SCARABEUSDREAM – CRESCENDO / NOISE72, LP NOISE73, CD

SCARABEUSDREAM – CRESCENDO / NOISE72, LP NOISE73, CD

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noise72, LP
noise73, CD

STATUS
available

RUNNINGTIME
50 min. 30 sec.

TRACKLIST LP
A1 Origin
A2 Euphoria pt.I
A3 Euphoria pt.II
A4 But Me
A5 Royer Part
B1 Geee!
B2 Crashing Cars
B3 Valley
B4 Laisser Faire
B5 Elvis

PRESSING INFORMATION
300 copies, 180g, cover with hot foil stamping, printed inlay

TRACKLIST CD
01 Origin
02 Euphoria pt.I
03 Euphoria pt.II
04 But Me
05 Royer Part
06 Geee!
07 Crashing Cars
08 Valley
09 Laisser Faire
10 Elvis

PRESSING INFORMATION
500 copies, digipak

RELEASE DATE
18.01. 2019

Radio FM4

Genre-sprengende Euphorie
Nach dem Schweigen kommt die expressive Euphorie. Mit „Crescendo“ liefert das österreichische Duo Scarabeusdream ein lautes, energiegeladenes, aber auch poppiges Album ab. Von Andreas Gstettner-Brugger

Vor zweieinhalb Jahren hat das Burgenländische Duo Scarabeusdream mit dem zweiten Album „Tacet Tacet Tacet“ sich eher auf die Stille beziehungsweise das Schweigen konzentriert. Zumindest inhaltlich. Die brachiale Spielfreude, die zwischen Punk, Hardcore, Rock und balladesken Popanleihen pendelt, ist dabei immer integraler Bestandteil. Und doch hat damals dieses Album mit Experimentierfreude und viel Mut zu leisen Tönen überrascht.
Jetzt präsentieren Scarabeusdream mit „Crescendo“ ihr bis dato bestes, abwechslungsreichstes, stimmigstes, schönstes und trotz der lauten, herausschreienden Passagen zugänglichstes Werk, das auch vor großen Popmomenten wie der Single „Valley“ nicht halt macht.

Die achtjährige Momentaufnahme
Scarabeusdream sind dafür bekannt, ihre Songs in ihren schweißtreibenden Live-Schows immer wieder neu zu erfinden und sich ganz dem Moment hinzugeben. Ähnlich ist es sicher auch bei ihren bisherigen Studioaufnahmen abgelaufen. Im Alleingang produziert, haben sich Hannes Moser und Bernd Supper ganz dem Augenblick hingegeben. Da scheint es schon verwunderlich, dass das neue Werk „Crescendo“ nicht nur von einem Produzenten begleitet worden ist, sondern, dass sich die Entwicklung der Songs über acht Jahre gezogen hat.
Bernd: „Im Studio kann man natürlich auch viel Gas geben, schwitzen und herumschreien. Aber da fehlt dann halt auf der Aufnahme diese visuelle Komponente und auch frequenzmäßig ist vielleicht nicht alles drauf. Dafür ist es natürlich gut, dass jemand in seinem Überwachungskammerl sitzt und sagt, da fehlt noch was oder da ist es jetzt zu viel oder auch: Ihr seid’s zu selbstverliebt. Für uns als Freigeister war das schon schwierig, aber auf der anderen Seite sind wir auch große Masochisten und da ist das dann wieder sehr konsistent, wenn man so was macht.“
Aus diesem Prozess heraus hat sich so ein großartiges, zweiteiliges Stück wie „Euphoria Pt. I & II“ ergeben, das „Gehirn“ der Platte, wie Bernd meint. Denn das schöne, melancholische Klaviertheme taucht auf dem Album immer wieder mal auf. Die Euphorie bei Scarabeusdream wechselt von ruhiger Atmosphäre zu geschrienen Hardcore-Ausbrüchen, geht in einen stampfenden Mosh-Part über, um dann wieder in sich zusammenzufallen. Neben dem brachialen Schlagzeug und dem perkussiven und gleichzeitig harmonisch gut durchdachten Klavier, schmiegt sich auch immer wieder ein Synthesizer an die Soundwand, hin und wieder werden Filter über alles gelegt und die Nummer driftet in psychedelische Sphären ab.

Die Euphorie der Empörung
Thematisch dreht sich in „Euphoria“ alles um den Verlust des Ursprungs. Wie dem Verlust der Heimat, ein Thema, mit dem Hannes und Bernd sich auch schon in dem Stück „Leaving Home“ von „Tacet Tacet Tacet“ auseinandergesetzt haben. Schließlich haben Scarabeusdream auch eine starke politische Agenda, die auf ihre Aufwachsen im Burgenland zurückzuführen ist.
Hannes: „Wir haben Rassismus und Xenophobie auch schon als Jurgendliche miterlebt. Das hat es ohnehin sowieso schon immer gegeben, nur ist es damals versteckter abgelaufen und war nicht so offensichtlich.“
Bernd: „Als ich noch Unterstufler war, da war das Franz Fuchs Attentat in Oberwart, wo in einer Roma-Siedlung eine Rohrbombe detoniert ist, die vier junge Menschen getötet hat. Das war der unmittelbar politisch gröbste Einschnitt in meinem Leben, der dann auch kulturell dort etwas zu Tage gebracht hat, nämlich eine Art Widerstandskultur. Wir sind beide in dieser Generation aufgewachsen, wo man sich automatisch, wenn man etwas künstlerisch von sich gibt, zu empören hat. Das wäre sonst nicht fair, sich auf die Bühne zu stellen, wenn man nur unterhalten möchte.“
So sind die sehr komplex arrangierten, teils wütenden, teils melancholischen Songs Ausdruck genau dieser künstlerisch-politischen Grundhaltung. Das knapp zehnminütige Soundmonster „But Me“ macht eindrucksvoll hörbar, dass das Aufbrechen klassischer Song-Strukturen viel Spannung erzeugen kann, ohne die Zugänglichkeit zu dem Klanguniversum zu verlieren. Hier kann Tempo, Intensität, Harmonie und Gesangsausdruck wechseln, ohne das der rote Faden verloren geht. Und das ist wirklich ein Kunststück.

Elvis und Pop
Das, was „Crescendo“ ausmacht, ist nicht nicht nur diese pure, brachiale und ansteckend explovise Energie, die Hannes und Bernd auch im Studio mit ihrem Produzenten sehr gut eingefangen haben, es sind auch die zarten, sanften Momente und die wirklich poppige Ausrichtung. Die erste Single „Valley“ besticht durch kurzes, knackiges Arrangement und eingängige Vocals, die engelsgleich über so mancher Synth-Fläche schweben, untermauert von einem reduziert lässigen Beat und schönen Breaks. Und das poppige Highlight der Platte, das drei-minütige Stück „Geee!“ hat die beiden Musiker selbst überrascht.
Bernd: “Für uns stellt sich ja nicht die Frage, wollen wir jetzt laut oder wild sein und schreien, oder wollen wir total sanft sein. Es geht darum, was will der Song von uns, wo bringt uns die Musik oder die Idee hin? Bei „Geee!” haben wir uns selbst etwas geschreckt. Total! (lacht) Aber ganz ehrlich, nach dem ganzen harten Zeugs war’s dann für uns auch ein Moment, wo wir gesagt haben, jetzt haben wir einfach wirklich nur Spaß daran. Und es ist wirklich lustig zu spielen.“
Der berühresnste Moment von „Crescendo“ ist das letzte Stück der Platte. „Elvis“, eine Hommage an Bernds Vater, der ein großer Elvis-Fan war und eine riesige Plattensammlung besessen hat. Ihm wollte Bernd mit dieser gefühlvollen Ballade ein Denkmal setzten. Zart baut sich dieses Klavierstück auf, wird von einer warmen Orgelmelodie begleitet, die zerbrechlichen Vocals tragen ihren Teil zur sehnsüchtigen Stimmung bei, bis sich der Song mit einem genialen Vocal-Sample und herzzerreißenden Akkorden langsam gemeinsam mit dem Schlagzeug steigert – zu einer grandiosen Hymne, dessen erlösender Beat dann wider Erwarten eine Reduktion mit sich bringt.
„Crescendo“ von Scarabeusdram ist schlicht und einfach ein Meisterwerk. Da steckt so viel Energie, Mut, Wildheit, Erfahrung und Herz in diesem Album, dass es jetzt schon zu einem der besten Veröffentlichungen 2019 gezählt werden kann.

prettyinnoise.de

Extrem auf so vielen Ebenen.
Das neue, mittlerweile dritte Album von Scarabæusdream heißt „Crescendo“ und das mit gutem Grund. Wieder kombiniert das zweiköpfige Orchester epische Klassik mit Post-Hardcore-Geschrei und schickt den Hörer in zehn Songs durch so gut wie jeden Gemütszustand.
Der erste Track unterstreicht direkt den Albumtitel. Es startet ungestüm, wirbelt mit schnellen Klaviertönen und drückenden Drums los – „Origin“ ist wie der Weckruf am Morgen: gerade noch friedlich am schlummern und in der nächsten Sekunde geht es schlagartig los. So energiegeladen wird man selten direkt in den Bann eines Albums gezogen.
Gleich danach gibt es eine kleine Verschnaufpause: in „Euphoria pt. I“ geht es ruhiger zu, der Track baut sich langsam auf und endet dann doch im Post-Hardcore.
Was für eine Gradwandlung – vor allem auch im Gesang geht es drunter und drüber.
Und auch der zweite Teil „Euphoria pt. II“ ist so vielschichtig und abwechslungsreich, dass es einem fast schwindelig wird beim Hören.
Die Songs beschränken sich nicht auf radiofreundliche drei Minuten, sondern werden von dem Duo auch mal auf zehn Minuten ausgeweitet („But Me“) oder auch eine Art Interlude von nur etwas mehr als einer Minute („Royer Part“) eingebaut. So erzeugen sie eine wahnsinnige Intensität, lassen den Sturm auf die Ruhe folgen, nur um wieder in den Sturm zu hetzen. Irgendwas zwischen Hysterie und Emo schwingt beim ganzen Album mit, alles wirkt sehr bipolar und paradox, aber trotzdem passend.
Obwohl sich Scarabæusdream hauptsächlich auf das Klavier und Drums konzentrieren, ist das Album extrem – in jeder Hinsicht.
Extrem vielschichtig, extrem aufwühlend, extrem hektisch und extrem gut. Und wer das alles zu künstlerisch findet, der bekommt in der Pophymne „Geee!“ noch Glücksgefühle. Da klingen die beiden dann schon eher nach Muse oder Everything Everything.
Auf jeden Fall klingt es wieder mal nach einer Band, die man unbedingt mal live gesehen haben sollte. Nicht nur, weil die Umsetzung sicherlich spannend ist, sondern auch, weil die Musik durch so viele Facetten getragen wird, das es rein stilistisch schon nicht langweilig werden dürfte. Das Album jedenfalls ist ein absoluter Brecher. Wer auf clevere Kompositionen steht und sich selbst ungern auf ein Genre beschränkt, ist hier genau an der richtigen Adresse. (Jenny Gottstein – 8/10)

www.ralf-koch.de

Man könnte meinen, es gibt da jemanden, der auf solche Knaller achtet, sie herausnimmt und sorgsam ihre Veröffentlichung extra auf den Jahresanfang legt. Denn dieses Album ist etwas ganz Besonderes, das einen jungfräulichen Veröffentlichungskalender verdient hat. Und ich habe keine Ahnung, ob das auch schon auf die ersten beiden Album von Scarabæusdream zutraf, aber “Crescendo” ist so ein Knaller. Ein Meisterwerk. Etwas ganz Eigenes.
Das beginnt bereits mit der Besetzung: Hannes Moser am Schlagzeug und Bernd Supper an Klavier und Stimme ist alles, was es braucht, um dieses Kleinod zu schaffen. Was man gar nicht glauben kann, wenn man – wie ich (wie meistens) – erst das Album ein paar Male gehört hat, bevor ich mich mit derlei Informationen beschäftige. Denn mit diesen zwei Instrumenten erschaffen sie Arrangements von erstaunlicher Klangfülle. Dazu kommt eine Abwechslung, die ein wiederholtes Hören unausweichlich macht. Womit wir beim Wichtigsten dieses Albums wären, der Musik. Die aber zu beschreiben extrem schwer ist. Intro fasste das gewaltige Universum des Duos zusammen als von episch-orchestraler Klassik über Posthardcore-Geschrei bis hin zu Pop reichend. Und in der Tat wechseln meterdicke Soundwände mit ganz leisen Momenten, freut man sich über eingängige Pop-Melodien, die im nächsten Moment von aggressiven Screamos flankiert werden (was glücklicherweise die Ausnahme bleibt), stapeln sich zunächst scheinbar einfache Ideen zu komplex verschachtelten Kunstwerken in bester Prog-Manier. Drei Songs zwischen 7 und 9 Minuten sind deswegen auch die Highlights des Albums. Entsprechend schwer ist es, diese abwechslungsreiche Scheibe einem bestimmten Zielpublikum zuordnen zu wollen, aber mögliche Orientierungspunkte sind Radiohead oder A Perfect Circle. Oder Supertramp. Oder Gazpacho. Oder Prince. Oder t (Thomas Thielen). Wer zuhören und sich mit Musik beschäftigen kann und möchte, der sollte es probieren!

Slam Alternative Music Magazine #101 / Platte der Ausgabe

Die österreichische Krachkapelle mit Gespür für große Melodien legt dem famisen “Tacet Tacet Tacet” (2017) mit “Crescendo” ihre neue Schlachtplatte musikalischer Schamlosigkeit vor. Soll heißen: Es wird laut! Doch zur Eröffnung mit “Origin” geben sich Hannes Moser und Bernd Supper noch kontrolliert und das minimalistische Soundgerüst aus Drums, Klavier und Gesang entfalten seine Schönheit anfangs durch elegante Contenance. Ein Klavier, das in seiner Unheimlichkeit auch von Wes Craven als Horrorfilm-Soundtrack in Auftrag gegeben worden sein könnte paart sich mit treibenden, stets auf Anschlag gespannten Schlagzeug und der herrlichen Stimme, die einen immer wieder an “The Blood Brothers” denken lässt. Beim Refrain greifen die beiden genreresistenten Musiker direkt ins Herz des Hörers und verpasse diesem ein Brandzeichen aufs pochende Fleisch, auf dass die Schönheit dieser Nummer niemals vergessen werde.
Wie beim klassischen Klavierabend fühlt sich der Hörer noch zu Beginn von “Euphoria Pt. 1”, bevor dem fragilen Klanggerüst durch die Stimme eine zusätzliche, herrlich brüchig erscheinende Facette hinzugefügt wird und der Song in seiner qualitativen Machart und Grundstimmung an “Radiohead” erinnert. Wenn selbige Songs wie diesen vollbringen könnten, dann hätten sie ihre künstlerische Kurve weiterhin steil nach oben treiben können und sie nicht im Jahr 2000 mit “Kid A” abflachen müssen. Synthesizerakzente verleihen der Nummer einen gewissen 1980er Charme, der aber dezent angelegt ist und die herrliche Musik nicht im Synthie-Hype ertrinken lässt. Hier brechen die beiden Ausnahmemusiker stimmlich erstmals aus den geregelten Bahnen aus und lassen vor allem im zweiten Drittel die unkontrollierte Sau raus. Dass “wild” und “frei” immer noch ganz oben am Bandbanner stehen beweisen Scarabeusdream auch mit dem brachial anmutenden “But Me” und hier zeigen sich Chaos, ungezügelten Rohheit und herrliche Scheißdrauf-Einstellung perfekt gepaart mit großer Melodie, kontrollierter Zurückhaltung und beispiellosem Gespür für ein Gleichgewicht, wie es nur die wenigsten Musiker im Blute haben. Beinahe wirken die zwei Herren als würden sie musikalisch ihren Seelenzustand offenbaren und der ist angenehm besorgniserregend. “Geee!” ist mit treibenden Synthesizer und rhythmisch kontrollierten Drums ganz nah an “Justice” und zeigt einmal mehr die Vielseitigkeit der Ausnahmeband. Ruhe und Harmonie snd so scheinbar perfekt arrangiert, dass man unweigerlich das Gefühl bekommt, dass da was im Busch lauert. Und just kurz darauf wir den tiefsten, archasischten Instinkten nach Ballerei, Durcheinander, Über- und Ineinander so gnadenlios nachgegeben, dass man meinen könnte, die Protagonisten verlieren jetzt völlig ihren Verstand. Als würden sie versuchen, so lange ihr bürgerliches Gesicht mit Melodie zu wahren, is ihr brutales, gesellschaftsverachtendes Inneres mit einer von Schmerz der Zurückhaltung verzerrten Fratze hervorbricht. Das ist auch das Schöne an der der Band: Ihre intuitive und instinktive Herangehensweise an die Musik. Mit den Wurzeln im Hardcore und Punkt irgendwo zwischen “The Mars Volta”, “At The Drive-In”, “The Blood Brothers”, “Radiohead” und “Justice” können Scarabeusdream jedoch niemals wirklich mit einer der genannten Bands plausibel verglichen werden.
Auch wenn das Credo scheinbar immer noch “Einfach mal machen” ist, nahmen sich die beiden Temperamentbomben mit Johannes Cap einen Produzenten und ließen diesen auch wirklich seinen Senf zur Musik dazugeben, was ein Grund dafür sein mag, dass die Lieder erstmals mehr Songstruktur aufweisen. Mehr System im Chaos also, und das macht “Crescendo” gleichzeitig zum bisher eingängigsten, aber auch zum abwechslungsreichsten und stellenweise zügellos wilden Album. Für dieses Juwel, für diese herrlich erfrischende Kompromisslosigkeit muss man den Granden des musikalisch brachialen Gefühlsausdrucks in ewiger Dankbarkeit verbunden sein. (Christoph Höhl)

Wiener Zeitung

Musikalische Hysterie mit Klavier und Schlagzeug.
Ob Kunst reduziert daherkommen oder besser klotzen als kleckern soll, wird von Scarabeusdream eindeutig beantwortet. Hier geht es auch abseits von knappen Zehnminütern wie “But Me” um maximale Intensität, in der Phasen der Selbstbeschränkung nur die Ruhe vor dem Sturm darstellen – und dabei auch den bipolaren Grundzug von “Crescendo” erklären. Alles ist immer sehr emo und viel zu viel – auch wenn das Duo im Kern auf Klavier und Schlagzeug vertraut. Dazu setzt es an Weltschmerz erkrankten Falsettgesang und Screamo-Einlagen der Marke Stimmbandriss.
Dass die Wurzeln der Band im (Post-)Hardcore liegen, ist nicht zu verleugnen. Für “Geee!”, den Popsong ihres dramatischen dritten Werks, scheinen heute aber auch Matt Bellamy und Muse als Vorbild erlaubt zu sein. Wer noch Zweifel hatte, wird überzeugt: Ja! Auch Männer können hysterisch sein. (Von Andreas Rauschal)

skug.at

Scarabeusdream sind back in town
Es wird wieder etwas wärmer im Lande. Zumindest für gut eine Dreiviertelstunde, denn die ohne Zweifel beste Live-Band der Welt, wenn nicht sogar ganz Österreichs, wirft mit ihrem neuen Album »Crescendo« ein paar Scheite Holz aufs Lagerfeuer der Musik. skug bietet Informationen aus erster Hand.
Scarabeusdream, einer der eindrucksvollsten Live-Acts (kann man nicht oft genug betonen) des Landes bzw. Uni- und Multiversums, legen 2019 mit »Crescendo« zum dritten Mal einen Release im Langspielformat vor. »Sample Your Heartbeat to Stay Alive« (2007) war einer der österreichischen musikalischen Höhepunkte überhaupt. Diese Mischung aus Spielfreude, Power und trotz enormer musikalischer Brutalität durchscheinender Zärtlichkeiten (siehe Refrain von »Strollerstore«), besonders mit dem klavierbegleiteten Gesang, der was von John Gourley, Mike Patton und Cedric Bixler-Zavala zugleich hat, ward so selten gesehen bzw. äääh gehört. Man fragt sich, wie die sich selbst aushalten, im positivsten Sinne dieser seltsamen Frage, schmilzt man doch dahin vor lauter Emotionen jedweder Façon. Wahrscheinlich genau durch das, was sie tun: Zu zweit (Bernd Supper am Klavier, Hannes Moser am Schlagzeug) zwischen Euphorie und Wut hin und her stampfen, emotionale Sause machen, spaßig wie das Break Dance am Prater alles rauslassen und katharsieren.
Nach dem eher »soliden« »Tacet Tacet Tacet« (2016) geht das dritte, im Jänner erscheinende Album »Crescendo« wieder richtig, richtig steil. Auf »Euphoria Pt. II« (das dann in das herzzerreißende »But Me« übergeht) zeigen sie dieses Abfucken exemplarisch: Im klassischen SB-Arrangement, also schön komponierte Popstücke mit manischen Post-Hardcore-Phasen, die zuckersüß wie Hubba Bubba schmecken, ziselieren sie ihre Manie in wuchtige, aber piekfeine Gefühlscollagen. Schwer, hier einen Top-Track anzugeben, die Stücke gehen ineinander über wie aus einem Guss. Man darf getrost alles Elend der Welt im Allgemeinen und Österreichs im Speziellen um sich herum vergessen und seine wahre Heimat hier in diesem Kunstwerk finden. Wie Scarabeusdream das selbst sehen, hat uns die Band im Kurzinterview verraten.

skug: Glückwunsch erstmal. Das neue Album gefällt sehr gut!
Scarabeusdream: Ma, vielen Dank. Oft ist es für uns ja so, dass wir uns das eigene Zeug gar nicht mehr anhören mögen, wenn es erst einmal den Tonträger gibt. Diesmal haben sogar wir noch eine Freude dran.
Nach dem sehr experimentellen »Tacet Tacet Tacet« schlagt ihr mit »Crescendo« wieder einen Weg ein, der zurück an eure Anfang mit »Sample Your Heartbeat to Stay Alive« führt und dem Ganzen noch einen poppigen Touch hinzugibt. Ist man nach bald 15 Jahren Bandgeschichte noch immer auf Suche nach dem eigenen Sound?
In Wahrheit ist das genauso, wie du sagst: eine Suche. Die muss es unserer Meinung nach auch bleiben. Wenn wir etwas gut finden, ist das immer nur eine Momentaufnahme. Uns geht es nicht darum, ein Kochrezept zu finden und zu perfektionieren, wir wollen die Bedeutung unserer Musik in der Gegenwart finden und nicht in einem Archiv von Arrangements, die schon einmal funktioniert haben. Wir sind keine Genre-Band.
Eure Auftritte gehören zu dem Besten, was die österreichische Live-Musiklandschaft zu bieten hat, und doch sind sie leider zu rar. Haben die Konzerte überhaupt einen Einfluss auf eure Musik oder passiert das Wesentliche im Proberaum und Studio?
Im Proberaum und im Studio geht es immer nur um eine Annäherung an das Live-Gefühl. Nichts kann eine Konzertatmosphäre ersetzen. Dort passiert einfach alles, was unserer Musik Bedeutung gibt. Und zu unserem großen Glück hat gerade eine deutsche Agentur mit uns eine Zusammenarbeit gestartet. Wir stehen schon in den Startlöchern.
Eure Karriere hat sich auftrittstechnisch vor allem auf Österreich beschränkt. Steht der große Durchbruch noch aus, oder ist das Kalkül einer Band, die mit ihrem »Geheimtippstatus« spielt?
Hmm, sagen wir mal es war Kalkül … jetzt werden wir aber wieder überall auftauchen. Dort, wo man uns will, und dort, wo man uns nicht will. Das ist die Agenda.
Der Albumtitel »Crescendo« ist – bezogen auf den herrschenden Zeitgeist – wenig doppeldeutig. Vielleicht könnt ihr doch noch ein, zwei Worte dazu sagen, denn eure Musik ist ja gerade deswegen so prima, weil ihr eben nicht nur laut werden könnt, Stichwort Dynamik, sondern dabei noch äußerst gefühlvoll und subtil seid – aber eben auch laut!
Wir leben gerade in einer Zeit, in der Menschen, die ewig nach einem linearen Leben gestrebt haben, jetzt nach einer Steigerung, einem »Crescendo«, dürsten. Die Unterhaltung, das Spektakel allein, kann die braven Pferde nicht mehr ruhigstellen. Unbeholfen und desorientiert wird nach irgendwelchen Guidelines fürs Lebens gesucht. Statuen und Monumente der Vergangenheit werden wiederbelebt. Aber die sind aus Stein. Alles fällt in sich zusammen.
»Es gibt diesen Spruch »Heimat ist da, wo man sich am meisten schämt.« Ihr kommt aus Pinkafeld, wo auch einer der schlimmsten rechtsradikalen Politiker Österreichs, Norbert Hofer (FPÖ), herstammt. Schämt ihr euch wenigstens etwas?
Natürlich! Ja, wir schämen uns. Es ist doch absurd. Wenn man die Geschichte des Burgenlandes kennt, könnte man glauben, es sei ein Land, in dem positive Diversität gelebt wird. Nach unserem Verständnis definiert sich burgenländische Identität eben nicht durch die Zugehörigkeit zu einer Nation. Die gibt es nämlich schlicht und ergreifend nicht. Es hat im Versteckten in Wahrheit immer einen gewissen Rassismus gegeben, der nun auch von konservativen Politikern befeuert wird. Konservativismus, das ist überhaupt der Boden für den ganzen Schlamassel.

Cute & Dangerous To Go 1/2019

Die Österreicher kombinieren Drums und Piano, was für sich eigentlich sehr eigenwillig klingt. Doch die Klänge liegen zwischen Indie Rock und melodischen Popsongs, frisch nach der Apokalypse geschrieben. Beeindruckend sind die Kräfte, die im Songmaterial schlummern und auch beim Zuhören, sich auf den Hörer übertragen. Das Duo hat ein Album geschaffen, welches be-eindruckt und befreit, wenn es auch nicht die Apokalypse verhindert. (6/7)

mix1.de

Das zweiköpfige Orchester, bestehend aus Bernd Supper und Hannes Moser, präsentiert am 18. Januar 2019 das Album “Crescendo”. Auf dem dritten Album spannt sich der konzertante Bogen der beiden von mitreißender Posthardcore-Manie bis hin zu grell-präzisen Pop-Blitzen. Eine bunte Klangwelt – gewagt, laut und experimentierfreudig! (6/8)

CD Aktuell

Das zweiköpfige Orchester Scarabæusdream veröffentlicht mit seinem dritten Album “Crescendo” einen Meilenstein, erschafft ein Ungetüm, ein Werk. Klanglich und konzeptuell vom Produzenten Johannes Cap auf den Punkt gebracht, spannt sich der konzertante Bogen der beiden von mitreißender Posthardcore-Manie bis hin zu grell-präzisen Pop-Blitzen.
Gleich drei Songs sind Euphoria betitelt und das nicht ohne Grund: Hannes Moser am Schlagzeug und Bernd Supper an Klavier und Stimme schaffen in ihren Arrangements eine musikalische und emotionale Fallhöhe, die jeglichen Vergleichen entbehrt. Da brechen meterdicke Soundwände durch, und sintflutartige Klangwellen verdampfen im nächsten Moment zu Wolken, die fragile Interludes tragen. “Crescendo” dringt ein und durchdringt, tätowiert sich in die hinterste Herzkammer, umarmt offenbarend und hinterlässt eine Sucht.

Der Hörspiegel

Dieses Duo aus Österreich versucht sich von der Instrumentierung hier auf noch nicht ausgetretenen Pfaden. Piano & Gesang und Schlagzeug ist alles was sie brauchen um ihre Musik zu kreieren.
Die Musik ist schwer zu beschreiben. Am ehesten erinnerte es mich an die Band MUSE, nicht nur weil Sänger Bernd Supper ebenfalls auf eine ungewöhnliche Art singt. Das kann wie bei „Euphoria Pt. 1“ auch schon mal sehr exzessiv werden.
Das melancholische Lied „Elvis“ beendet das Album auf eine angenehme Art und Weise.
„Crescendo“ wirkt sehr außergewöhnlich und stark künstlerisch.
Es bleibt abzuwarten, ob sich eine Fangemeinde für diesen seltene Stilmix aus Pop, Post-Rock und Alternative-Rock findet. (Markus Skroch, 7/10)