vor allem mit zielgerichteter Intensität. Auf “Crescendo” (Noise Appeal) gibt es keine Schönheit ohne Schmerz und auch keine Liebe ohne Leiden. (SF)

Westzeit Februar 2019

Eigentlich sollte ja nur das zählen, was man hört. Und das ist auf dem zweiten Album der Österreicher Scarabeusdream mitreißend und vielfältig. Nicht viele Bands schaffen es, derart überzeugend einen Bogen von Singer-Songwriter, Pop und klassischen Anklängen bin hin zu Hardcore/Crossover mit einer Prise Emocore zu spannen. Das orchestrale Element liefert durchgehend ein Klavier! Eigentlich hört man da nur ein Klavier … Und die Story hinter dem, was man hört: Diese zehn ruhigen, schönen, krachenden, brachialen, treibenden, schwebenden, gesäuselten und geschrieenen Songs werden erzeugt von nur vier Händen, vier Füßen und zwei Kehlen! Das Duo Hannes Moser am Schlagzeug und Bernd Supper am Klavier weiß was es kann und was es tut, und zieht den Hörer mit dem Album in eine ganz eigene Welt. Live, sagt man, soll eine Explosion sein – man ist geneigt das zu glauben. Klare Empfehlung, das Album. (Ulf Kneiding – 6)

www.musikreviews.de

Nachdem zwischen dem SCARABEUSDREAM-Debüt “Sample Your Heartbeat To Stay Alive” (2007) und seinem Nachfolger “tacet tacet tacet” (2016) fast zehn Jahre vergehen mussten, kommt das verantwortliche Duo nun erheblich schneller mit seinem dritten Langspieler zu Potte, ohne dass die Qualität des Gebotenen darunter gelitten hätte, im Gegenteil …
Bernd Supper und Hannes Moser wirken auf “Crescendo” noch dringlicher, als man sie sowieso bisher kannte. Die Österreicher verfeinern ihren Brutalo-Psych-Sound weiter, werden aber trotz krasser Extreme zu keiner Zeit unhörbar, sondern dank vermehrter Melodien aus der Musikkultur des nahen Ostens sogar noch zudringlicher, obgleich ihre Musik natürlich Nischen-Stoff bleibt.
Beide Österreicher greifen abwechselnd zum Mikro und ziehen dann umso mehr Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Musik ist generell repetitiv und darum hypnotisierend angelegt, aber keineswegs unflexibel, auch und gerade in Bezug auf die vielen stlistischen Schlenker, die im Zuge des zugrunde liegenden Minimalismus gemacht werden. “Crescendo” wirkt ferner umsichtiger strukturiert als sein Vorgänger, aber ungebrochen widerborstig und unberechenbar wie ein Potpourri an Eindrücken.
Das Projekt bzw. sein Label spricht von Post-Hardcore, doch das Ganze so zu nennen wäre angesichts der weitgehend fantasielosen, stagnierenden Vertreter jener Szene viel zu kurz gegriffen. Das hämmernde ‘Origin’ und ‘But Me’, bei dem die beiden Macher gezielt mit Dissonanzen und Schönklang im Wechsel arbeiten, sind die besten Belege dafür, wie breit SCARABEUSDREAM aufgestellt sind. Die beiden ruhig brodelnden ‘Euphoria’-Teile zeigen wiederum eine andere Seite, wobei man aber am deutlichsten erkennt, dass das E-Piano das vor allen anderen Klangerzeugern tragende Instrument ist.
Der androgyne Gesang, oft halbes Geschrei, stellt das zweite Hauptmerkmal des Zweiers dar. Sehr einfühlsame Momente wie ‘Crashing Cars’ und regelrecht Lärmiges mit erstaunlichem Pop-Appeal (‘Geee!’ und ‘Valley’) erinnern im Besonderen an die frühen Sachen der Keyboard-Exzentrikerin Kristeen Young, und wie sie hätten sicherlich auch SCARABEUSDREAM David Bowie für sich eingenommen, vor allem mit theatralischen Balladen wie ‘Elvis’, einer herrlichen Schlussnote dieses beispiellosen Albums.
“Crescendo” spannt eine gewaltige Klangkulisse auf wie eine mindestens vierköpfige Band; dabei sind hier nur halb so viele Musiker (die sich im Übrigen auch visuell opulent in Szene setzen, siehe Artwork und Videoclips) am Werk … mit null Wiener Schmäh, aber definitiv einem landestypischen Hang zu Avantgardistischem.
FAZIT: Electro, Noise und Liedermacherei der ganz anderen Sorte, Pathos und Stil-Eklektizismus der angenehmen Sorte – alles auf stimmige Art in wunderbar aufgehende Songs verpackt und von einer Herzlichkeit bestimmt, die sprachlos macht. “Anspruchsvolle Musik” ist ein abgedroschener Begriff, passt jedoch abseits aller Kategorien so gut zu SCARABEUSDREAM wie zu wenigen anderen zeitgenössischen Künstlern. (Andreas Schiffmann, 12/15)

Visions #311

Im zuckenden Klangbild ihres dritten Albums lassen Scarabeusdream erneut Post-Hardcore frontal auf Pop prallen. Besser als je zuvor, ungebrochen eigen, mit großer Ambition und ebensolcher Geste.
Das bestechende Merkmal des Duos aus Schlagzeuger Hannes Moser und Pianist Bernd Supper ist seine ungestüme Leidenschaft, mit der es Pop und Hardcore fusioniert. Expression bis zum Exzess folgen Momente der Kontemplation, ätherische Steigerungen und erneut Ausbrüche entgrenzten Geschreis. Gleichzeitig steckt jeder Song, nicht zuletzt aufgrund seiner Instrumentierung aus Schlagzeug, Piano und Bas-Synthesizer, in einem expliziten Pop-Kontext. Musikalisch möchte man bei wiederkehrenden Akkordfolgen in unterschiedlichen Songs ein Konzept vermuten. Ausufernd lange Stücke wie das großartig eskalierende “Crashing Cars”, das komplexe “But Me” und das teilweise irre “Laisser Faire” atmen Prog und Wahnsinn. Auch das zweiteilige “Euphoria” bricht konventionelle Songstrukturen auf. Perfekte Hits wie “Geee!” oder “Valley” wiederum katapultieren das Album geradewegs auf die Tanzfläche der Indiedisco. Mit der Hymne “Elvis” in der Auslaufrille überschreiten sie kurzzeitig die Grenze zur absoluten Gefälligkeit, was das Album insgesamt jedoch nicht diskreditiert. Das größte Problem, wenn man es als solches bezeichnen kann, ist, dass “Crescendo” alles will: die Grandezza eines Pop-Albums, die epische Weite eines Artrock-Werks und die Härte einer Emocore-Ten-Inch. Ob diese Quadratur des Kreises tatsächlich von vielen Hörern verstanden wird, nicht nur von denen, die neben The Hirsch Effekt und Radiohead auch mal The Dresden Dolls oder Tschaikowsky hören, sei dahingestellt. (Carsten Sandkämpfer, 8/12)

www.betreutesproggen.de

Scarabæusdream ist ein Duo bestehend aus den beiden Österreichern Bernd Supper und Hannes Moser. Gemeinsam fokussieren sie sich insbesondere auf Drums und das Klavier, was dem neuesten Album aber nichts an Intensität nimmt – im Gegenteil. “Crescendo” ist extrem und nichts für schwache Nerven. Es kann auch gut sein, dass es nicht bereits beim ersten Hören mundet. Oder dass man mehrere Anläufe braucht, um sich für eine Meinung zu entscheiden. Aber so ist das mit Musik, die einfach anders ist.
Nicht ohne Grund werden die Alpenländler als “zweiköpfiges Orchester” beschrieben. Gleichzeitig reißen sie uns aber auch in eine “Posthardcore-Manie” und können uns dazu “Pop-Blitze” um die Ohren hauen. Diese enorm unterschiedlichen Kategorien rufen eine berechtige Frage auf: Wie schräg ist dieses Duo? Und so stellen wir erneut fest, dass es einfach nicht mehr möglich ist, in Genres zu denken. Die Grenzen werden immer verschwommener und Scarabæusdream treiben das besonders gerne auf die Spitze.
“Crescendo” ist ein Album, welches man auch als solches hören sollte, da es als ein Gesamtkunstwerk einfach besser funktioniert, als wenn man sich einzelne Songs heraus pickt. Insgesamt dauern die einzelnen Titel etwas länger, dabei gibt es relativ lange Zwischenspiele und auch Stücke, die an die zehn Minuten brauchen. Trotzdem reicht die kurze Gesamtspielzeit von rund 35 Minuten komplett aus, um mehr Facetten zu zeigen, als normalerweise überhaupt möglich ist. Mal wird der Hörer angeschrien, dann gibt es wiederum gefühlvolle Balladen, poppigere Nummern. Uns werden die schönsten Klänge des E-Pianos gezeigt, aber auch wilde Dissonanzen und hysterische Kompositionen.
Wie bereits angedeutet, Scarabæusdream ist keine Band, dies es einem leicht macht. Und obwohl etwas Zeit vergehen kann, bis man “Crescendo” wirklich verarbeitet hat, so bleiben manche Songs doch recht schnell im Kopf hängen, sodass man wieder darauf zurückkommt, bis letztendlich der Knopf für die Dauerschleife gedrückt werden kann. (DEBORAH, Bewertung: 10/15 Punkten)

freitagsmedien.com

Dass Rockbands im Schnitt drei bis fünf Mitglieder und mindestens ein Saiteninstrument haben, hat die Digitalisierung des Pop zwar hinlänglich widerlegt. Trotzdem bleibt es bemerkenswert, wenn Rockbands ohne größere Unterstützung elektronischer Hilfsmittel auf Bass und Gitarre verzichten. Falls das allerdings doch gelingt und dann auch noch so grandios klingt wie Scarabæusdream, ist es kein Wunder, dass dieser ungemein gelungene Versuch der Reduktion mit größtmöglicher Opulenz aus dem Wunderpopland Österreich kommt, wo die Kulturszene seit langem schon auf engstem Raum ein Mehrfaches der Kreativität ihres nördlichen Nachbarlandes generiert.
Mit nichts als Schlagzeug und Piano erzeugen Hannes Moser und Bernd Supper eine Wall of Sound, als habe ein ganzkörpertätowiertes Symphonieorchester in Johannes Caps Studio gesessen, um sein drittes Album aufzunehmen. Zwischen Mathrock und Kammermusik, Postpunk und Neoklassik füllen allerdings nur zwei hagere Virtuosen den Raum mit einem Klangkonvolut, das dem Publikum alles, echt alles abverlangt. Aber es es lohnt sich! Suppers Stimme wechselt zwar bis an die Schmerzgrenze von Screamcore über Countertenor zum Hairmetal und zurück; doch jedes der zehn Stücke lotet die Bandbreite des Noise-Spektrums so ergreifend aus, dass man von Ideenreichtum und Leidenschaft schlicht mitgerissen wird. Hypnosemusik.

Haubentaucher

Wo bleibt der Noise? Da ist er. Oder auch nicht. Denn Hannes Moser und Bernd Supper machen keinen Lärm um des Lärmens willen, sondern zimmern einen schrägen Electro-Pop, der Klaus Nomi begeistert hätte und der interessanterweise so eingängig ist, dass man die Platte eigentlich bei ganz schön vielen Gelegenheiten hören will.
Sehr eigenständig, eigenwillig, mit Songs, die man auch nicht mehr so schnell aus dem Hirn bekommt. Und mit einem Klavier, dass einem die Tränen der Rührung in die Äuglein treibt. Vielleicht die Überraschung des Monats! PS: Für die Feinspitze gibt es eine Vinyl-Version mit Goldfolienprägung.

Falter 4/2019

Wenn in der Popmusik von Reduktion die Rede ist, denkt man fast unweigerlich an Intimität und ruhige Balladenklänge. Dass jedoch auch zwei Instrumente einen bombastischen Heidenlärm erzeugen können, beweist seit einigen Jahren das Duo Scarabeusdream. Stilistisch orientiert es sich an Post-Hardcore-Geschrei, Anklängen an klassische Musik und nicht zuletzt Pop. Auf seinem neuen, dritten Album “Crescendo”, das es diese Woche im Chelsea präsentiert, findet, frei nach Konstant Weckers Lied “Genug ist nicht genug”, bisweilen alles davon in einem Song Platz. Man höre und staune etwas über “Euphoria pt. I”. Gerade wenn einen die Musik mit ihrer Intensität fast zu erschlagen droht, dann schalten Bernd Supper (Klavier, Gesang) und Hannes Moser (Schlagzeug) aber auch mal einen Gang zurück. Freilich nur für eine kurze Verschnaufpause. (SF)

www.neolyd.com

Zitiert aus dem Promotext: „Viele wilde Wortkonstrukte werden ausgepackt um Scarabæusdream einem Genrezuzuordnen [sic].“ Und die nun folgende Rezension wird sich daran nahtlos anschließen. Denn „Crescendo“, das inzwischen dritte Album der Band, ist in der Tat ein Album, das zu beschreiben viele Worte einfordert. In eine klare Schublade mag es nicht passen, dazu passiert über zehn Tracks einfach zu viel.
Aber fangen wir doch einfach mal beim Anfang an. Der Albumtitel „Crescendo“, im musikalischen Kontext einen Lautstärkenanstieg bezeichnend, führt den geneigten Hörer zunächst in die Irre. Denn es ist keinesfalls so, dass das Album zum geruhsamen Aufgalopp einlädt, es geht von Anfang an ganz gehörig auf die Zwölf. Für die nächsten zehn Tracks reitet Bernd Supper auf einem wildgewordenen Piano seinen persönlichen Parforceritt durch die jüngere Musikgeschichte und lässt sich dabei von seinem Kollegen Hannes Moser an den Drums begleiten. Mehr braucht es nicht. Zu zweit kondensieren Scarabæusdream Harmonien seit Chopin in ihre eigene Spielart von Noise/Pop. Wenn Muse von der grandiosen „Origin of Symmetry“ (die Platte wird dieses Jahr übrigens volljährig, heiliger Bimbam. An dieser Stelle noch frohes Neues.) die interessanten Impulse mitgenommen hätte, anstatt straight into Stadionrock zu gehen – so viel anders als Scarabæusdream hätten sie womöglich nicht geklungen.
Wenn sich eine unbändige Energie freisetzt, besteht grundsätzlich immer die Gefahr eines gewissen Kontrollverlustes – aber diesbezüglich braucht man sich bei Scarabæusdream nicht zu sorgen. Die Tracks unterscheiden sich teilweise ganz erheblich – während der Hörer noch dabei ist, die gesamte chaotisch/organisierte Widersprüchlichkeit von „But me!“ zu verarbeiten, präsentiert sich nur zwei Tracks später „Geee!“ als ziemlich zeitgemäß arrangierter Popsong. Aber verbunden durch ein jahreszeitgemäßes Yves Klein Blau als Klangfarbe erkennt man die Songs doch als die beiden musikalischen Seite der emotionalen Medaille. Und das zieht sich so durchs ganze Album.
Damit wird dann aber auch die Frage nach dem Genre (so überbewertet man sie für sich genommen ohnehin schon finden kann) vollkommen überflüssig. Die Musik der Band steht für sich – und obgleich dieser Satz oft nur Platzhalter für die nicht in Worte zu fassende Unfähigkeit des Rezensenten ist, sich Worte auszudenken, möchte ich mich in diesem Fall frei sprechen: Scarabæusdream zitieren aus einem so überbordenden Fundus an Musik, dass dies kaum als Commitment zu einer Genre-/Subkulturzugehörigkeit gehört werden darf. Es ist eher das selbstbewusste Abstecken des eigenen Territoriums, das hier in Musik gefasst wird. Und dabei bleiben Scarabæusdream nicht eben bescheiden.
Was diesem Akt dann schließlich die Substanz verleiht, die das Album nicht ohnehin schon per Musik hat, das ist die Emotionalität des Albums. So beeindruckend die Musik ist, der Zusammenhalt der Stücke entsteht aus der melancholischen Wut, die das Album umweht. Getragen wird sie neben musikalischen Details vor allem vom Gesang, der sich oft an der Grenze bewegt, manchmal ein bisschen mit der Dringlichkeit desjenigen, der jetzt wirklich mal impulsiv was loswerden muss übersteuert und manch anderes Mal etwas gedämpfter daher kommt.
„Crescendo“ ist ein aufwendiges Album. Der Zufall spielt hier keine Rolle, das Album lebt auch nicht von Spontaneität oder Naivität – alles nach Plan. Und dann braucht man vielleicht doch nicht allzu viele Worte um das Genre des Albums in Worte zu fassen: Organisiertes Chaos in Yves Klein Blau. Nailed it. (Von David Maneke)

Radio FM4

Genre-sprengende Euphorie
Nach dem Schweigen kommt die expressive Euphorie. Mit „Crescendo“ liefert das österreichische Duo Scarabeusdream ein lautes, energiegeladenes, aber auch poppiges Album ab. Von Andreas Gstettner-Brugger

Vor zweieinhalb Jahren hat das Burgenländische Duo Scarabeusdream mit dem zweiten Album „Tacet Tacet Tacet“ sich eher auf die Stille beziehungsweise das Schweigen konzentriert. Zumindest inhaltlich. Die brachiale Spielfreude, die zwischen Punk, Hardcore, Rock und balladesken Popanleihen pendelt, ist dabei immer integraler Bestandteil. Und doch hat damals dieses Album mit Experimentierfreude und viel Mut zu leisen Tönen überrascht.
Jetzt präsentieren Scarabeusdream mit „Crescendo“ ihr bis dato bestes, abwechslungsreichstes, stimmigstes, schönstes und trotz der lauten, herausschreienden Passagen zugänglichstes Werk, das auch vor großen Popmomenten wie der Single „Valley“ nicht halt macht.

Die achtjährige Momentaufnahme
Scarabeusdream sind dafür bekannt, ihre Songs in ihren schweißtreibenden Live-Schows immer wieder neu zu erfinden und sich ganz dem Moment hinzugeben. Ähnlich ist es sicher auch bei ihren bisherigen Studioaufnahmen abgelaufen. Im Alleingang produziert, haben sich Hannes Moser und Bernd Supper ganz dem Augenblick hingegeben. Da scheint es schon verwunderlich, dass das neue Werk „Crescendo“ nicht nur von einem Produzenten begleitet worden ist, sondern, dass sich die Entwicklung der Songs über acht Jahre gezogen hat.
Bernd: „Im Studio kann man natürlich auch viel Gas geben, schwitzen und herumschreien. Aber da fehlt dann halt auf der Aufnahme diese visuelle Komponente und auch frequenzmäßig ist vielleicht nicht alles drauf. Dafür ist es natürlich gut, dass jemand in seinem Überwachungskammerl sitzt und sagt, da fehlt noch was oder da ist es jetzt zu viel oder auch: Ihr seid’s zu selbstverliebt. Für uns als Freigeister war das schon schwierig, aber auf der anderen Seite sind wir auch große Masochisten und da ist das dann wieder sehr konsistent, wenn man so was macht.“
Aus diesem Prozess heraus hat sich so ein großartiges, zweiteiliges Stück wie „Euphoria Pt. I & II“ ergeben, das „Gehirn“ der Platte, wie Bernd meint. Denn das schöne, melancholische Klaviertheme taucht auf dem Album immer wieder mal auf. Die Euphorie bei Scarabeusdream wechselt von ruhiger Atmosphäre zu geschrienen Hardcore-Ausbrüchen, geht in einen stampfenden Mosh-Part über, um dann wieder in sich zusammenzufallen. Neben dem brachialen Schlagzeug und dem perkussiven und gleichzeitig harmonisch gut durchdachten Klavier, schmiegt sich auch immer wieder ein Synthesizer an die Soundwand, hin und wieder werden Filter über alles gelegt und die Nummer driftet in psychedelische Sphären ab.

Die Euphorie der Empörung
Thematisch dreht sich in „Euphoria“ alles um den Verlust des Ursprungs. Wie dem Verlust der Heimat, ein Thema, mit dem Hannes und Bernd sich auch schon in dem Stück „Leaving Home“ von „Tacet Tacet Tacet“ auseinandergesetzt haben. Schließlich haben Scarabeusdream auch eine starke politische Agenda, die auf ihre Aufwachsen im Burgenland zurückzuführen ist.
Hannes: „Wir haben Rassismus und Xenophobie auch schon als Jurgendliche miterlebt. Das hat es ohnehin sowieso schon immer gegeben, nur ist es damals versteckter abgelaufen und war nicht so offensichtlich.“
Bernd: „Als ich noch Unterstufler war, da war das Franz Fuchs Attentat in Oberwart, wo in einer Roma-Siedlung eine Rohrbombe detoniert ist, die vier junge Menschen getötet hat. Das war der unmittelbar politisch gröbste Einschnitt in meinem Leben, der dann auch kulturell dort etwas zu Tage gebracht hat, nämlich eine Art Widerstandskultur. Wir sind beide in dieser Generation aufgewachsen, wo man sich automatisch, wenn man etwas künstlerisch von sich gibt, zu empören hat. Das wäre sonst nicht fair, sich auf die Bühne zu stellen, wenn man nur unterhalten möchte.“
So sind die sehr komplex arrangierten, teils wütenden, teils melancholischen Songs Ausdruck genau dieser künstlerisch-politischen Grundhaltung. Das knapp zehnminütige Soundmonster „But Me“ macht eindrucksvoll hörbar, dass das Aufbrechen klassischer Song-Strukturen viel Spannung erzeugen kann, ohne die Zugänglichkeit zu dem Klanguniversum zu verlieren. Hier kann Tempo, Intensität, Harmonie und Gesangsausdruck wechseln, ohne das der rote Faden verloren geht. Und das ist wirklich ein Kunststück.

Elvis und Pop
Das, was „Crescendo“ ausmacht, ist nicht nicht nur diese pure, brachiale und ansteckend explovise Energie, die Hannes und Bernd auch im Studio mit ihrem Produzenten sehr gut eingefangen haben, es sind auch die zarten, sanften Momente und die wirklich poppige Ausrichtung. Die erste Single „Valley“ besticht durch kurzes, knackiges Arrangement und eingängige Vocals, die engelsgleich über so mancher Synth-Fläche schweben, untermauert von einem reduziert lässigen Beat und schönen Breaks. Und das poppige Highlight der Platte, das drei-minütige Stück „Geee!“ hat die beiden Musiker selbst überrascht.
Bernd: “Für uns stellt sich ja nicht die Frage, wollen wir jetzt laut oder wild sein und schreien, oder wollen wir total sanft sein. Es geht darum, was will der Song von uns, wo bringt uns die Musik oder die Idee hin? Bei „Geee!” haben wir uns selbst etwas geschreckt. Total! (lacht) Aber ganz ehrlich, nach dem ganzen harten Zeugs war’s dann für uns auch ein Moment, wo wir gesagt haben, jetzt haben wir einfach wirklich nur Spaß daran. Und es ist wirklich lustig zu spielen.“
Der berühresnste Moment von „Crescendo“ ist das letzte Stück der Platte. „Elvis“, eine Hommage an Bernds Vater, der ein großer Elvis-Fan war und eine riesige Plattensammlung besessen hat. Ihm wollte Bernd mit dieser gefühlvollen Ballade ein Denkmal setzten. Zart baut sich dieses Klavierstück auf, wird von einer warmen Orgelmelodie begleitet, die zerbrechlichen Vocals tragen ihren Teil zur sehnsüchtigen Stimmung bei, bis sich der Song mit einem genialen Vocal-Sample und herzzerreißenden Akkorden langsam gemeinsam mit dem Schlagzeug steigert – zu einer grandiosen Hymne, dessen erlösender Beat dann wider Erwarten eine Reduktion mit sich bringt.
„Crescendo“ von Scarabeusdram ist schlicht und einfach ein Meisterwerk. Da steckt so viel Energie, Mut, Wildheit, Erfahrung und Herz in diesem Album, dass es jetzt schon zu einem der besten Veröffentlichungen 2019 gezählt werden kann.

prettyinnoise.de

Extrem auf so vielen Ebenen.
Das neue, mittlerweile dritte Album von Scarabæusdream heißt „Crescendo“ und das mit gutem Grund. Wieder kombiniert das zweiköpfige Orchester epische Klassik mit Post-Hardcore-Geschrei und schickt den Hörer in zehn Songs durch so gut wie jeden Gemütszustand.
Der erste Track unterstreicht direkt den Albumtitel. Es startet ungestüm, wirbelt mit schnellen Klaviertönen und drückenden Drums los – „Origin“ ist wie der Weckruf am Morgen: gerade noch friedlich am schlummern und in der nächsten Sekunde geht es schlagartig los. So energiegeladen wird man selten direkt in den Bann eines Albums gezogen.
Gleich danach gibt es eine kleine Verschnaufpause: in „Euphoria pt. I“ geht es ruhiger zu, der Track baut sich langsam auf und endet dann doch im Post-Hardcore.
Was für eine Gradwandlung – vor allem auch im Gesang geht es drunter und drüber.
Und auch der zweite Teil „Euphoria pt. II“ ist so vielschichtig und abwechslungsreich, dass es einem fast schwindelig wird beim Hören.
Die Songs beschränken sich nicht auf radiofreundliche drei Minuten, sondern werden von dem Duo auch mal auf zehn Minuten ausgeweitet („But Me“) oder auch eine Art Interlude von nur etwas mehr als einer Minute („Royer Part“) eingebaut. So erzeugen sie eine wahnsinnige Intensität, lassen den Sturm auf die Ruhe folgen, nur um wieder in den Sturm zu hetzen. Irgendwas zwischen Hysterie und Emo schwingt beim ganzen Album mit, alles wirkt sehr bipolar und paradox, aber trotzdem passend.
Obwohl sich Scarabæusdream hauptsächlich auf das Klavier und Drums konzentrieren, ist das Album extrem – in jeder Hinsicht.
Extrem vielschichtig, extrem aufwühlend, extrem hektisch und extrem gut. Und wer das alles zu künstlerisch findet, der bekommt in der Pophymne „Geee!“ noch Glücksgefühle. Da klingen die beiden dann schon eher nach Muse oder Everything Everything.
Auf jeden Fall klingt es wieder mal nach einer Band, die man unbedingt mal live gesehen haben sollte. Nicht nur, weil die Umsetzung sicherlich spannend ist, sondern auch, weil die Musik durch so viele Facetten getragen wird, das es rein stilistisch schon nicht langweilig werden dürfte. Das Album jedenfalls ist ein absoluter Brecher. Wer auf clevere Kompositionen steht und sich selbst ungern auf ein Genre beschränkt, ist hier genau an der richtigen Adresse. (Jenny Gottstein – 8/10)

www.ralf-koch.de

Man könnte meinen, es gibt da jemanden, der auf solche Knaller achtet, sie herausnimmt und sorgsam ihre Veröffentlichung extra auf den Jahresanfang legt. Denn dieses Album ist etwas ganz Besonderes, das einen jungfräulichen Veröffentlichungskalender verdient hat. Und ich habe keine Ahnung, ob das auch schon auf die ersten beiden Album von Scarabæusdream zutraf, aber “Crescendo” ist so ein Knaller. Ein Meisterwerk. Etwas ganz Eigenes.
Das beginnt bereits mit der Besetzung: Hannes Moser am Schlagzeug und Bernd Supper an Klavier und Stimme ist alles, was es braucht, um dieses Kleinod zu schaffen. Was man gar nicht glauben kann, wenn man – wie ich (wie meistens) – erst das Album ein paar Male gehört hat, bevor ich mich mit derlei Informationen beschäftige. Denn mit diesen zwei Instrumenten erschaffen sie Arrangements von erstaunlicher Klangfülle. Dazu kommt eine Abwechslung, die ein wiederholtes Hören unausweichlich macht. Womit wir beim Wichtigsten dieses Albums wären, der Musik. Die aber zu beschreiben extrem schwer ist. Intro fasste das gewaltige Universum des Duos zusammen als von episch-orchestraler Klassik über Posthardcore-Geschrei bis hin zu Pop reichend. Und in der Tat wechseln meterdicke Soundwände mit ganz leisen Momenten, freut man sich über eingängige Pop-Melodien, die im nächsten Moment von aggressiven Screamos flankiert werden (was glücklicherweise die Ausnahme bleibt), stapeln sich zunächst scheinbar einfache Ideen zu komplex verschachtelten Kunstwerken in bester Prog-Manier. Drei Songs zwischen 7 und 9 Minuten sind deswegen auch die Highlights des Albums. Entsprechend schwer ist es, diese abwechslungsreiche Scheibe einem bestimmten Zielpublikum zuordnen zu wollen, aber mögliche Orientierungspunkte sind Radiohead oder A Perfect Circle. Oder Supertramp. Oder Gazpacho. Oder Prince. Oder t (Thomas Thielen). Wer zuhören und sich mit Musik beschäftigen kann und möchte, der sollte es probieren!

Slam Alternative Music Magazine #101 / Platte der Ausgabe

Die österreichische Krachkapelle mit Gespür für große Melodien legt dem famisen “Tacet Tacet Tacet” (2017) mit “Crescendo” ihre neue Schlachtplatte musikalischer Schamlosigkeit vor. Soll heißen: Es wird laut! Doch zur Eröffnung mit “Origin” geben sich Hannes Moser und Bernd Supper noch kontrolliert und das minimalistische Soundgerüst aus Drums, Klavier und Gesang entfalten seine Schönheit anfangs durch elegante Contenance. Ein Klavier, das in seiner Unheimlichkeit auch von Wes Craven als Horrorfilm-Soundtrack in Auftrag gegeben worden sein könnte paart sich mit treibenden, stets auf Anschlag gespannten Schlagzeug und der herrlichen Stimme, die einen immer wieder an “The Blood Brothers” denken lässt. Beim Refrain greifen die beiden genreresistenten Musiker direkt ins Herz des Hörers und verpasse diesem ein Brandzeichen aufs pochende Fleisch, auf dass die Schönheit dieser Nummer niemals vergessen werde.
Wie beim klassischen Klavierabend fühlt sich der Hörer noch zu Beginn von “Euphoria Pt. 1”, bevor dem fragilen Klanggerüst durch die Stimme eine zusätzliche, herrlich brüchig erscheinende Facette hinzugefügt wird und der Song in seiner qualitativen Machart und Grundstimmung an “Radiohead” erinnert. Wenn selbige Songs wie diesen vollbringen könnten, dann hätten sie ihre künstlerische Kurve weiterhin steil nach oben treiben können und sie nicht im Jahr 2000 mit “Kid A” abflachen müssen. Synthesizerakzente verleihen der Nummer einen gewissen 1980er Charme, der aber dezent angelegt ist und die herrliche Musik nicht im Synthie-Hype ertrinken lässt. Hier brechen die beiden Ausnahmemusiker stimmlich erstmals aus den geregelten Bahnen aus und lassen vor allem im zweiten Drittel die unkontrollierte Sau raus. Dass “wild” und “frei” immer noch ganz oben am Bandbanner stehen beweisen Scarabeusdream auch mit dem brachial anmutenden “But Me” und hier zeigen sich Chaos, ungezügelten Rohheit und herrliche Scheißdrauf-Einstellung perfekt gepaart mit großer Melodie, kontrollierter Zurückhaltung und beispiellosem Gespür für ein Gleichgewicht, wie es nur die wenigsten Musiker im Blute haben. Beinahe wirken die zwei Herren als würden sie musikalisch ihren Seelenzustand offenbaren und der ist angenehm besorgniserregend. “Geee!” ist mit treibenden Synthesizer und rhythmisch kontrollierten Drums ganz nah an “Justice” und zeigt einmal mehr die Vielseitigkeit der Ausnahmeband. Ruhe und Harmonie snd so scheinbar perfekt arrangiert, dass man unweigerlich das Gefühl bekommt, dass da was im Busch lauert. Und just kurz darauf wir den tiefsten, archasischten Instinkten nach Ballerei, Durcheinander, Über- und Ineinander so gnadenlios nachgegeben, dass man meinen könnte, die Protagonisten verlieren jetzt völlig ihren Verstand. Als würden sie versuchen, so lange ihr bürgerliches Gesicht mit Melodie zu wahren, is ihr brutales, gesellschaftsverachtendes Inneres mit einer von Schmerz der Zurückhaltung verzerrten Fratze hervorbricht. Das ist auch das Schöne an der der Band: Ihre intuitive und instinktive Herangehensweise an die Musik. Mit den Wurzeln im Hardcore und Punkt irgendwo zwischen “The Mars Volta”, “At The Drive-In”, “The Blood Brothers”, “Radiohead” und “Justice” können Scarabeusdream jedoch niemals wirklich mit einer der genannten Bands plausibel verglichen werden.
Auch wenn das Credo scheinbar immer noch “Einfach mal machen” ist, nahmen sich die beiden Temperamentbomben mit Johannes Cap einen Produzenten und ließen diesen auch wirklich seinen Senf zur Musik dazugeben, was ein Grund dafür sein mag, dass die Lieder erstmals mehr Songstruktur aufweisen. Mehr System im Chaos also, und das macht “Crescendo” gleichzeitig zum bisher eingängigsten, aber auch zum abwechslungsreichsten und stellenweise zügellos wilden Album. Für dieses Juwel, für diese herrlich erfrischende Kompromisslosigkeit muss man den Granden des musikalisch brachialen Gefühlsausdrucks in ewiger Dankbarkeit verbunden sein. (Christoph Höhl)

Wiener Zeitung

Musikalische Hysterie mit Klavier und Schlagzeug.
Ob Kunst reduziert daherkommen oder besser klotzen als kleckern soll, wird von Scarabeusdream eindeutig beantwortet. Hier geht es auch abseits von knappen Zehnminütern wie “But Me” um maximale Intensität, in der Phasen der Selbstbeschränkung nur die Ruhe vor dem Sturm darstellen – und dabei auch den bipolaren Grundzug von “Crescendo” erklären. Alles ist immer sehr emo und viel zu viel – auch wenn das Duo im Kern auf Klavier und Schlagzeug vertraut. Dazu setzt es an Weltschmerz erkrankten Falsettgesang und Screamo-Einlagen der Marke Stimmbandriss.
Dass die Wurzeln der Band im (Post-)Hardcore liegen, ist nicht zu verleugnen. Für “Geee!”, den Popsong ihres dramatischen dritten Werks, scheinen heute aber auch Matt Bellamy und Muse als Vorbild erlaubt zu sein. Wer noch Zweifel hatte, wird überzeugt: Ja! Auch Männer können hysterisch sein. (Von Andreas Rauschal)

skug.at

Scarabeusdream sind back in town
Es wird wieder etwas wärmer im Lande. Zumindest für gut eine Dreiviertelstunde, denn die ohne Zweifel beste Live-Band der Welt, wenn nicht sogar ganz Österreichs, wirft mit ihrem neuen Album »Crescendo« ein paar Scheite Holz aufs Lagerfeuer der Musik. skug bietet Informationen aus erster Hand.
Scarabeusdream, einer der eindrucksvollsten Live-Acts (kann man nicht oft genug betonen) des Landes bzw. Uni- und Multiversums, legen 2019 mit »Crescendo« zum dritten Mal einen Release im Langspielformat vor. »Sample Your Heartbeat to Stay Alive« (2007) war einer der österreichischen musikalischen Höhepunkte überhaupt. Diese Mischung aus Spielfreude, Power und trotz enormer musikalischer Brutalität durchscheinender Zärtlichkeiten (siehe Refrain von »Strollerstore«), besonders mit dem klavierbegleiteten Gesang, der was von John Gourley, Mike Patton und Cedric Bixler-Zavala zugleich hat, ward so selten gesehen bzw. äääh gehört. Man fragt sich, wie die sich selbst aushalten, im positivsten Sinne dieser seltsamen Frage, schmilzt man doch dahin vor lauter Emotionen jedweder Façon. Wahrscheinlich genau durch das, was sie tun: Zu zweit (Bernd Supper am Klavier, Hannes Moser am Schlagzeug) zwischen Euphorie und Wut hin und her stampfen, emotionale Sause machen, spaßig wie das Break Dance am Prater alles rauslassen und katharsieren.
Nach dem eher »soliden« »Tacet Tacet Tacet« (2016) geht das dritte, im Jänner erscheinende Album »Crescendo« wieder richtig, richtig steil. Auf »Euphoria Pt. II« (das dann in das herzzerreißende »But Me« übergeht) zeigen sie dieses Abfucken exemplarisch: Im klassischen SB-Arrangement, also schön komponierte Popstücke mit manischen Post-Hardcore-Phasen, die zuckersüß wie Hubba Bubba schmecken, ziselieren sie ihre Manie in wuchtige, aber piekfeine Gefühlscollagen. Schwer, hier einen Top-Track anzugeben, die Stücke gehen ineinander über wie aus einem Guss. Man darf getrost alles Elend der Welt im Allgemeinen und Österreichs im Speziellen um sich herum vergessen und seine wahre Heimat hier in diesem Kunstwerk finden. Wie Scarabeusdream das selbst sehen, hat uns die Band im Kurzinterview verraten.

skug: Glückwunsch erstmal. Das neue Album gefällt sehr gut!
Scarabeusdream: Ma, vielen Dank. Oft ist es für uns ja so, dass wir uns das eigene Zeug gar nicht mehr anhören mögen, wenn es erst einmal den Tonträger gibt. Diesmal haben sogar wir noch eine Freude dran.
Nach dem sehr experimentellen »Tacet Tacet Tacet« schlagt ihr mit »Crescendo« wieder einen Weg ein, der zurück an eure Anfang mit »Sample Your Heartbeat to Stay Alive« führt und dem Ganzen noch einen poppigen Touch hinzugibt. Ist man nach bald 15 Jahren Bandgeschichte noch immer auf Suche nach dem eigenen Sound?
In Wahrheit ist das genauso, wie du sagst: eine Suche. Die muss es unserer Meinung nach auch bleiben. Wenn wir etwas gut finden, ist das immer nur eine Momentaufnahme. Uns geht es nicht darum, ein Kochrezept zu finden und zu perfektionieren, wir wollen die Bedeutung unserer Musik in der Gegenwart finden und nicht in einem Archiv von Arrangements, die schon einmal funktioniert haben. Wir sind keine Genre-Band.
Eure Auftritte gehören zu dem Besten, was die österreichische Live-Musiklandschaft zu bieten hat, und doch sind sie leider zu rar. Haben die Konzerte überhaupt einen Einfluss auf eure Musik oder passiert das Wesentliche im Proberaum und Studio?
Im Proberaum und im Studio geht es immer nur um eine Annäherung an das Live-Gefühl. Nichts kann eine Konzertatmosphäre ersetzen. Dort passiert einfach alles, was unserer Musik Bedeutung gibt. Und zu unserem großen Glück hat gerade eine deutsche Agentur mit uns eine Zusammenarbeit gestartet. Wir stehen schon in den Startlöchern.
Eure Karriere hat sich auftrittstechnisch vor allem auf Österreich beschränkt. Steht der große Durchbruch noch aus, oder ist das Kalkül einer Band, die mit ihrem »Geheimtippstatus« spielt?
Hmm, sagen wir mal es war Kalkül … jetzt werden wir aber wieder überall auftauchen. Dort, wo man uns will, und dort, wo man uns nicht will. Das ist die Agenda.
Der Albumtitel »Crescendo« ist – bezogen auf den herrschenden Zeitgeist – wenig doppeldeutig. Vielleicht könnt ihr doch noch ein, zwei Worte dazu sagen, denn eure Musik ist ja gerade deswegen so prima, weil ihr eben nicht nur laut werden könnt, Stichwort Dynamik, sondern dabei noch äußerst gefühlvoll und subtil seid – aber eben auch laut!
Wir leben gerade in einer Zeit, in der Menschen, die ewig nach einem linearen Leben gestrebt haben, jetzt nach einer Steigerung, einem »Crescendo«, dürsten. Die Unterhaltung, das Spektakel allein, kann die braven Pferde nicht mehr ruhigstellen. Unbeholfen und desorientiert wird nach irgendwelchen Guidelines fürs Lebens gesucht. Statuen und Monumente der Vergangenheit werden wiederbelebt. Aber die sind aus Stein. Alles fällt in sich zusammen.
»Es gibt diesen Spruch »Heimat ist da, wo man sich am meisten schämt.« Ihr kommt aus Pinkafeld, wo auch einer der schlimmsten rechtsradikalen Politiker Österreichs, Norbert Hofer (FPÖ), herstammt. Schämt ihr euch wenigstens etwas?
Natürlich! Ja, wir schämen uns. Es ist doch absurd. Wenn man die Geschichte des Burgenlandes kennt, könnte man glauben, es sei ein Land, in dem positive Diversität gelebt wird. Nach unserem Verständnis definiert sich burgenländische Identität eben nicht durch die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die gibt es nämlich schlicht und ergreifend nicht. Es hat im Versteckten in Wahrheit immer einen gewissen Rassismus gegeben, der nun auch von konservativen Politikern befeuert wird. Konservativismus, das ist überhaupt der Boden für den ganzen Schlamassel.

Cute & Dangerous To Go 1/2019

Die Österreicher kombinieren Drums und Piano, was für sich eigentlich sehr eigenwillig klingt. Doch die Klänge liegen zwischen Indie Rock und melodischen Popsongs, frisch nach der Apokalypse geschrieben. Beeindruckend sind die Kräfte, die im Songmaterial schlummern und auch beim Zuhören, sich auf den Hörer übertragen. Das Duo hat ein Album geschaffen, welches be-eindruckt und befreit, wenn es auch nicht die Apokalypse verhindert. (6/7)

mix1.de

Das zweiköpfige Orchester, bestehend aus Bernd Supper und Hannes Moser, präsentiert am 18. Januar 2019 das Album “Crescendo”. Auf dem dritten Album spannt sich der konzertante Bogen der beiden von mitreißender Posthardcore-Manie bis hin zu grell-präzisen Pop-Blitzen. Eine bunte Klangwelt – gewagt, laut und experimentierfreudig! (6/8)

CD Aktuell

Das zweiköpfige Orchester Scarabæusdream veröffentlicht mit seinem dritten Album “Crescendo” einen Meilenstein, erschafft ein Ungetüm, ein Werk. Klanglich und konzeptuell vom Produzenten Johannes Cap auf den Punkt gebracht, spannt sich der konzertante Bogen der beiden von mitreißender Posthardcore-Manie bis hin zu grell-präzisen Pop-Blitzen.
Gleich drei Songs sind Euphoria betitelt und das nicht ohne Grund: Hannes Moser am Schlagzeug und Bernd Supper an Klavier und Stimme schaffen in ihren Arrangements eine musikalische und emotionale Fallhöhe, die jeglichen Vergleichen entbehrt. Da brechen meterdicke Soundwände durch, und sintflutartige Klangwellen verdampfen im nächsten Moment zu Wolken, die fragile Interludes tragen. “Crescendo” dringt ein und durchdringt, tätowiert sich in die hinterste Herzkammer, umarmt offenbarend und hinterlässt eine Sucht.

Der Hörspiegel

Dieses Duo aus Österreich versucht sich von der Instrumentierung hier auf noch nicht ausgetretenen Pfaden. Piano & Gesang und Schlagzeug ist alles was sie brauchen um ihre Musik zu kreieren.
Die Musik ist schwer zu beschreiben. Am ehesten erinnerte es mich an die Band MUSE, nicht nur weil Sänger Bernd Supper ebenfalls auf eine ungewöhnliche Art singt. Das kann wie bei „Euphoria Pt. 1“ auch schon mal sehr exzessiv werden.
Das melancholische Lied „Elvis“ beendet das Album auf eine angenehme Art und Weise.
„Crescendo“ wirkt sehr außergewöhnlich und stark künstlerisch.
Es bleibt abzuwarten, ob sich eine Fangemeinde für diesen seltene Stilmix aus Pop, Post-Rock und Alternative-Rock findet. (Markus Skroch, 7/10)